In der Manufaktur von Dieter Burmester entsteht Audiotechnik für anspruchsvolle Akustik-Genießer. Den Preis könne man hören, sagt er: Ein paar Minuten mit John Lee Hooker

Der Bass pulst durch den Raum. Die Drums pumpen. Finger quietschen über eine Gitarre und man meint, jede einzelne Wicklung auf den Saiten hören zu können. Dann legt John Lee Hooker seine Stimme auf das Klanggewebe und beherrscht den großen Raum. Der Blues-Gott ist nicht tot. Er ist hier. Überall. Dieter Burmester hat ihn hergeholt.Der Mann steht reglos da. In einer Hand hält er eine Fernbedienung. "Hören Sie einfach", hatte Burmester gesagt. Nun triumphiert er. Wieder einmal hat die Technik, die da zuverlässig hinter polierten Fronten und zwischen meterhohen Boxen arbeitet, ihre Wirkung erzielt. Eine Stereoanlage zum Preis einer Oberklasse-Limousine. Allein der CD-Player ist so teuer wie ein gut ausgestatteter Kleinwagen.Dieter Burmester baut Audiotechnik für den gehobenen Anspruch. Das Feinste, was der Audio-Gourmet derzeit seinen Gehörgängen bieten kann, entsteht in einem Gewerbegebiet fernab einer Schöneberger Hauptstraße. Der Vorführraum, in dem eben zuweilen auch Mr. Hooker anzutreffen ist, befindet sich in der ersten Etage. An einer Wand hängen Preise mit Namen wie "Golden Ear" oder "Product of the Year" aus der ganzen Welt. Auf einem Bord davor liegen noch einmal etwa zwei Dutzend Auszeichnungen. "Die haben wir noch gar nicht ausgepackt", sagt Dieter Burmester ohne die Spur von Arroganz. Es klingt glaubhaft.Der 63-Jährige hat sich etwas Jungenhaftes bewahrt. In den Augen steckt noch immer kindliche Neugier. Burmester kommt ursprünglich aus Schleswig-Holstein. Dort hat er gelernt, wurde Radio- und Fernsehmechaniker. Nebenbei spielte er Bass und Gitarre in einer Band und nutzte das Berufswissen, um seinen Vox-Verstärker immer noch besser zu machen. Schließlich wurde Burmester, der heute noch immer stets ein Plektrum in der Hosentasche und mittlerweile eine 40 Instrumente umfassende Gitarrensammlung hat, Berufsmusiker und ging zum Studium nach Berlin. Die Ausbildung zum Elektroniker finanzierte er sich mit der Musik, die danach wieder Hobby wurde. Als Absolvent gründete er in seiner Wohnung ein Ingenieurbüro für Medizintechnik. Es lief gut.Und eigentlich hätte es so weiter laufen können, wäre Burmesters geliebte Quad-Stereoanlage nicht eines Tages plötzlich verstummt. 4 500 Mark hatte er für dieses Stück gezahlt. "Dafür gab es damals einen Mini Cooper", sagt er, und dass er mit dieser Anlage als Mittzwanziger begonnen habe, zu hören.Den Quad-Ersatz baute sich Burmester selbst. Wer komplizierte Diagnosegeräte konstruieren konnte, sollte auch einen brauchbaren Verstärker hinbekommen, sagte er sich. Das war 1977. Freunde und Bekannte waren begeistert und interessiert. Schon im folgenden Jahr habe er gut davon leben können, aber es war erst der Anfang, wenngleich ihm ein Kredit verwehrt wurde. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie ein junger Bankangestellter ihm erklärte, dass das Geschäftsmodell nicht funktionieren könnte. Heute hat Dieter Burmester 30 Angestellte und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von knapp zehn Millionen Euro und ist dem Banker von damals in gewisser Weise dankbar. Bis heute investiert er nur, was er erarbeitet. Da sei er ganz konservativ, sagt er, gar nicht mutig.Mittlerweile bringt das Unternehmen in jedem Jahr mindestens ein neues Gerät auf den Markt. In der Entwicklungsabteilung liegt der Altersdurchschnitt bei Ende 20. Junge Leute mit langen Haaren und Metallica-Shirt. Laut Burmester muss man nicht Musiker sein, um bei ihm einen Job zu bekommen, aber es helfe. Oder Sportler. Es geht ihm um die Leidenschaft für eine Sache und das freie Denken. Alles muss möglich sein.Wegen dieser Arbeitsweise war vor zehn Jahren auch die Automobilindustrie an ihn herangetreten. VW suchte jemanden, der den eine Million Euro teuren Bugatti-Sportwagen angemessen mit einem Bordradio versehen könnte. Burmester konnte. Vor drei Jahren bekam die Hifi-Manufaktur dann auch den Zuschlag für die Entwicklung einer Audioanlage für den Porsche Panamera. Dafür war die Firma Burmester gegen die Größten der Branche angetreten und hatte gewonnen. Es ist Dieter Burmester anzusehen, dass er darauf stolz ist. Aber mehr noch freut ihn das Resultat. Es sei der Beweis, dass Hörgenuss im Auto kein Kompromiss mehr sein muss, sagt er, und es klingt, als habe er eines der letzten großen Menschheitsprobleme gelöst.Unten im Erdgeschoss der Firma stehen transportfertig die Paletten mit Kartons. Schweden, Norwegen, Taiwan, Korea, Hongkong steht auf den Aufklebern. Es sind die Empfänger, nicht die Absender. Burmesters Technik ist längst in der ganzen Welt gefragt.Nebenan arbeitet Bernd Stark im sogenannten Lautsprecher-Labor. Er sitzt vor einer Box mit einer sonderbar wirkenden Testanordnung. Bernd Stark ist so etwas wie der Lautsprecher-Guru. Seit drei Jahren gehört er zum Unternehmen. Vorher konnte ich ihn mir nicht leisten, sagt der Chef. Jetzt kann er. Die Boxen, die Burmester zu seinen Anlagen anbietet, kosten im Paar mindestens 8 000 Euro. Die größten stehen mit 45 000 Euro in der Liste.Sind diese Preise wirklich gerechtfertigt? Burmester blickt irritiert. "Wenn man den Preis nicht hören würde, gäbe es die Firma nicht mehr."------------------------------77 internationale Preise hat die Schöneberger Firma Burmester Audiotechnik bislang für ihre Produkte bekommen.Foto: "Für mich ist es mutig, wenn ein junges Paar mit nicht viel Geld eine Familie gründet. Davor habe ich allergrößte Hochachtung." Dieter BurmesterTECHNOLOGIEIn seiner Wohnung in der Kreuzberger Methfesselstraße schraubte Konrad Zuse 1941 den ersten Computer der Welt zusammen. Visionäre wie er sind noch immer gefragt, doch im stillen Kämmerlein braucht in Berlin kein Tüftler mehr zu hocken. Die Forschungslandschaft der Hauptstadt mit ihren vier Universitäten, sieben Fachhochschulen und mehr als siebzig Forschungsstätten ist so gut vernetzt wie in keiner anderen deutschen Region. 200 000 Studenten und Forscher aus aller Welt wissen das zu schätzen. Dank der exzellenten Forschungsbedingungen ist es sieben Jahrzehnte nach Konrad Zuses Erfindung möglich, einen Computer per Gedankenkraft zu steuern. Die Datenhaube (Foto links), die Forscher des Fraunhofer-Instituts FIRST in Adlershof entwickelt haben, misst Hirnströme - und soll in Zukunft körperlich behinderten Menschen ermöglichen, Arm- und Beinprothesen zu steuern.