Mitte der Siebzigerjahre ist Matthias Körner zum ersten Mal dem Berliner Stadtschloss oder dem, was davon noch übrig war, begegnet. Körner war 20, er hatte gerade als Steinbildhauer angefangen. Im Regal der Werkstatt in Weißensee lagen neben Gipsskulpturen und Tonmodellen zwei angeschlagene Köpfe aus dunkel gewordenem Sandstein. Körner nahm sie zuerst nicht wahr, aber dann sah er, wie die Köpfe von anderen Bildhauern in Gips abgeformt und in Stein kopiert wurden. Sein Meister erzählte ihm, dass sie von zwei Engeln stammten, die einst die Schlütersche Fassade des Schlosses schmückten. Körner wusste nicht viel vom Schloss, aber die Köpfe faszinierten ihn. Er begann, die Häupter der Engel zu zeichnen, später modellierte er sie. "Sie waren wunderschön", sagt er. "Schönheit schafft Vertrauen, das vergisst man nicht, das gräbt sich ein."Matthias Körner sitzt an einem ovalen Eichentisch, ein großgewachsener, schlanker Mann mit dichten, dunklen, an den Schläfen grau werdenden Haaren. Tonreste kleben an seinen Händen, auf seinem dunklen, ausgeblichenen Hemd sind Gipsspuren zu sehen. Er wirkt ein bisschen verloren in dem kalten, turnhallengroßen Atelier, draußen schneit es und der Stromversorger ist nicht in der Lage, genügend Energie in die Heizungsanlage zu speisen.Tonmodelle in verschiedenen Größen umgeben Körner, Engel mit knubbeligen Beinen, filigrane Frauenköpfe, eine überlebensgroße halbfertige Skulptur, der das Eisenskelett aus den Rippen ragt. Auf dem Tisch stehen die Reste eines Werkstattfrühstücks, Körner lässt Kaffee in Tassen laufen und brennt sich einen Zigarillo an. Aus seinem iPod kommt klassische Musik."Da drüben liegen die Engelköpfe", sagt er und zeigt in einen Winkel seines Ateliers. 35 Jahre sind vergangen, seit er sie zum ersten Mal sah. Er hat sie zwischendurch manchmal aus den Augen verloren, aber er hat sie nicht vergessen. Wenn es soweit ist, wird er sie in eines der Portale des Schlosses integrieren. Für ihn schließt sich dann ein Kreis.Dass Körners Weg einmal zum Schloss führen würde, war nicht absehbar. Er wuchs in einer Schauspielerfamilie auf, in der elterlichen Bibliothek standen Bildbände, Rodin, Bracque, Giacometti, Körner blätterte darin. Picassos Kubismus zog ihn an, mit elf zeichnete er seine Arbeiten nach. Mit 16 kopierte er Goya. "Damals wurde bei uns zu Hause gebaut", erzählt er, "es war noch Zement übrig, ich hab daraus im Garten meine ersten Skulpturen geformt."Ein Jahr später bewarb sich Matthias Körner an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee für Malerei. Von 200 Bewerbern kam er unter die letzten fünf, aber angenommen wurde er nicht. In Weißensee wollte man Arbeiten im sozialistischen Realismus sehen, aber Körner war gerade in einer surrealistischen Phase. So begann er eine Steinmetzlehre und später eine Ausbildung zum Steinbildhauer.Das Stadtschloss war zu dieser Zeit nur eine blasse Erinnerung der älteren Kollegen, die seine Zerstörung und schließlich die auf Anweisung Walter Ulbrichts erfolgte Sprengung noch miterlebt hatten. Das Thema war tabu in der DDR. "Politisch-ideologisch planiert", nennt es Körner. Als Erich Honecker in den Siebzigerjahren den Palast der Republik bauen ließ, gab es auch keine Wunde in der Berliner Mitte mehr, die Erinnerung wecken konnte.Während Matthias Körner erzählt, steht er manchmal auf, geht zu einem Podest, das er gleich neben dem Tisch aufgestellt hat. Darauf liegt ein Relief, das ihn nicht loszulassen scheint, ein Gesicht zeichnet sich in der Mitte ab. Mit einem Spachtel zieht er Konturen in den frischen Ton, prüft, korrigiert, legt das Werkzeug beiseite, wartet ein Weilchen, kommt zurück an den Tisch, raucht, erzählt. Nach und nach entstehen Augen, Nase, Lippen. "Detailarbeit", sagt Körner, die in der Bildhauerei genauso wichtig sei wie der große Entwurf.Jahrelang erlernte Körner in den Werkstätten von Stuck- und Naturstein das Modellieren von