MOSKAU. Altbundeskanzler Gerhard Schröder und seine Frau Doris haben ein zweites russisches Kind adoptiert. "Noch ein Russen-Baby" für Schröders - die Bildzeitung gratulierte. SPD-Parteikreise in Hannover bestätigten gestern die Meldung. Ob der knapp einjährige Junge ebenso wie die vor zwei Jahren adoptierte Viktoria aus Sankt Petersburg stammt, wurde nicht bestätigt. Schröders Büro wollte die Meldung überhaupt nicht kommentieren, denn es handele sich um eine "reine Privatangelegenheit" des Ehepaars Schröder. Der Altbundeskanzler ist 62 Jahre alt, seine Ehefrau Doris Schröder-Köpf 43. Mit dem Jungen lebt die Familie nun zu fünft in ihrem Haus in Hannover. Die ältere Tochter Klara, die Doris Schröder-Köpf aus einer früheren Beziehung hat, ist mittlerweile 15 Jahre alt, Viktoria fünf.Für die Familie Schröder ist der Zuwachs erfreulich, denn die Adoption russischer Kinder durch ausländische Eltern ist in ihrem Herkunftsland kein Routinevorgang, sondern politisch höchst umstritten. Schon bei der Adoption von Viktoria bekam das Ehepaar Schröder Hilfe vom russischen Präsidenten Wladimir Putin. Medienberichten zufolge versprach Putin damals, die komplizierten Formalitäten unbürokratisch, aber nach Recht und Gesetz zu regeln - und ohne Schmiergelder für dubiose Vermittler. In der Folge sei es wesentlich schneller gegangen als sonst.Noch im Sommer 2005 hatte der Sozialausschuss des russischen Föderationsrates gefordert, Ausländern die Adoption russischer Kinder generell zu verbieten und die Generalstaatsanwaltschaft ersucht, ein entsprechendes Moratorium zu erwirken. Anlass waren mehrere Todesfälle - von ihren ausländischen Adoptiveltern ermordete russische Kinder. Der bis dahin spektakulärste Fall, die zweieinhalbjährige Nina Hilt, war von ihrer amerikanischen Adoptivmutter so schwer misshandelt worden, dass sie im Juli 2005 starb. Im Sozialausschusses des Föderationsrats war damals von zwölf weiteren Fällen die Rede, vor allem in den USA.Gegen ein grundsätzliches Verbot der Auslandsadoption wandten sich Teile der russischen Regierung. Bildungsminister Andrej Fursenko, erklärte, eine Ratifizierung der "Haager Konvention über den Kinderschutz und die zwischenstaatliche Zusammenarbeit im Adoptionsbereich" durch das russische Parlament sei sinnvoll. Die Ratifizierung steht seit sieben Jahren aus.Statt eines Verbots wurde im November 2005 das Adoptionsrecht verschärft. Die Vermittlung russischer Kinder an Familien im Ausland durch unabhängige, also nicht staatliche Agenturen, ist inzwischen verboten. Deren Tätigkeit könne nicht ausreichend kontrolliert werden, hieß es. Die Neuregelung sei zum Nachteil der russischen Waisen, beklagen dagegen Experten. Die hätten es nun noch schwerer, Familien zu finden, kritisiert der Leiter der Organisation "Das Recht des Kindes", Boris Altschuler. Zudem adoptieren Ausländer häufiger kranke und schwer kranke Kinder, die in Russland als schwer vermittelbar gelten.Rund 800 000 russische Waisenkinder zählten die Behörden 2005, mehr als in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als 45 000 russische Kinder von Ausländern adoptiert. Nur wenige russische Familien sind bereit und in der Lage, es ihnen gleichzutun. Einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr zufolge würden 81 Prozent der Russen kein Kind adoptieren.------------------------------Foto: Altkanzler Schröder mit Ehefrau