Kaum eine Wirtschaftsbranche hat sich in Berlin in den vergangenen Jahren so radikal gewandelt wie die Kinobranche. Zahlreiche sogenannte "Multiplexkinos" mit perfekter (und sehr teurer Technik) in bis zu 15 Sälen wurden eröffnet, weitere sind in Bau oder in Planung. Zeitgleich machen immer mehr kleinere Filmtheater zu, weil die Konkurrenz zu stark wurde. Allein in den vergangenen Wochen wurde das Ende des "Gloria-Palastes" und seiner kleinen Schwester "Gloriette" am Kudamm sowie des "Alhambra" im Wedding bekannt. Nun scheint sich ein leichter Gegentrend abzuzeichnen. In Schöneberg und in Treptow eröffnen in dieser Woche nach zum Teil langer Umbauzeit zwei Traditionskinos wieder ihre Pforten: der "Notausgang" in der Vorbergstraße 1 und das "Astra" am Sterndamm 69."Kleine Kinos mit einem erkennbaren Profil haben sehr wohl eine Chance. Ganz einfach, weil das Publikum in Multiplexkinos ein ganz anderes ist. Doch wir müssen unser Publikum auch pflegen. Es reicht einfach nicht mehr, den Leuten eine muffige Abspielbude zu präsentieren", sagt Hendrik Buchbender, der nach sechswöchiger Umbauzeit am Donnerstag um 18 Uhr den "Notausgang" wieder eröffnen will. Mit verhältnismäßig wenig Geld bisher rund fünfzigtausend Mark hat er das Foyer renoviert und dabei Stuck- und Mauerelemente freigelegt, die unter jahrzehntealten Farbschichten verborgen waren. Auch der Saal wurde modernisiert. "Vorher sah es hier grauenhaft aus. Viel zu lange ist nichts mehr investiert worden, weder materiell noch ins Programmprofil", so Buchbender. Am Donnerstag beginnt er mit einer zweiwöchigen Ingrid-Bergmann-Reihe, danach folgen Retrospektiven über den Regisseur Francois Truffaut und die Schauspielerin Romy Schneider keine Alltagsware, eher etwas für echte Cineasten..Sobald Buchbender genug Geld für eine neue Dolby-Stereo-Sound-Anlage hat, will er auch aktuelle Produktionen zeigen. "Action-Filme mit Arnold Schwarzenegger wird es bei mir aber nicht geben. Die sind in Multiplex-Kinos mit großen Leinwänden viel besser aufgehoben", sagt der gelernte Tontechniker und Filmvorführer. Einen ganz anderen Weg gehen die Betreiber des "Astra" in Treptow. Am 15. Oktober vergangenen Jahres war es geschlossen worden, am Freitag wird ab 10 Uhr Wiedereröffnung gefeiert. Insgesamt etwa 6,5 Millionen Mark haben Horst Köhler und Alexander Specht beide haben das Astra gleich nach der Wende gekauft in das Traditionshaus gesteckt. Herausgekommen sind fünf Säle mit insgesamt 600 Plätzen, ausgestattet mit modernster Technik.Auch inhaltlich unterscheiden sich die Treptower stark von dem Schöneberger Betreiber. "Wir wollen ein Programm für die ganze Familie machen", sagt Alexander Specht. Das "Astra" setzt verstärkt auf Kinderfilme. In den Spät- und Nachtvorstellungen ist dann Platz für Action und Spannung aus Hollywood."Wir hoffen, daß uns unsere Stammbesucher treu bleiben und trotz der langen Pause wiederkommen", sagt Betreiber Alexander Specht. Schließlich versteht sich das Astra weiterhin als Kiezkino für alle Treptower.