Herr Petersen, was hat Sie dazu bewogen, mit "Poseidon" ein Remake des Katastrophenfilms von 1972 zu machen?Ach wissen Sie, anfangs wollte ich den Film nur gerne produzieren. Ich dachte, es wäre schön, den Film heute noch einmal zu machen mit all den Spezialeffekten, die wir mittlerweile haben. Obwohl mir die Story des Originals gefiel, wollte ich nun eine andere Geschichte erzählen. Das Einzige, was blieb, ist ein Schiff, das, von einer Riesen-Welle getroffen, auf den Kopf gestellt wird. Was hat das nun für Folgen für die Reisenden? Innerhalb von Sekunden steht die Welt kopfüber. Auf einmal spielt es keine Rolle mehr, ob du reich oder arm bist. Es geht vor allem darum, wie man in der Lage ist, eine solche Katastrophe zu meistern. Poseidon unterscheidet sich vom "Boot" oder "Der perfekte Sturm" vor allem dadurch, dass dort Soldaten an Bord waren oder jedenfalls Menschen, die sich der Gefahren bewusst waren. Auf der Poseidon war niemand auf den Ernstfall vorbreitet.Woher kommt Ihre Vorliebe für das Meer?Ich bin ja in Emden geboren und in Hamburg aufgewachsen. Da war ich ständig vom Wasser umgeben oder zumindest in Wassernähe. Das liebe ich einfach. Ich habe keine Angst vor dem Wasser. Ich liebe es herauszufahren, wie zum Beispiel nach Helgoland. Dort wurde ja zum Teil "Das Boot" gedreht. Allerdings habe ich auch einen großen Respekt vorm Meer, weil ich weiß, welche enorme Gewalt und Macht es haben kann. Für einen Regisseur ist das natürlich sehr reizvoll. Die Berge dagegen ziehen mich überhaupt nicht an. Ich liebe einfach das Wasser.Inwieweit war es brauchbar für Sie als Regisseur, dass Sie bereits in anderen Filmen Erfahrungen mit dem Wasser gemacht haben?Es hat sehr geholfen, dass wir hier im Studio einen Wassertank bauen konnten. Bei "Perfect Storm" war der Dreh sehr schwierig, da wir alles im Wasser drehen mussten. Hier hatten wir diesen großen Tank und die Wassertürme, das hat uns sehr geholfen. Was wir heute machen können, ist um so vieles besser als beim letzten Mal. Das Wasser ist der eigentliche Feind im Film und der wirkliche Gegenspieler, und es ist sehr interessant, damit zu arbeiten. Das Schiff ist wie ein Charakter und entwickelt sich zu einem Monster, das die letzten Lebenden mit sich in den Tod reißen will. Einige wenige überleben das und schaffen es aus dem Schiff heraus. Aber den Moment zu beobachten, in dem das Schiff sozusagen stirbt und sich ein letztes Mal aufbäumt, das ist faszinierend. Es ist sehr intensiv.Mit all den Effekten, die Sie heutzutage zur Verfügung haben - spielen Sie mit dem Gedanken, "Das Boot" noch einmal zu verfilmen?Ich habe daran gedacht, aber bin mir nicht sicher, ob ich es noch einmal machen möchte. Einige Filme sollte man einfach in Ruhe lassen.Wie würden Sie Ihre Filme, die im Wasser spielen, miteinander vergleichen?"Das Boot" war so ein einzigartiger Film, und wir alle mögen diese Erfahrungen nicht missen. Es war wahrscheinlich der anstrengendste Dreh, den ich je hatte. Poseidon kommt dann sozusagen an zweiter Stelle. Für Troja war ich ja auch überall in der Welt unterwegs und habe geschwitzt und in der brütenden Hitze gefilmt, das war mörderisch. Ich mag es, in Los Angeles zu sein, wo ich nach Hause gehen kann nach zwölfstündigen Dreharbeiten und nicht in einem Hotel rumhängen muss. Ich habe Poseidon komplett in fünf Hallen hier im Studio gedreht. All das macht mir und der Crew Freude. Aber von der Logistik her war es eher schwierig. Dieses