In Parks gilt Alkohol-Trinkverbot / Immer öfter wird es durchgesetzt: Kiezstreifen vermiesen Berlinern das Freiluftbier

Ein lauschiger Sommerabend, ein Picknick mit Bier und Prosecco im Park - so ein Ausflug ins Grüne kann ungemütlich werden. Denn in Berlin darf in der Öffentlichkeit kein Alkohol getrunken werden. Das Verbot ist zwar nicht neu, doch durchgesetzt wurde es bislang kaum. Erst seit kurzem muss mit einem Platzverweis oder gar mit Ordnungsgeld rechnen, wer zur Flasche greift. Denn die Kiezstreifen der Ordnungsämter gehen gegen jene vor, die in der Öffentlichkeit Alkohol trinken - allein oder in der Gruppe. Laut Berliner Straßengesetz kann das "Niederlassen zum Alkoholverzehr" auf öffentlichen Straßen und Plätzen als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.Ob im Park oder vor dem Supermarkt: "Jeder muss damit rechnen, angesprochen zu werden", sagt die Leiterin des Ordnungsamtes Pankow, Sabine Leblow. Zunächst fordern die Kiezstreifen die Betreffenden auf, woanders zu trinken. Wer nicht gehorcht, erhält einen Platzverweis oder muss zahlen. Zehn Euro sind laut Bußgeldkatalog für diese Ordnungswidrigkeit vorgesehen. Auf diese Weise will der Bezirk verhindern, dass Anwohner durch liegen gelassenen Müll oder lautes Geschrei von Betrunkenen belästigt werden. In Spandau wird "auf jeden Fall angesprochen, wer mit einem Bier in der Hand auf einer Bank sitzt", sagt Elke Gassert vom Ordnungsamt. Zuerst gibt es eine Ermahnung. Weilt der Übeltäter eine halbe Stunde später immer noch dort, muss er seine Personalien angeben. Platzverweis oder Bußgeld folgen. Viele Bürger würden inzwischen ihr Bier aus Apfelsaftflaschen trinken, um die Kiezstreifen zu täuschen. Bereits vor über einem Jahr waren in der Spandauer Altstadt Schilder aufgestellt worden, auf denen darauf verwiesen wird, dass der "Verzehr von Alkohol" auf den dortigen Bänken verboten ist.Der für das Ordnungsamt zuständige Baustadtrat Michael Wegner (CDU) in Reinickendorf würde am liebsten noch härter durchgreifen. Ihn stören insbesondere jene Trinker, die sich auf der Gorkistraße oder am Schäfersee treffen - wo bereits zahlreiche Platzverweise ausgesprochen wurden. "Da helfen nur noch hohe Strafen und Null Toleranz", sagt Wegner. "Am besten so wie in Singapur."Selbst in der weitläufigen Hasenheide in Neukölln wird Alkohol nicht gern gesehen. Da kann es passieren, dass Parkbesucher mit einem Bier in der Hand vom Ordnungsdienst ermahnt werden, obwohl sie versichern, nicht zum Trinkermilieu zu gehören. Der Einzelne auf der Bank werde nicht angesprochen, wohl aber Gruppen, sagt die Leiterin des Neuköllner Ordnungsamtes, Sabine Heidrich-Joswig. Wen die Streifen ermahnen, liege in deren Ermessen. Richtlinien gebe es nicht, Fingerspitzengefühl sei gefragt. Bußgelder würden nicht verhängt, in der Hasenheide habe kaum einer der Ermahnten Geld dabei."Grundsätzlich wird eingeschritten, wenn Gruppen zusammen sitzen und trinken", heißt es beim Ordnungsamt in Mitte. Einzelne haben in der City dagegen nichts zu befürchten. Franz Schulz (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, hält hingegen nichts von den Sanktionen seiner Kollegen. Die Streifen in seinem Bezirk seien angewiesen, Alkohol auf Straßen und in Parks nicht als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. "Alkohol ist ein soziales Problem, das kann man mit Verboten nicht regeln", sagt Schulz. Sein Bezirk stellt lieber Toilettenhäuschen an Brennpunkten wie im Wrangelkiez auf.------------------------------Das GesetzBeim Alkoholtrinken handelt es sich laut Behörden um eine Sondernutzung öffentlicher Flächen."Eine Erlaubnis ... ist zu versagen, wenn öffentliche Interessen der Sondernutzung entgegenstehen ... Ein öffentliches Interesse ist ... auch anzunehmen beim Nächtigen, Lagern und beim Niederlassen zum Alkoholverzehr außerhalb zugelassener Schankflächen auf öffentlichen Straßen."Paragraph 11, Absatz 2, Berliner Straßengesetz vom 13. Juli 1999.------------------------------Foto: So schön kann ein Tag am Wasser mit einem Bier sein. In Strandbars wie hier im Freischwimmer in Kreuzberg ist das auch erlaubt. Auf öffentlichen Plätzen und in Parks ist Alkohol trinken jedoch verboten - und neuerdings wird dieses wenig bekannte Verbot sogar immer öfter durchgesetzt.