BERLIN, 21. Oktober. Die Koalitionsgespräche in Mecklenburg-Vorpommern verzögern sich weiter. SPD und PDS in Mecklenburg-Vorpommern konnten nicht wie geplant am Montag die Verhandlungen abschließen. Bei der Finanzierung der Kinderbetreuung sei keine Einigkeit erzielt worden, teilten die Verhandlungsführer am Abend mit. Von der Lösung der Frage hängt ab, in welchem Umfang die von den Parteien vereinbarten Projekte, wie zum Beispiel die Einführung eines kostenlosen Vorschuljahres, realisiert werden können. Das Vorschuljahr ist ein zentrales Projekt der PDS, mit dem sie im Wahlkampf geworben und für das sie bereits symbolische Gutscheine verteilt hatte. Die Gespräche werden am Mittwoch fortgesetzt.Stasi-Unterlagen-BehördeAuch die Personalfragen werden entgegen den ursprünglichen Plänen erst am kommenden Wochenende geklärt werden. Beide Parteien werden voraussichtlich am Montag die jeweiligen Namen bekannt geben. Trotz ihrer hohen Wahlverluste hatte Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) der PDS kurz nach der Wahl zugesagt, sie werde ihre drei Ministerien behalten.Offen ist weiterhin, ob die Stasi-Unterlagen-Behörde des Landes als eigenständiges Amt aufgelöst werden soll. Die PDS möchte das Amt mit der Landeszentrale für politische Bildung zusammenfassen. Damit unterstünde die Stasi-Unterlagen-Behörde direkt der Schweriner Staatskanzlei. Jürgen Schmidt-Pohl von der Vereinigung der SED-Opfer-Verbände sprach von einer "Katastrophe", sollte die Behörde ihre Eigenständigkeit verlieren. Diskutiert wird darüber hinaus, ob Abgeordnete weiterhin routinemäßig auf Stasi-Kontakte hin überprüft werden sollen. Die PDS-Fraktion lehnt eine solche Prüfung ab. KommunalreformDie Verwaltungsreform gilt als das wichtigste Vorhaben, auf das sich die Parteien bisher einigen konnten. Die 18 Kreise und kreisfreien Städte sollen nach den Vorstellungen der SPD auf vier Verwaltungsgebiete reduziert werden. "Wenn dieses Land seine Entwicklungspotenziale erschließen will, kann es sich die Schwerfälligkeit und Kleinteiligkeit der Verwaltung, wie sie derzeit existiert, nicht mehr leisten", sagte Innenminister Gottfried Timm (SPD). Anfang nächsten Jahres wird der Landtag eine Sonderkommission einsetzen, welche die Reform vorbereitet. Realisiert werden soll der neue Zuschnitt der Verwaltung allerdings nicht vor den übernächsten Kommunalwahlen im Jahr 2009. Michael Thomalla vom Städte- und Gemeindetag begrüßte die Reform bereits als "Pilotprojekt für ganz Deutschland".Einig sind sich SPD und PDS auch darin, dass die Projekte im öffentlichen Beschäftigungssektor im bestehenden Umfang fortgeführt werden sollen. Auch die Einführung eines Tariftreuegesetzes ist inzwischen unumstritten. Öffentliche Aufträge sollen künftig nur noch an Firmen vergeben werden, die ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlen. Die Pläne des rot-roten Bündnisses stießen bei der Opposition auf Unverständnis. "Alle großen Probleme werden ausgeklammert", sagte CDU-Landeschef Eckhardt Rehberg. Er sehe keinen Ansatz, wie das Land vorwärts kommen könne.Foto: BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Harald Ringstorff (SPD) verhandelt in Schwerin mit der PDS.