Ornamenten und Figuren. Er war dabei, als der Gendarmenmarkt wieder aufgebaut wurde, eines der Glanzstücke barocken europäischen Bauens. Wie das Schloss wurde der Platz im Krieg schwer zerstört, Jahrzehnte lagen das Konzerthaus, der Deutsche und der Französische Dom in Trümmern. Aber anders als das Schloss betrachtete man diese Bauten als kulturelles Erbe und rekonstruierte sie, als die Mittel da waren. Mitte der Achtzigerjahre kündigte Körner, der Gendarmenmarkt war fertig und es gab keine Herausforderung mehr. Ein paar Jahre arbeitete er an Theater-, Klang- und Installationsprojekten mit. Nebenbei modellierte er als freier Bildhauer.Als nach der Wende die Aufträge ausblieben, begann er, sich intensiv mit italienischem Barock zu beschäftigen. Matthias Körner zeigt eine vielleicht vierzig Zentimeter große Tonfigur, die auf einem Sockel steht, ein Engel, das rechte Knie ist angebrochen. Es ist ein sogenanntes Bozzetto, die verkleinerte Nachbildung einer Skulptur des italienischen Bildhauers Gian Lorenzo Bernini, Körner hat sie während einer seiner Reisen in den Neunzigerjahren in Rom geformt. Fünf Jahre lang studierte er die Arbeiten des Schöpfers des barocken Rom. Wenn er nicht auf Reisen war, erledigte er kleine Restaurierungsarbeiten auf Friedhöfen, säuberte Grabplatten, reparierte Fundamente, um sich finanziell über Wasser zu halten.Dass das Schloss in sein Leben trat, sei eigentlich ein Zufall gewesen, erzählt Körner. "Meine Frau bat mich, sie zu einem Sommerfest der Bertelsmann-Stiftung Unter die Linden zu begleiten, das muss 2001 gewesen sein." Das Fest fand in Zelten statt, die Kommandantur war noch nicht wieder aufgebaut. Der Palast stand noch, vom Schloss hatten die Berliner bisher nur eine Fassade aus Kunststoffplanen gesehen, die der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien 1993 für anderthalb Jahre am Palast anbringen ließ. Boddien hatte einen Förderverein gegründet. Er wollte das Schloss wieder aufbauen.Auf einem Baustellenschild las Körner an diesem Abend die Nummer des Berliner Architekturbüros Stuhlemmer und schrieb sie sich auf. Ein paar Tage später rief er in Dahlem an und fragte, ob sie ihn brauchen könnten. Die Stuhlemmer-Leute sagten ihm, dass es mit dem Schloss noch nicht so weit sei, aber er solle mal seine Arbeiten schicken.Ein Jahr lang hörte er nichts, dann kam ein Anruf. Stuhlemmer fragte ihn, ob er sich zutraue, ein Stück der Fassade zu modellieren.Damals war noch nicht klar, was mit dem Schloss werden würde. Es gab Experten wie den westdeutschen Architekturhistoriker Goerd Peschken, die sich für eine langsame, tastende Annäherung an das Schloss und den Schlossplatz aussprachen. Peschken war dafür, das einzubeziehen, was noch vorhanden war, Teile des Palastes der Republik, die noch vorhandenen Originalteile des Schlosses. Eine Position, die Matthias Körner sympathisch war.Peschken hatte sich ein Leben lang mit dem Schloss beschäftigt, er kannte jedes Detail und glaubte nicht, dass es möglich sei, die historische Barockfassade zu rekonstruieren. Peschken riet, die Finger davon zu lassen, "das kann keiner mehr".Wilhelm von Boddien aber wollte Schloss und Fassade. Er hörte von Körners Arbeiten und besuchte ihn in seinem Pankower Atelier. Sie redeten lange miteinander; Körner zeigte Boddien seine Zeichnungen, Ornamente und Skulpturen, darunter ein metergroßes Relief von Andreas Schlüter, das er modelliert hatte. Boddien war begeistert, man spürt es noch heute, wenn er von dieser ersten Begegnung erzählt. "Ich wusste sofort, was das für ein Glücksfall war." Noch an diesem Abend machte er Körner ein Angebot. "Wenn Sie jetzt Ja sagen, haben Sie auf Jahre Arbeit, habe ich gesagt. Aber es wird der Moment kommen, wo ich Sie bitten muss, nur noch für unser Projekt zu arbeiten."Körner sagte Ja.Zunächst ließ Boddien einen Fensterbogen rekonstruieren, in dem sich früher ein sogenanntes Bukranion befand, ein