In der heutigen schnelllebigen und reizüberfluteten Zeit kann das Klosterleben ein gutes Vorbild dafür sein, wie Menschen lernen können, sich auf Wesentliches zu konzentrieren.: Rituale der Ruhe

Konzentration auf das Wesentliche und eine bewusstere Wahrnehmung der eigenen Handlungen wünschen sich viele Menschen, die ihr Leben im Beruf und meist auch zu Hause als hektisch empfinden. Sie wollen zur Ruhe und Besinnung kommen. Meditationskurse boomen daher ebenso wie Erholungsurlaube in Klöstern. Aus der Stille dort, so hoffen die Klostergäste, können sie Kraft schöpfen, für weitere anstrengende Wochen in ihrem Job. Um solche Energien zu mobilisieren, braucht sich der gestresste Großstadtmensch jedoch nicht zwingend tagelang hinter dicken Mauern zu verschanzen. Er kann die Vorteile, die die Lebensweise von Mönchen und Nonnen Berufstätigen bieten kann, auch zu Hause nutzen, indem er die Techniken des Klosterlebens kopiert, soweit sie ihm nützlich erscheinen.Tagesablauf strukturieren"Es fehlt vielen Menschen an einer geregelten Tagesstruktur" benennt der Mediziner und Fachbuchautor Wilhelm Schmid-Bode eines der Probleme, weshalb viele Arbeitnehmer kaum mehr zur Ruhe kommen. Er empfiehlt deshalb, eine möglichst strenge Routine in den Tagesablauf aufzunehmen. Wichtig sei, dass darin Zeit für Pausen eingeplant werde. Diese Phasen könne man nutzen, um zur Besinnung zu kommen. Schmid-Bode beschreibt dies als ein In-sich-hineinhören. Das innere Sich-sammeln könne in Form einer Meditation oder eines Gebetes bestehen, wie es Mönche tun - müsse es aber nicht. Wichtig sei aber, eine passende Methode zu finden, rechtzeitig zu erkennen, welche Bedürfnisse der Körper hat. "Durch den Zeitdruck bei der Arbeit neigen viele dazu, sich ständig zu überfordern", berichtet der Experte. Folge sei, dass die Betroffenen krank und depressiv werden, was letztlich als Burnout-Syndrom bekannt ist. Wer dagegen regelmäßig in seinen Arbeitsablauf Pausen einplane und diese nutze, um sich bewusst zu erholen, verringere das Risiko sich zu erschöpfen. "Es ist immer besser, sich zeitig Ruhe zu gönnen und danach fit weiterzumachen, als den toten Punkt einfach wegzumogeln", sagt Schmid-Bode. Er gibt aber zu, dass dies nicht in jedem Beruf möglich ist.Der Einzelne könne auf dem Weg zu mehr Besinnung aber auch noch mehr tun, als Rituale der Ruhe in seinen Tag einzuplanen. Entsagungen seien eine wirkungsvolle Übung, sich auf Wesentliches zu konzentrieren, sagt der Experte. Im Kloster werde Askese geübt, um sich aus der weltlichen Verstrickung zu lösen. "Der Einzelne braucht sich aber nicht gleich selbst kasteien", stellt Schmid-Bode klar. Verzicht zu üben, könne jedoch helfen, wieder das richtige Maß zu finden, das in unserem Alltag teilweise bereits abhanden gekommen sei. Einer bewussten Beschränkung beim Konsum auf Dinge, die man wirklich brauche, folge eine Konzentration auf das Wesentliche.Dabei sei mit Konsum nicht lediglich Einkaufen gemeint. Schmid-Bode stellt fest: "Wir sind einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt." Und er rät dazu, auszuprobieren, wie es sich anfühlt, wenn es ganz still um einen herum ist. Manche Menschen hätten davor regelrecht Angst, berichtet er. Denn wenn nichts mehr ablenkt, könnten sich die Gedanken ungehindert entfalten, wobei es darunter auch solche gebe, die unangenehm empfunden werden. Dennoch rät der Experte, die Scheu vor Stille zu überwinden.Wie stark vollkommene Ruhe wirken kann, beschreibt Philip Gröning, der einen Film über den Karthäuserorden gedreht hat. Die Mönche des Ordens leben schweigend in ihren Klöstern. Gröning hat während der Filmarbeiten erlebt, wie sich seine eigene Wahrnehmung durch die Stille vertieft hat. Selbst Kleinigkeiten werde mit viel mehr Sorgfalt begegnet. Wie konsequent die Karthäusermönche dies tun, zeigt ein Beispiel, von dem Gröning berichtet. So werfen die Mönche nichts weg, was noch irgendwie zu gebrauchen sei. Jeder Knopf werde aufgehoben, und zwar nicht aus Sparsamkeit, sondern aus Achtung vor der Arbeit desjenigen Menschen, der den Knopf einmal hergestellt hatte.------------------------------GELASSENHEIT ÜBENRegeln: Klöster gibt es in vielen Teilen der Welt. In Mitteleuropa gilt Benedikt von Nursia als Begründer der Klosterkultur. In einer von Unruhen und Auflösungstendenzen der spätantiken Gesellschaft geprägten Zeit gründete er im Jahr 529 das Mutterkloster der Benediktiner. Dort entwickelte er mit seinen Klosterregeln ein Konzept von Zucht und Maß für das Leben der Mönche. Dazu gehörte das Zölibat, eine einfache Ernährung mit maximal einer gekochten Hauptmahlzeit am Tag und nur geringem Weinkonsum sowie feste Zeiten für Gebet, Lesung, Arbeit und Schlaf.Meditation: Christliche Mönche, aber auch Menschen aus anderen Kulturen suchen die innere Versenkung, um ihren Geist ruhigzubekommen. Ob man es Gebet oder Meditation nennt, ist egal. Es geht im Prinzip stets darum, den Geist stillzubekommen, von Sorgen und Ängsten loszulassen, um sich nur auf das Sein zu konzentrieren. Die Fähigkeit der Versenkung kann man mit etwas Übung erlernen und so zu mehr Gelassenheit im Alltag finden.