Es war der zweite Anlauf, aber womöglich ist es auch kühn, ohne Reservierung Einlass zu begehren in ein Restaurant, dessen Eröffnung am 10. Juni ausgiebig im Gesellschaftsteil der Tageszeitungen gewürdigt wurde: Betrieben wird die Yva suite von Iris Berbens Sohn Oliver, gemeinsam mit dem Besitzer des Mondo Pazzo, dem Inhaber des 90° und dem Vorstand der Constantin Film AG, für die Weinauswahl im gehobenen Bereich zeichnet verantwortlich Herbert Seckler vom Sansibar - laut "www.abc-sylt.de" der "bekannteste Wirt Deutschlands". If you can make it in the Dünen of Rantum, you can make it everywhere. Dann kommt sogar Ariane Sommer, lässt das Haar mal herabhängen und windet es mal zum Knoten und trinkt dazu abwechselnd Rotwein und Coca-Cola Light - drinnen unter goldgefassten schwarzen Leinwänden, über die sich leuchtend rote Risse ziehen. Sieht aus wie kurz vor einem Vulkanausbruch.Ich bilde mir ja ein, dass die freundliche Abweisung beim ersten Mal mit Cargo-Pants und Turnschuhen von unhipper Marke zu tun hatte. Doch ich mag mich irren, es war wirklich voll. Beim zweiten Mal, in Kleid und Pumps, wurde mir anstandslos ein Tisch im Außenbereich zugewiesen, allerdings verbunden mit der Frage des Abendmanagers, wie lange man zu bleiben gedenke. Tja, wenn man das immer so wüsste.Trotz dieser straffen Verwaltung dauerte es ein Viertelstündchen, bis wir kundgeben durften, was wir gewählt hatten. Aber das optisch gut gecastete Personal muss am frühen Abend auch erst einmal die engen Reihen von Tischen mit gelb-weißen Karodecken auseinander rücken, wenn der Optiker nebenan Feierabend gemacht hat. Wir begutachteten unterdessen ein Trio tief gebräunter Herren, denen neben einem großen Interesse an weiblichen Passanten das Flugticket aus der Hemdtasche schaute (die haben sicher alle Häuser auf Mallorca - und wenn nicht: wer jetzt keins hat, der baut sich keines mehr, der Ureinwohner ist ja so heikel mit den Umweltschutzauflagen). Denen waren wir natürlich zu alt; wer seine erste Frau nur teuer loswerden konnte, nimmt sich danach nichts Zänkisches in mittleren Jahren.Leider kam der Apéritif auch erst, als uns schon die Vorspeise serviert worden war. Eine kalte, dank Gewürzgurkenbeigabe wirklich angenehm würzige Gurkensuppe mit Hummer (7 Euro) und ein feinherber Champagner-Cocktail wie der "Due Campari" (Campari, Campari Cordial, Zitronensaft, Champagner; 9,50 Euro) haben sich nicht unbedingt etwas zu sagen. Der "Pimm s Royal" der Begleiterin (Pimm s, Champagner, Gurkenschale, 9 Euro) hatte zumindest auch Gurke in sich, wurde aber entgegen den Kartenangaben mit Orangensaft serviert, was keine begrüßenswerte Alternative darstellte.Danach erschien eine Vorspeisenvariation für zwei, die mit 24 Euro preislich recht üppig wirkte, sich dann jedoch mit gebratenen Chorizohälften, butterzarten Hähnchenbrusthälften, gegrilltem mediterranen Gemüse und einem Rucola/Parmesan-Hügel zu rechtfertigen wusste. Und über ein köstliches Zitronensorbet für zwei Euro kann man auch nicht meckern. Ähnlich schön als Dessert bzw. Digestif ist ein "Espresso Sour" (Weißer Rum, Zitronensaft, Lime Juice, Rohrzuckersirup, Espresso). Überhaupt waren die Cocktails fast immer sehr überzeugend; Barchef ist David Monnie, der vormals in der Bar am Lützowplatz tätig war.Ach ja: Die titelgebende Yva war eine der bekanntesten Fotografinnen der Weimarer Republik, die heute nur noch unter der Verschlagwortung "Helmut Newtons Lehrmeisterin" firmiert und ihr Atelier in der Schlüterstraße hatte - allerdings da, wo sich nun das Hotel Bogota befindet. Und der Namenszusatz Suite steht hier, wie im Hotel, für eine Folge von Räumen (also Bar, Restaurant, Lounge). Er kann aber auch das Gefolge eines Fürsten bezeichnen.Yva suite Adresse: Schlüterstraße 52 Tel. : 88 72 55 73 Öffnungszeiten: So-Do 18-3 Uhr Fr/Sa 18-5 Uhr Kreditkarten: alle außer Diner s