Fantasie-Stierschädel. Boddien ging zu Goerd Peschken und erzählte ihm, dass er den fehlenden Schädel modellieren lassen wolle. "Ich untersage Ihnen das!", soll Peschken gesagt haben, das Bukranion sei in seiner Ausdrucksweise das Größte, das Schlüter je gemacht habe. Kleben Sie ein Foto rein, wenn Sie den Schädel unbedingt wollen!Boddien wollte den Schädel, und Körner formte ihn. Als er fertig war, zeigte Boddien Peschken die Arbeit. "Das müssen Sie sich jetzt ansehen", sagte er zu ihm. "Wenn es nicht standhält, nehmen Sie einen Vorschlaghammer und wir setzen das Foto ein." Peschken habe das Bukranion eine Weile angeschaut, erzählt Boddien, und dann habe er gesagt: "Zum Niederknieen. Wir können es ja doch."Was Körner mache, sei sehr anständig, sagt Goerd Peschken, das könne keiner besser. Aber doch sei es nur "eine Notmaßnahme". Der 78-Jährige erzählt von den Bukranien, die einst die Fassade schmückten, 50 solcher fantastischer Tierschädel habe es am Schloss gegeben, die lägen jetzt am Seddinsee unter märkischen Sand oder seien im Friedrichshain verschüttet. Peschken war immer dafür, sie wieder auszugraben, dann hätte man Originalvorlagen, auch wenn es nur Fragmente wären, man könnte sie wissenschaftlich rekonstruieren und sei nicht auf unscharfe Fotos angewiesen. "Nehmen Sie die Prozessionsstraße aus Babylon, die man im Pergamonmuseum sehen kann. Die ist aus weniger als handtellergroßen Scherben zusammengesetzt worden."Ausbuddeln und rekonstruieren, das sei in Griechenland oder Ägypten selbstverständlich, sagt Peschken, aber von der Berliner Stadtverwaltung, die die Hoheit über die Trümmerfelder des Schlosses hat, seien seine Vorschläge schon immer boykottiert worden. "Denen sind Holunderbüsche heiliger als Teile vom Schloss." Was nütze ein erstklassiger Bildhauer wie Körner, wenn keine erstklassige Lösung gewollt ist? "Der kann dann eben nur die beste zweitklassige liefern."Seit sieben Jahren arbeitet Matthias Körner im Auftrag des Fördervereins Berliner Schloss an der Fassade. Lange bevor der Bundestag den Wiederaufbau beschloss, begann er in Boddiens Auftrag ganze Fensterachsen mit Ornamentik, Adler, Reliefs, Skulpturen zu modellieren.Das war für ihn nicht ohne Risiko, denn was wäre geschehen, hätte das Parlament gegen das Schloss gestimmt? Dann wäre die Arbeit von Jahren nutzlos gewesen. Körner sagt, nur mit diesem Vorlauf ließe sich das gewaltige Pensum bewältigen. Als im vorigen Jahr Mitglieder der Bundesbaudirektion bei ihm im Atelier waren, staunten sie, dass schon fast ein Drittel der Fassadenteile modelliert war.Körner geht in einen Nebenraum seines Ateliers, auf einer Holzpalette steht eine drei Meter hohe Frauenskulptur aus Ton, die er für das Schloss geformt hat. "Die Borussia", sagt er. "Die Personifikation des Staates Preußen." Er erzählt, dass Andreas Schlüter, der für die barocke Neugestaltung des Berliner Schlosses um 1700 verantwortlich zeichnete, das Modell der Borussia von einer seiner Reisen aus Rom mitbrachte. Ihr Vorbild war eine Markgräfin aus der Toskana, die im 17. Jahrhundert heilig gesprochen wurde. Gian Lorenzo Bernini hatte die Skulptur für ein Grabmal in einer Seitennische des Petersdoms entworfen. Schlüter tauschte für die Berliner Figur nur die Attribute aus, die päpstliche Tiara gegen die Königskrone und den italienischen Regentenstab gegen den preußischen."Stark italienischer Einfluss", sagt Körner, "wie so vieles am Schloss." Die gesamte Schlossplatz- und Lustgartenseite folgt in ihrer Fensterstruktur, vom Boden bis zum Dach, einem italienischen Palazzo, dem Palazzo Madama in Rom. "Natürlich sind auch nördliche Einflüsse durch Schlüter und seinen Nachfolger Eosander eingebracht worden, aber die Grundidee ist die eines italienischen Palazzo."Noch immer dächten viele Menschen, das Schloss sei architektonisch nichts weiter als ein trutziger Hohenzollernbau gewesen, erbaut im Auftrag "preußischer Säbelrassler". Und es gebe sie ja auch, die hässlichen großmächtigen wilhelminischen Ergänzungen der Fassade. Körner ist dafür, sie deutlich zu zeigen. Geschichte ohne Widersprüche gibt es nicht.Aber er will mit seiner Arbeit auch darüber aufklären, wie eng europäische Kulturlinien miteinander verbunden sind. Schlüter lernte von Michelangelo und Bernini, deren Vorbilder gehen zurück bis in die griechische Antike. 