Es gibt so viele Veranstaltungen in dieser Stadt, die finden in Nischen statt und werden im metropolitischen Kulturbetrieb kaum wahrgenommen. Und wenn man nicht durch Zufall für einen Abend zu Gast ist in so einer Nische, dann würde man diesen Veranstaltungen nie begegnen. Vor allem nicht den Leuten, die mit viel Idealismus und wenig Geld ihr Ding machen und etwas auf die Beine stellen, was es ohne sie nicht gäbe. Man würde an diesen Veranstaltungen vorbeifahren, ohne je von ihnen zu erfahren. Man muss nur mit der U 1 an einem Montagabend durch Kreuzberg rumpeln. Man könnte am Schlesischen Tor vorbeifahren, nächster Halt "Görlitzer Bahnhof". Man könnte aber auch aussteigen am Schlesischen Tor, und schon wäre man mittendrin in so einer Veranstaltung: MoKato, afrikanische Salons mit Musik, Tanz, Kunst und Küche aus Afrika.Die Frau für allesAls Erstes würde einem dort neben vielen Leuten mit mächtigen Afro-Frisuren und hohen, topfartigen Wollmützen Mahide Lein begegnen. Sie ist genau die Person, auf die es bei diesen kleinen Veranstaltungen in der großen Stadt ankommt. Lein, 52, ist Veranstalterin, aber sie ist noch viel mehr. Zum Beispiel bei dem Abend "Heilige Drei Königinnen" am vorigen Montag: Mahide holt Stühle aus dem Nebenzimmer des Kato-Saals, wenn Stühle fehlen. Sie kündigt die Künstler an, die auf die Bühne kommen. Sie eilt zu ihrer Videokamera, um die Künstler zu filmen, bittet die Zuschauer, mit ihren Stühlen eine Fläche vor der Bühne frei zu machen, falls andere Zuschauer tanzen wollen. Und ist schon wieder unterwegs, weil auf der Bühne plötzlich ein Musiker mehr sitzt, und dem fehlt ein Mikrofon. Alles ist Improvisation an diesem Abend, aber vielleicht ist es deshalb so charmant. Man sieht auf den ersten Blick, wie mit viel Idealismus für eine Sache gearbeitet wird, wo die finanziellen Mittel äußerst beschränkt sind.Stephania Alofuokhai-Ghogomu aus Nigeria hat für diesen Abend zum Beispiel einen Film mitgebracht, mit dem sie die kulturelle Vielfalt Afrikas zeigen will. Es sind wunderschöne Bilder von einem afrikanischen Zirkusfestival in Paris. Ghanaische Akrobaten verdrehen ihre Körper, Clowns aus Südafrika machen Klamauk. Die Leinwand ist aus einer großen Holzplatte und zwei aneinander gehefteten Betttüchern, alles ruht ein wenig schief und krumm auf zwei Stühlen. Leider war der Film zu lang, und weil das Programm des Abends eh schon viel zu spät begonnen hat, muss Mahide Lein den Film unterbrechen. Aber sie verspricht, man könne an jedem Montag einen Film angucken. Sie muss an diesem Abend aber die Uhr im Auge behalten, es ist schon gegen elf, da warteten Djatou Touré und die Academy Percussion-Group mit ihrem Vater Souleymane Touré schon länger auf ihren Auftritt mit Musik aus Elfenbeinküste, und Sista Ndaponah, DJane aus Namibia, soll auch noch auflegen.Früher hieß MoKato Trommelfeuer, dann stand die Reihe mit afrikanischer Musik im Herbst 2000 vor dem Aus. Mahide Lein sagt, sie habe die Veranstaltung gerettet, und wahrscheinlich stimmt das auch. "Das kann und darf nicht sein, dass es hier keinen Ort für afrikanische Kultur gibt", fand Mahide und belebte den Ethno-Treff neu. Manchmal glaubt sie, sie sei die Reinkarnation einer Afrikanerin oder bereite sich auf ein späteres Leben dort vor. Sie ist verliebt in den Kontinent, spätestens, seit sie eine längere Reise durch Simbabwe machte. Sie habe geweint, als sie in Afrika ankam. "Ich fühle mich stärker, wenn ich mit der ganzen Welt zu tun habe", sagt sie. Es sei ihr Beitrag für eine offenere Stadt und dafür, "dass es einen Treffpunkt für afrikanische Künstler gibt".Die Schönheit Afrikas zeigenStephania Alofuokhai-Ghogomu, die Filmvorführerin des Abends, sagt, die Veranstaltung, die Mahide vor dem Untergang bewahrt hat, sei "der einzige Treffpunkt für schwarze Menschen in Berlin". Sie lebt seit 1988 in Berlin, hat während der Militärdiktatur in Nigeria im Untergrund gearbeitet und leitet die deutsche Sektion der United Democratic Front of Nigeria. Sie arbeitet beim Berlin-Afrikanischen Immigranten-Projekt und bekämpft die Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen. Aber sie will nicht immer nur die Probleme Afrikas diskutieren, sondern auch einfach mal seine Schönheiten zeigen. Das kann sie - immer montags bei MoKato.Kulturbahnhof Kato // Bis 1981 war Kato ein Kaufhaus im U-Bahnhof Schlesisches Tor in Kreuzberg - daher stammt vermutlich auch der Name: Kaufhaus am Tor.Nach der Restaurierung des U-Bahnhofs 1981 beherbergten die Räume die Internationale Bau-Ausstellung (IBA). Hier fanden Vorträge und Diskussionen statt.Seit 1993 gibt es im "Kato-Kulturbahnhof" Konzerte: freitags Gothic, sonnabends Reggae und Rock, montags Afrikanisches - fast jeder Stil ist vertreten.BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER Djatou Touré, Tochter des Volkes Mandinge, und die Academy-Percussion Group spielten Lieder und zeigten Tänze von der Elfenbeinküste.