DÜSSELDORF. Nach seiner Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft wächst der politische Druck auf den früheren Leverkusener Fußball-Manager Reiner Calmund, sein Amt als WM-Botschafter für das Land Nordrhein-Westfalen umgehend ruhen zu lassen. In Düsseldorfer Regierungskreisen wird befürchtet, dass die Strafermittlungen gegen den unter Untreue-Verdacht stehenden Reiner Calmund noch etliche Monate andauern und die am 9. Juni beginnende Fußball-WM belasten könnten. Ein solcher "Imageschaden" müsse vermieden werden, sagte ein einflussreicher Regierungsstratege am Donnerstag. Gemeinsame öffentliche Auftritte von Kabinettsmitgliedern und Calmund seien derzeit "undenkbar".Alarmiert wurde die Landesregierung durch einen Vermerk aus ihrem Justizministerium. Das hatte sich nach der staatsanwaltschaftlichen Vernehmung von Calmund am Montag offenbar nach dem Verfahrensstand erkundigt. "Es ist nicht davon auszugehen, dass die Untreue-Vorwürfe zügig ausgeräumt werden. Auch der Vorwurf der Spielmanipulationen ist noch nicht vom Tisch", heißt es in einem Vermerk.Calmund soll 2003 vom Bayer-Vereinskonto 580 000 Euro in bar abgehoben und an den ebenfalls beschuldigten Spielervermittler Volker Graul gezahlt haben. Der Verbleib des Geldes ist unklar. Calmund und Graul behaupten, dafür auf dem Balkan Optionen für den Transfer von fünf Jungnationalspielern erworben zu haben. Allerdings fehlen die entsprechenden Dokumente.Die Staatsanwaltschaft geht dem "Anfangsverdacht" nach, dass mit dem Geld in der Saison 2002/2003 womöglich Bundesligaspiele für die damals akut abstiegsgefährdeten Leverkusener gekauft worden sein könnten. Calmund bestreitet diese Vorwürfe vehement. "Das ist totaler Blödsinn. Ich habe nie in meinem Leben ein Spiel gekauft." Ein freiwilliger Rückzug als WM-Botschafter komme für ihn nicht in Frage. Dies würde "wie ein Schuldeingeständnis" wirken. Nach der siebenstündigen Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft zeigte sich Calmund erleichtert wie nach einem Auswärtssieg im Abstiegskampf. "Das war ein Befreiungsschlag."Staatsanwalt Norbert Reifferscheidt vernahm Calmund vor allem zu Verdächtigungen aus dem Bayer-Konzern, der ehemalige Fußball-Manager habe in der Saison 2002/2003 an den letzten drei Spieltagen die Begegnungen gegen Bielefeld, den TSV 1860 München und Nürnberg manipuliert, um Bayers Klassenerhalt zu sichern. Der Klub holte aus den drei Partien neun Punkte. Den Ermittlern liegt ein Protokoll über eine förmliche Befragung Calmunds zu Manipulationsvorwürfen durch Bayer-Juristen am 26. Mai 2004 vor. Demnach soll Calmund den Juristen erklärt haben: "Wer meint, dass im Fußballgeschäft alles sauber läuft, der ist auf dem Holzweg."Neben drei Bundesligaspielen aus dem Abstiegskampf der Saison 2002/2003 war Calmund in dem Gespräch von den Bayer-Juristen offenbar auch mit dem Vorwurf konfrontiert worden, dass das Heimspiel in der Champions League gegen den AS Monaco am letzten Gruppenrundenspieltag der Saison 1997/98 manipuliert worden sein soll. Die Partie endete 2:2 und sicherte Bayer als punktbestem Tabellenzweiten den Sprung ins Achtelfinale. Ebenso sollen die Bayer-Juristen den 1:0-Heimsieg Leverkusens gegen den VfL Bochum am letzten Bundesligaspieltag der Spielzeit 2000/2001 überprüft haben. Damit hatte sich Bayer als Tabellenvierter die Teilnahme an der Qualifikationsrunde zur Champions League gesichert.Lücke im GesetzDie Zahlung und Entgegennahme von Bestechungsgeldern zur Manipulation von Fußballspielen ist nach übereinstimmender Auffassung führender Korruptionsexperten in Deutschland nicht strafbar. "Da gibt es eine Gesetzeslücke", sagte die Bielefelder Strafrechts- und Kriminologie-Professorin Britta Bannenberg. Von dem Strafrechts-Paragrafen 299, der Bestechlichkeit und Bestechung im Geschäftsverkehr sanktioniere, sei die Korruption bei Sportwettbewerben ausdrücklich nicht erfasst. Bestraft werden könne derzeit eine Manipulation nur, wenn dieser Wettbetrug zu Grunde liege.------------------------------"Ich habe nie in meinem Leben ein Spiel gekauft." Reiner Calmund------------------------------Foto: Im Schatten: Der Vorwurf gegen Reiner Calmund, er habe Spiele manipuliert, ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht ausgeräumt.