1 500 Jahre Kunst- und Architekturgeschichte, das ist seine Perspektive.Anfang 2008 ist er mit einem Kollegen in das 340 Quadratmeter große Atelier in den Weddinger Uferhallen gezogen. Bevor sie privatisiert wurden, ließ die BVG hier ihre Busse reparieren. Körner ist jetzt Unternehmer. Er zahlt die Miete für das Atelier und die Betriebskosten, Material und Werkzeuge. Dafür erhält er Honorar für seine Arbeit vom Förderverein Berliner Schloss, der sich wiederum aus Spenden finanziert. Die Aufträge werden vom Schlossverein ausgeschrieben, Körner macht wie andere Bildhauer sein Angebot, er ist mit seiner Arbeit inzwischen so anerkannt, dass sein Atelier, wenn der Preis stimmt, jedes Mal den Zuschlag erhält.Seit sieben Jahren funktioniert das so. Aber es bleibt ein Risiko, der Unternehmer Körner muss genau kalkulieren. Und reich ist er mit dem Schloss nicht geworden. Es trage sich gerade so, sagt er.In diesen Tagen arbeitet er an einem Relief, darauf ist ein Krieger mit Helm zu sehen. Daneben hängt die einzige Vorlage, die es gibt, ein unscharfes kleines Foto, das die ursprüngliche Arbeit zeigt. Experten vom Bode-Museum wie der Barockspezialist Hans-Ulrich Kessler beraten ihn. "Wir müssen so nahe wie möglich an die Originale herankommen", sagt Kessler, das ist nicht einfach." Er hat viel italienischen Barock gesehen, arbeitet jetzt über norddeutschen Barock und kennt sich aus mit der Darstellung von Schilden und Helmen, Medusenhäuptern und sterbenden Masken. Er weiß, dass ein Wappenschild bei Bernini und Schlüter nicht plan und gerade im Raum platziert war, sondern schief, dadurch komme Bewegung zustande. Darüber redet er oft mit Körner, seine Einwände führten dazu, dass Körner mittlerweile beim vierten Entwurf für das metergroße Relief ist. Und er weiß noch nicht, ob es diesmal den kritischen Augen der Leute vom Bode-Museum standhalten wird. "Ein normaler Prozess", sagt Kessler, "auch Bernini hat mitunter 20 bis 30 Modelle angefertigt, ehe er zufrieden war."Aber auch ein schwieriger Spagat. Denn einerseits sind sie sich einig, dass das ganze Projekt nur überzeugen kann, wenn sie sich gegenseitig zu höchster Qualität antreiben. Andererseits kostet Qualität viel Zeit. Und Zeit ist Geld. Allzu viele Revisionen kann sich Körner eigentlich nicht leisten.Er arbeitet 200 Stunden im Monat am Schloss, manchmal 300, seit vielen Jahren. An einer Atelierwand steht ein gewaltiger Torbogen aus Stuck, zwölf Meter lang, fünf Meter hoch, er nimmt die gesamte Länge und Höhe des Raums ein. Eine große Adlerskulptur ist darauf zu sehen, und zwei überlebensgroße weibliche Engel, die ein Spruchband mit goldenen Buchstaben zwischen sich halten. Es ist der Triumphbogen eines der Portale des Schlosses. Körner hat 2008 begonnen, den Torbogen zu modellieren, Tag für Tag hat er daran gearbeitet, manchmal auch nachts. Nach gut einem Jahr war er fertig. Fünf weitere solcher Bögen wird er noch modellieren, Arbeit für fünf Jahre. Es ist wie ein Marathon, Körner muss sich die Strecke einteilen und die Kräfte, wenn er nicht vor dem Ziel aufgeben will.Und er muss die Widersprüche aushalten. Er will glanzvolle Ergebnisse schaffen und muss dabei permanent das eigene kreative Temperament zügeln, denn es bleibt ja die Nachbildung des bildhauerischen Werkes eines anderen. Niemals kann er ganz frei sein, niemals kann er ausbrechen. Allenfalls in der Zeichnung, im kleinen Modell, kommt das Eigene zum Tragen. Er muss zuallererst dienen.Dient er als Bildhauer, der die Schlossfassade