Die Idee kam Bernhard Deutz nach einem Gespräch mit einer Musiktherapeutin. Die hatte sich eine Möglichkeit gewünscht, ihren Patienten Musik auch körperlich vermitteln zu können. So entstand der Klangstuhl. Wer auf ihm sitzt, versinkt förmlich in Musik. Auf den ersten Blick sieht der Klangstuhl wie ein großer Sessel aus Holz aus. Das Besondere an ihm aber sind die 64 Saiten, die über die hohe Rückenlehne gespannt sind. Werden sie bespielt, wird die Lehne zum Resonanzboden und die Töne übertragen sich auf den ganzen Körper. "Die Musik hat so eine entspannende und entkrampfende Wirkung", sagt Deutz. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die bespielbare Babywiege, die der 46-Jährige entworfen hat. Hier sind die Saiten am Unterboden des Bettchens angebracht.Man muss kein ausgebildeter Musiker sein, um Deutz Klangmöbeln Töne zu entlocken. Die Saiten sind so gestimmt, dass Misstöne ausgeschlossen sind. Die Musik, die dabei entsteht, hat etwas Meditatives. Die Entwicklung von leicht zu handhabenden Instrumenten ist Prinzip in der Werkstatt: Denn nicht nur Musiktherapeuten sollen sie nutzen. "Meine Instrumente sind auch ein Angebot an Menschen, die nie gelernt haben ein Instrument zu spielen, aber trotzdem ihre eigene Musikalität ausprobieren wollen", sagt Deutz. Neben der Klangwiege und dem Klangstuhl - für letzteren hat er 1996 einen Preis der Internationalen Vereinigung der Musiktherapeuten bekommen - entstehen in seiner Werkstatt Monochorde, Streichrohre und Streichbässe. Streichrohre bestehen aus aufgeschnittenen Bambusrohren, auf die als Resonanzdecke Fichten- oder Zedernhölzer aufgeleimt sind. Das Instrument kann bis zu sechs Saiten haben, die entweder gezupft, geschlagen oder gestrichen werden, sagt Deutz. Monochorde sind Holzstege in verschiedenen Breiten und Längen, die mit aufeinander abgestimmten Saiten bespannt sind. Seit zehn Jahren baut Deutz, der eigentlich studierter Pädagoge ist, seine Instrumente. Abnehmer sind Schulen, Krankenhäuser, Behinderteneinrichtungen aber auch viele Privatpersonen. Die Preise für die Instrumente reichen von 150 Mark für eine kleine Kalimba - ihr Holzkörper wird durch kleine Metallzungen zum Klingen gebracht, über 2 200 Mark für ein Monochord, Klangwiegen kosten ab 1 500 Mark. Spitzenreiter ist der Klangstuhl, für den je nach Ausführung bis zu 12 000 Mark zu zahlen sind. Trotzdem sind die Instrumente laut Deutz für alle erschwinglich: "Sie können für eine begrenzte Zeit bei mir auch ausgeliehen werden." Die Klangwerkstatt in der Christburger Straße 31 ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet (Tel. 44 05 65 15).BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Bernhard Deutz spielt auf den 64 Saiten des Klangstuhles. Der Sitzende kann die Töne im ganzen Körper spüren.