Riesen-Schiff hat so viele Menschen an Bord und das macht es schwierig. Wenn alle diese Menschen einer nach dem anderen wegfallen, dann wird der Film immer intimer. Das ist ein interessantes Konzept, das ich sehr mag.In Katastrophenfilmen wie Titanic treffen oft Charaktere aus verschiedenen Gesellschaftsklassen aufeinander. Spielt das auf der Poseidon auch eine Rolle?Eher nicht. Es geht mehr darum, dass auf einem großen Schiff, mit vielen Menschen an Bord, durch einen dummen Zufall plötzlich zwölf Menschen, die einander völlig fremd sind, gezwungen sind, miteinander auszukommen. Diese zwölf müssen kämpfen, ins Obere des Schiffs zu gelangen und ihren eigenen Weg finden. Sie machen die Geschichte aus. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie diese Menschen in Katastrophen reagieren. Menschen, ständig in Atemnot, die sich gegenseitig unterstützen, obwohl sie sich fremd sind. Sie finden dann Eigenschaften über den anderen heraus, auf einer sehr physischen Ebene. Liebe. Hass, das alles kommt an die Oberfläche. Ich stelle mir immer vor, das könnte auch mir oder dir passieren. Letzte Nacht hatten meine Frau und ich einen kleinen Vorfall in unserem Haus. Ich wachte mitten in der Nacht auf und stellte fest, dass ein Rohr geplatzt war. Wir schafften es nicht, das Wasser anzuhalten. Wir versuchten händeringend, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Ich musste dabei lachen, schließlich hatte das nun schon wieder mit Wasser zu tun. Eine interessante Frage ist immer wieder, wie würdest du in der Hölle reagieren? Würdest du anderen helfen oder nicht?Die USA wurden im letzten Jahr von dem Hurrikan Katrina heimgesucht. Ein Stoff für Sie?Nein. Ich bin zwar immer auf der Suche nach Katastrophenfilmen, da großes Drama zumeist in Filmen über Krieg oder Naturkatastrophen zum Ausdruck kommt. Aber ich habe ja schon den Film "Perfect Storm" gemacht, dabei möchte ich es belassen.Nachdem Katrina so viel Aufmerksam bekommen hat, glauben Sie, dass den Menschen Katastrophen bewusster werden?Das ist eine interessante Frage. Ich werde das oft gefragt. Ich denke, dass Filme, einschließlich derer, die ich gedreht habe, dem Zuschauer einen Einblick geben, wie Menschen mit Katastrophen fertig werden können. Zum Beispiel könnte in diesem Augenblick ein Erdbeben stattfinden und sofort hätten wir eine Gefahrensituation. Die Frage ist tatsächlich, ob sich ein Publikum finden würde, das sehen möchte, wie wir damit fertig werden.Poseidon kommt ohne Stars vom Kaliber Brad Pitt oder Tom Cruise aus. Haben Sie Druck von den Studios bekommen, dass Sie keine sehr bekannten Filmgrößen besetzt haben?Das war allein meine Entscheidung. Ich wollte es ohne eine Superstar-Besetzung machen. Das Konzept des Films ist die Geschichte, die ich erzähle. Ein starker Charakter wie Brad Pitt hätte das Augenmerk ständig auf sich gezogen. Ich wollte mehrere Charaktere zeigen. Man sieht den achtjährigen Jungen Jimmy, dann Josh Lucas und Richard Dreyfuss, das ist eine gute Besetzung. Ich habe ja bereits Filme mit Clint Eastwood und Brad Pitt gemacht. In diesem Film ist jeder der Schauspieler heldenhaft. Man kann sich mit den Charakteren identifizieren.Warum haben Sie Fergie von den Black Eyed Peas besetzt?Warum nicht?Es wäre sicher für Sie einfacher gewesen, jemanden wie Jessica Simpson durchzusetzen.Wir lieben einfach Fergie und die Black Eyed Peas. Ich habe sie getroffen und sofort gemocht. Sie ist sehr beliebt und hat einen tollen