rekonstruiert, nicht am Ende einer alten, längst untergegangenen Welt?Die Fassade, sagt Körner, sei nur Teil des Projekts, Kulissenarchitektur würde ihn nicht reizen. Das Projekt werde befeuert durch die Inhalte des Humboldt-Forums. Die außereuropäischen Sammlungen, die im Inneren des Forums ihre Heimat finden sollen. Die Bibliothek der Humboldt-Universität. Und die Agora, ein Veranstaltungszentrum, in dem sich die Welt treffen soll, um Zukunftsfragen zu diskutieren. Was da an Potenzial stecke, nennt Körner "den energetischen Unterstrom", den er für seine Arbeit brauche.Seit Anfang des Jahres erhält er Unterstützung, vier weitere Bildhauer arbeiten an der Rekonstruktion der Schlossfassade mit, Leute aus Berlin und Potsdam, gut ausgebildet und erfahren im Umgang mit preußischem Barock, sie alle haben ihre Wurzeln in der ostdeutschen Steinbildhauerwerkstatt von Stuck und Naturstein. Eine Qualität, die man anderswo in Deutschland nicht findet.Es gebe nicht viele, die das können, sagt Körner, die Decke ist ziemlich dünn, weil barockes Modellieren vor dem Schlossprojekt wenig gefordert war. "Wir haben ja diesen Tunnelblick auf 1700", sagt er. Wenn das Schloss fertig ist, wird der so schnell nicht wieder gefragt sein.Auf dem Tisch in seinem Atelier steht eine große Schale mit Mandarinen. Es ist Nachmittag, Körner nimmt eine der Früchte und schält langsam die Haut ab. Er versuche, ein bisschen Vitamine in sein Leben zu bringen, sagt er, als Gegengift zu Kaffee und Tabak. Er trinkt seinen vierten Espresso. Dann steht er auf, brennt sich einen Zigarillo an und arbeitet mit dem schmalen Spachtel schweigend an seinem Tonrelief.------------------------------Vom Modell zur FigurBevor der Bildhauer sein Modell in Originalgröße modelliert, macht er zunächst eine kleinere Ausführung, ein sogenanntes Bozzetto. Daran werden die Themen durchgespielt, Anatomie, Stil, Faltenwurf. Dieses kleinere Modell muss maßgenau sein.Noch vor dieser Arbeit benötigt der Bildhauer die genauen Maße des jeweiligen Fassadenausschnitts des Schlosses. Die bekommt er von dem Architekturbüro, das die Fassadenpläne Schlüters und Eosanders, die verschollen sind, neu erstellt. Es gibt einen zentimetergenauen Bauplan vor.Stuckateure stellen im Atelier die Unterkonstruktion aus Gips auf, Schlosser setzen das metallene Skelett der künftigen Tonmodelle an ihren Platz. Dann beginnt die eigentliche Arbeit des modellierenden Bildhauers, der originalgroße Entwurf der Engel, Wappen, Adler und Ornamente aus Ton. Er nutzt dazu verschiedene Modellierwerkzeuge, das wichtigste aber ist seine Erfahrung. Kein noch so maßgetreues Foto kann zeigen, welche Tiefen ein Ornament oder eine Skulptur hat, wie sie räumlich gestaltet sind.Monatelang, jahrelang können die Tonarbeiten nass gehalten werden, kann ergänzt, verändert, korrigiert werden. Ist das Fassadenteil, das eine Größe von 30 Quadratmetern erreichen kann, vollendet, wird es von einer darauf spezialisierten Berliner Firma in Silikonkautschuk abgeformt. Die Formen werden mit Gips ausgegossen, so erhält man ein Positiv, das dann wieder auf die Fassade aus Stuck und Stahl montiert wird.Anschließend wird das Gipsmodell nach genauen Vorgaben von Architekten, Steintechnikern, Statikern und Bildhauern in mehrere Einzelteile zerlegt. Diese Teile werden dann von Bildhauern in Stein kopiert. Am Ende werden die fertigen Steinteile in die Fassade des Stadtschlosses eingefügt.------------------------------Foto: Borussia. Die weibliche Allegorie auf Preußen mit Krone und Regentenstab. Ihr Vorbild, eine Markgräfin aus der Toskana, steht im Petersdom.Foto: Fama-Kopf. Die Gestalt mit Flügeln sorgt für die rasche Verbreitung des Rufs eines Menschen. Studie für Portal III.Foto: Künstler mit Engel. Matthias Körner neben der Vergrößerung eines Genienkopfes für das Portal V des Schlosses.Foto: Adlerkopf. Er wird den Triumphbogen über einem der Schlossportale schmücken.