FRANKFURT (ODER). Auf die Finger der linken Hand von Matthias R. sind vier Buchstaben tätowiert. Das Wort Hass ist zu lesen, das "s" jeweils in Runen-Schrift. R. versteckt die Hand nicht, jeder im Saal des Landgerichts Frankfurt (Oder) kann das Wort lesen. Seit Dienstag müssen sich der 23-jährige R., vier weitere Männer sowie eine Frau wegen Mordes und Beihilfe zum Mord verantworten. Matthias R. soll dem Dachdecker Ronald Masch ein Messer immer wieder in den Körper gerammt haben. Er war es auch, der, nachdem er mit mehr als 30 Stichen Lunge und Herz des jungen Mannes verletzt hatte, Masch die Kehle durchschnitt. "Es war ein Verdeckungsmord", sagt Oberstaatsanwalt Hartmut Oeser. "Damit wollten die Angeklagten verhindern, dass Masch sie wegen Raubes anzeigt."Nur zufällig lernte Roland Masch am Morgen des 1. Juni 2002 seine Mörder kennen. Der 29-Jährige aus Dolgelin (Märkisch-Oderland) hatte die Nacht in der Diskothek "Night Life" in Alt-Zeschdorf bei Frankfurt (Oder) verbracht. Er suchte auf dem Parkplatz eine Mitfahrgelegenheit und stieß auf Matthias R. und seine Freunde. Die Männer beschlossen, den ahnungslosen Mann mitzunehmen, ihm unterwegs die Geldbörse zu rauben und später auszusetzen. Nur die 23-jährige Sylvana M., einzige Frau auf der Anklagebank, protestierte gegen den Plan. Gewarnt hat sie das Opfer aber nicht. Masch stieg in das erste Auto, das Sylvana M. steuerte. Im zweiten Pkw saß unter anderem Maik W. Auch der 21-Jährige trägt die Hass-Tätowierung auf der Hand. Der polizeibekannte Gewalttäter ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der Rädelsführer. Auf einem Feldweg bei Alt Mahlisch wurde Ronald Masch aus dem Auto gezerrt, zusammengeschlagen und mit einem Axtstiel verprügelt. "Er flehte um sein Leben", sagt Oberstaatsanwalt Oeser. Dann entrissen vier der Angeklagten Masch das Portmonee.Als sie die Geldbörse durchsuchten, konnte Masch fliehen. Beim Wegrennen drehte er sich um und rief: "Eure Gesichter habe ich mir gemerkt." Es war sein Todesurteil. Maik W. soll die Verfolgung Maschs befohlen haben, der in einem Rapsfeld zu entkommen versuchte. Mit drei Stichen in den Rücken brachte Matthias R. Masch zu Fall. Dann kniete er sich über sein Opfer, stach auf Masch ein. Als der junge Mann nur noch röchelte, schrie ein Kumpan Matthias R. an: "Jetzt musst du es richtig machen, sonst steht er wieder auf." R. schnitt dem Vater eines kleinen Jungen die Kehle durch.Die Leiche wurde erst sechs Wochen später bei der Rapsernte gefunden. Bis dahin galt Masch als vermisst. "Nur durch einen pfiffigen Polizisten konnte der Mord aufgeklärt werden", sagt Oeser. Der Beamte hatte wegen der Vermisstenanzeige die Bänder aus der Kamera der Disko gesichert. Darauf war auch ein Mann zu sehen, der einem Gast die Geldbörse stahl. Ein anderer Polizist erkannte den Dieb. Es war Maik W. Die Ahnung, dass der Mann aus der rechten Szene etwas mit Maschs Verschwinden zu tun haben könnte, bestätigte sich bald.Am Dienstag erklärt Sylvana M., die nicht in Untersuchungshaft sitzt, dass sie Angst habe. Nach der Tat sei sie von Maik W. und Matthias R. mit dem Tode bedroht worden. Die Angst, sagt der Oberstaatsanwalt, sei nicht aus der Luft gegriffen.An den kommenden neun Verhandlungstagen werden Maik W. und Matthias R. ihre Hände nicht mehr zur Schau stellen können. Der Oberstaatsanwalt veranlasste, dass sie künftig mit abgeklebten Fingern vor Gericht erscheinen. "Ich dulde keine Nazisymbole", sagt Oeser.Roland Maschs Geldbörse enthielt übrigens nicht einen Cent.