Charakter. Ich dachte, das wäre eine sehr gute Chance für sie, und sie war einfach Klasse in dem Film. Sie ist auch eine sehr gute Schauspielerin. Joss Stone war eine der ersten, die an einer Rolle in Poseidon interessiert waren. Wir wollten aber Fergie.Was halten Sie von Hotelerbin und Skandalnudel Paris Hilton? Man möchte fast glauben, heutzutage bräuchte man gar nicht mehr schauspielern zu können, um Filmrollen angeboten zu bekommen?Da geht es um das so genannte "Stunt Casting", das ist nun wirklich nicht mein Metier. Es ist natürlich reinstes Marketing.Stimmt es eigentlich, dass Sie fest dafür eingeplant waren, einen Film "Superman gegen Batman" zu machen?Ja, das ist richtig. Ich würde niemals nur Superman oder Batman machen. Aber Superman gegen Batman, das ist was anderes. Ich hatte immer das Gefühl, dass diese Charaktere zwei kontroverse Züge in einer Person sind. Es hätte mich interessiert, was das Publikum darüber denkt. Wir haben beides in uns, Superman und Batman. Ein bisschen gut und ein wenig schlecht und dunkel.Wer hätte also gewonnen, Superman oder Batman?Ich denke, ein wenig von beiden. Aber der Film kam nicht zu Stande. Die Zeit war einfach nicht reif dafür.Was machen Sie am Ende eines anstrengenden Drehtags, wenn Sie nach Hause kommen?Beim Filmen führe ich ein sehr merkwürdiges Leben. Nachdem wir die Szenen des Tages im Kasten haben, gehe ich in meinen Trailer und esse. Ich muss früh essen. Ich kann einfach nicht spät zu Abend essen. Ich habe einen langen Weg nach Hause, und ich möchte nicht zu spät essen, denn wenn ich mit vollem Magen ins Bett gehe, kann ich nicht schlafen.Werden Sie sich den Film, wenn er herauskommt, in den Kinos anschauen, um die Reaktionen der Zuschauer zu sehen?Oh ja, das mache ich immer so. Ich liebe das. Normalerweise mieten wir uns einen Kleinbus und fahren von einem Kino zum nächsten. Es ist immer wieder sehr nervenaufreibend. Wenn das Kino dann ausverkauft ist, ist das die reinste Freude. Ich warte auf die Reaktionen des Publikums, und ab geht es ins nächste Kino. Auf diese Weise verbringen wir die Zeit von sieben Uhr abends bis Mitternacht in den Kinos.Dann müssen Sie ja auch mal schlechte Reaktionen des Publikums in einem Film erlebt haben.Ja, sicher. Manchmal ist man allerdings vorbereitet, wenn die Kritiker den Film bereits vorher verrissen haben.Wie werden Sie damit fertig?Es trifft mich sehr hart. Ich liebe das Filmemachen so sehr und meine Arbeit ist mir so wichtig, dass ich eigentlich nichts anderes nebenbei mache. Ich bin mit viel Leidenschaft dabei, es ist mir wichtig, was aus den Filmen wird. Ich lese ungern negative Kritiken und freue mich sehr über gute.Versuchen Sie herauszufinden, warum Zuschauer einen Film nicht mögen?Ja, denn davon kann ich lernen.Haben Sie Befürchtungen, dass Poseidon eventuell nicht beim Publikum ankommt?Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei diesem Film. Er hat das bestimmte Etwas. Je mehr wir an dem Film gearbeitet haben, desto mehr mochte ich ihn. Jeden Tag, wenn ich nach Hause kam, dachte ich, der Film ist ja besser als ich erwartet habe.Nach all den Jahren hier in den USA, was vermissen Sie am meisten aus Deutschland?Immer wenn ich in Deutschland bin, genieße ich vor allem die Gesellschaft meiner vielen Freunde. Aber auch das Wetter fehlt mir. Ich bin geradezu beglückt, wenn es einmal so richtig regnerisch und stürmisch und schmuddelig ist, weil ich das ja hier nicht mehr so richtig