Agentengeschichten bewegen Italien in diesen Tagen. Nach der längst nicht ausgestandenen Affäre um dreizehn CIA-Agenten, die in Mailand einen Ägypter entführt haben, beschäftigt nun eine hausgemachte Geschichte: Die Polizei hat 28 Hausdurchsuchungen in ganz Italien durchgeführt, beschlagnahmte Waffen und Dokumente, stellte zwei Männer unter Hausarrest und blockierte die Homepage von deren Organisation im Internet. DSSA nennt sie sich, zu Deutsch etwa: Departement für Strategische Studien im Antiterrorismus.Italiens Medien sprechen von einer "Parallel-Polizei" mit etwa 150 Mann, der neben Ex-Geheimdienstlern und Neofaschisten auch Polizisten und Carabinieri angehören. Gegen insgesamt 24 Männer ermittelt die Justiz. Einige melden sich freiwillig bei der Justiz, zerknirscht, weil sie nicht gewusst haben wollen, wo sie da mittaten. Die Organisation gab sich als staatliche Einrichtung aus, präsentierte sich mit Ausweisen, die an polizeiliche erinnerten, stellte auf eigene Faust Nachforschungen an zu angeblichen Zellen des islamistischen Terrorismus und versuchte dann ihre Informationen an Geheimdienste zu verkaufen - außer an die italienischen offenbar auch dem israelischen Mossad und der CIA.Solche Informationsdienste, so ein Terrorexperte, werden gut bezahlt. Vor allem aber hatte die Gruppe Zugriff auf die Datenbanken des Innenministeriums, was die linke Opposition einmal mehr veranlasste, die Regierung für eine Klärung ins Parlament zu zitieren. Angeführt wurde die Organisation von Gaetano Saya und Roberto Sindoca - Ultrarechte, Nostalgiker des Faschismus. Beide planten sie, im nächsten Jahr fürs Parlament zu kandidieren. Der 49-jährige Saya brüstet sich, einst ein Mitglied der rechtssubversiven Freimaurerloge P2 gewesen zu sein. Und er behauptet, bei der Nato gearbeitet zu haben - in "höchster Stellung".Auf der Homepage des DSSA tauchte auch der Name von Fabrizio Quattrocchi auf, jenem Italiener, der vor anderthalb Jahren im Irak entführt und ermordet worden war. Quattrocchi, der sich in einem von seinen Mördern gedrehten, aber nie veröffentlichten Video mit den Worten verabschiedet haben soll: "Schaut her, so stirbt ein Italiener", war danach in Italien wie ein Held gefeiert worden.Kürzlich schrieb das Nachrichtenmagazin News, Quattrocchi sei nicht etwa ein Bodyguard gewesen, wie alle glaubten, sondern ein Mann der DSSA - ein Privatagent auf der Jagd nach Informationen, die sich für gutes Geld den Geheimdiensten verkaufen ließen.