mitkriege. Dann gibt es Orte wie Sylt oder Hamburg, die mir fehlen oder auch Berlin und München, wo ich viel Zeit verbracht habe. Ganz wichtig ist auch bestimmtes Essen, womit ich Heimat verbinde. Ich könnte heute ein Vermögen ausgeben für eine schöne Finkenwerder Scholle, die gibt es hier leider nicht. Geräucherten Aal gibt es ja mittlerweile.Reisen Sie oft nach Deutschland?Leider nicht. Aber ich fahre immer sehr gerne nach Deutschland. Dieses Jahr komme ich zum Start von Poseidon, direkt nach der Fußball WM.Gibt es hier in Los Angeles eigentlich so etwas eine deutsche Diaspora? Trifft man sich untereinander?Eher nicht. Das war früher einmal so, als Frances Schönberger, die ehemalige Repräsentantin des deutschen Films, in Los Angeles Partys veranstaltet hat, um Leute zusammenzubringen. Wir "pütchern" eigentlich alle so vor uns hin. Jürgen Prochnow und ich gehen natürlich dauernd zusammen essen. Aber es ist nicht so, dass wir sagen, wir Deutschen müssen alle zusammen in einem Pott rumrühren. Das ist eher individueller. Wir sind mit Thomas Gottschalk und seiner Frau sehr eng befreundet. Sonst ist es eher ein lockeres Miteinander.Finden Sie eigentlich noch Zeit zum Segeln?Ich habe es nie wirklich selber getan. Das hat meine Frau verhindert, die etwas ängstlich ist, was Wasser angeht, oder auch das Fliegen. Ich hätte gerne selbst fliegen gelernt, aber das hat sie nie zugelassen, da sie mich gerne noch länger bei sich behalten würde. Dasselbe gilt für ein Boot. Ich würde gerne selber mit einem Boot rumschippern, aber sie will nicht. Und alleine macht es auch keinen Spaß.Beim Filmen von Poseidon haben Sie viele elektrische Geräte mit dem Wasser in Verbindung gebracht. Welchen Gefahren waren die Schauspieler da ausgesetzt?Es war in der Tat sehr gefährlich ,und wir mussten vorsichtig sein. Wir hatten einen Unfall, zum Glück ist keiner wirklich zu Schaden gekommen. Es war ein kurzer Schock-Augenblick, aber wir konnten die Situation sofort unter Kontrolle bringen. Die ganze Zeit über hatten wir Taucher zur Stelle. Josh Lucas, der Hauptdarsteller, ist selbst geschwommen und wollte auch alle seine Stunts selber machen. Wir haben ständig versucht, ihn davon abzubringen, aber er wollte es so. Es war schon fast, als sei er besessen davon gewesen. Richard Dreyfuss hat auch alle Stunts selbst gemacht. Er ist ein sehr guter Schwimmer.Was ist dran an den Gerüchten, bei den Dreharbeiten zu Poseidon habe es Probleme gegeben mit Bakterien, die sich im Wasser am Set verbreitet haben.Es gab wirklich Probleme. Es ist im Sommer sehr heiß im Studio, und dann gab es viele Dämpfe, die im Wasser entstanden sind. Und wenn man dann dreihundert Leute auf einem Haufen hat, da gedeiht so etwas natürlich blitzschnell, vor allem irgendwelche Bazillen. Da waren viele Leute ziemlich krank. Ich auch einmal kurz. Schlimm hat es, glaube ich, den Kurt Russell erwischt. Der war für lange Zeit angeschlagen, er hatte eine Bronchitis bis hin zur Lungenentzündung.Wie gehen Sie selbst mit den Strapazen am Set um?Der Set strapaziert mich eigentlich nicht sehr. Es ist ja eine Umgebung, in der ich mich im Prinzip sehr wohl fühle. Da entsteht auch sehr viel Adrenalin. Das hält mich eher ständig positiv auf Trapp. Troja war natürlich extrem, wo wir auch samstags gedreht haben unter extremer Hitze in Malta und in Mexiko. Das war sehr anstrengend. Aber es hatte nichts mit dem Alter zu tun. Alle haben da gelitten wie die Hunde. Hier in Los Angeles kann man ja glücklicherweise von Montag bis Freitag drehen und hat dann das Wochenende, um sich "aufzuladen".Wie entspannen Sie sich denn?Ich fahre gerne lange und viel Fahrrad. So zwei Stunden am Meer, das ist eine sehr gute Übung. Man kann dabei gut denken, ich mache dann immer viele Notizen. Ansonsten bin ich aber auch gut in Form. Ich habe immer das Gefühl, wenn einem das, was man tut, Spaß macht, dann kriegt man selbst ganz schön viel Kraft, kann vieles durchstehen.Was hat es mit der Tradition Ihrer Elf-Uhr-Suppe am Set auf sich?Na ja, ich habe eigentlich jeden Tag um elf Uhr eine Suppe. Das mache ich schon seit Jahren so. Es liegt darin begründet, dass wir meistens um sieben Uhr morgens mit dem Drehen beginnen. Um elf Uhr vormittags hat man dann Hunger. Das Gute an der Suppe ist, dass man nicht müde wird, sondern eher Kraft aufbaut. Ich bin ein Suppen-Typ. Wir haben immer zwei Auswahlmöglichkeiten, zum Beispiel Gulaschsuppe und Spinatsuppe. Ich bin Trendsetter, fing damit an, und nun machen das andere Regisseure auch so. Angefangen habe ich, glaube ich, mit dem Clint Eastwood Film "In the line of fire". So wurde es zur Tradition.Sie waren selbst auf der Schauspielschule. Hatten Sie einmal Situationen, wo Sie einen Schauspieler gebucht haben und beim Dreh entsprach dieser dann so gar nicht Ihren Erwartungen?Oh ja, das gibt es.Wie gehen Sie damit um?Schlimmstenfalls macht man noch zwei, drei Tage so weiter, und wenn es wirklich nicht besser wird, dann muss man sagen, "sorry, das funktioniert nicht". Es kommt nicht häufig vor, aber es kommt vor. Ich weiß noch, bei einem Schauspieler in "Outbreak" haben wir nach ein paar Tagen festgestellt, dass es einfach nicht hinhaut. Wir mussten ihn entlassen und neu drehen, mit Donald Sutherland , der hatte gerade in Ungarn fertig gedreht und blitzschnell übernommen. Solche Fälle kommen auch vor. Das ist immer wahnsinnig unangenehm.Wie unterscheidet sich das Arbeiten in den USA von Deutschland?Die Arbeit selbst ist eigentlich ziemlich ähnlich. Ich habe hier nur den großen Vorteil , dass die Teams absolute Weltklasse sind. Ich habe ja auch in England gedreht, mit englischen Teams. Das war auch sehr gut. Aber es kommt nichts wirklich heran an die großen amerikanischen Teams. Es sind nicht nur Amerikaner, aber sie arbeiten eben hier. John Seale, der Kameramann, ist Australier. Claudette Barius, unsere Set-Fotografin, ist Deutsche. Klaus Badelt, der die Musik gemacht hat, ist Deutscher. Die Teams, die man hier zusammenstellen kann, sind fantastisch. Mir gefällt, wie diszipliniert und enthusiastisch sie arbeiten. In England und auch in Deutschland sind die Leute oft sehr mufflig und schlecht gelaunt am Set. Manchmal auch schon knarzig oder weinerlich. Hier ist das nicht der Fall. Die Menschen sind sehr begeisterungsfähig.Woran liegt es?Das hängt auch mit der Stadt zusammen. Los Angeles ist Filmemachen. Und es ist einfach etwas Tolles, wenn man dabei ist. Der Wettbewerb ist enorm, sodass die Menschen, die dabei sein wollen, alles geben, um das Beste draus zu machen. Es ist eine amerikanische Art und Weise, sich so zu begeistern. Wenn man ein englisches Team hat, dann kann man von einer extrovertierten Begeisterungsfähigkeit in den seltensten Fällen reden. Mit amerikanischen Teams hat man beim Drehen sehr viel Spaß. Die Leute sind immer ganz überrascht, wenn sie einen knochigen deutschen Feldmarschall erwarten und der dann völlig anders ist, locker, sogar Witze reißt und alle unterhält. Und eben nicht als großer Diktator mit der Peitsche daher kommt.Was schätzen die Crew-Mitglieder an Ihnen als Regisseur besonders?Ich höre immer wieder, dass es sehr unkompliziert ist, mit mir zu arbeiten. Ich bin nicht ständig auf einem Powertrip. Daran bin ich nicht interessiert. Ich denke auch, dass meine Filme viel Wärme ausstrahlen und menschliche Aspekte mehr berücksichtigen als andere amerikanische Filme. Die sind oft sehr technisch. Ich war selbst Schauspieler und schätze Schauspieler sehr. Ich habe keine Berührungsängste mit Schauspielern und verstehe sie gut. Vielleicht ist Poseidon auch ein eher europäischer oder "Wolfgang-Film". Ich habe inzwischen den Spitznamen "Water-Director", und ich mag das.Es gibt nicht sehr viele deutsche Regisseure, die sich in Hollywood etabliert haben.Ich sage eigentlich immer, man sollte sich nicht gleich in Richtung Hollywood orientieren. Am Anfang sollte man lieber Filme in der Heimat machen und die Bedürfnisse der Zuschauer kennen lernen. Deutschland ist ein sehr guter Markt. Wenn man nach Hollywood kommt, darf man sich nicht enttäuschen lassen. Viele Regisseure kamen hierher und hatten einfach nicht genug vorzuweisen. Meine "Eintrittskarte" sozusagen war "Das Boot". Ich hätte nie damit gerechnet, dass der Film so erfolgreich sein würde. Für mich hat der Film den Weg nach Hollywood geebnet. In Hollywood ist man immer an neuen Talenten interessiert. Aber du musst eben auch etwas vorzeigen können. Ein kleiner Kurzfilm ist nicht genug. Junge Filmemacher sollten am Anfang erst einmal Filme in ihrer Landessprache machen.Fahren Sie öfter nach Deutschland und reden mit jungen Talenten?Das würde ich sehr gerne tun. Doch ich bin immer noch so unglaublich jung, dass ich keine Zeit dazu habe. Ich hoffe, dass ich meinen nächsten Film im Oktober beginnen werde. Danach schaue ich mich nach einem weiteren Film für den nächsten Sommer um.Sie haben es geschafft und leben den Traum in Hollywood. Was hätten Sie gemacht, wenn es nicht geklappt hätte.Wenn es überhaupt nie geklappt hätte?Ja.Puh, mit zwölf wollte ich es machen und habe gesagt, das soll es sein. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich nicht Filmregisseur bin. Ich wüsste gar nicht, was sonst. Wenn ich jetzt nicht Filmregisseur wäre, dann wäre ich einfach nicht da.------------------------------Zur PersonWolfgang Petersen empfängt zum Interview in Los Angeles im Regent Beverly Wilshire, bestens bekannt als das Hotel, in dem "Pretty Woman" Julia Roberts von Richard Gere umworben wurde.Der gebürtige Emdener hat sich seit seinem oscarnominierten Welterfolg "Das Boot" fest in Hollywood etabliert. Zu seinen bekanntesten Filmen und Fernsehfilmen zählt der Tatort "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski, "Die Unendliche Geschichte", "Air Force One", "In the line of Fire", "The Perfect Storm" und zuletzt "Troja".Zuletzt hat der Starregisseur "Poseidon" fertiggestellt, Remake von "Poseidon Adventure", einem Katastrophenfilm aus den siebziger Jahren. Poseidon kommt am kommenden Donnerstag in die deutschen Kinos.Der 65-Jährige Petersen lebt mit seiner Frau Maria, die bei vielen seiner Filme als Regieassistentin mitwirkte, in Santa Monica.------------------------------Foto (2): Wolfgang Petersen während einer Präsentation für seinen neuen Film "Poseidon"Bei den Dreharbeiten zu Poseidon in Los Angeles: Regisseur Wolfgang Petersen mit einigen seiner Schauspieler.