Letzten Samstag sagte Ingolf Lück, dass der "Christopher Street Day" der wichtigste Feiertag wird, sollte Guido Westerwelle Bundeskanzler werden. Lück war die glitzernde Showtreppe heruntergeschritten, die es zuletzt immer in der "Wochenshow" gab. Er stand auf der Bühne, er lachte. Er hatte in den vergangenen Monaten oft Witze ohne Pointe erzählt, da kam es auf den einen nicht mehr an. Jetzt sowieso nicht mehr. Es war die vorletzte "Wochenshow". An diesem Sonnabend ist Schluss.Später kamen die Comedians dann als "Kelly Family" auf die Bühne und sangen "I can t live without duschen". Man konnte jetzt umschalten, ausschalten, das Zimmer verlassen. Es tut weh, wenn Dinge, die man mal mochte, so enden.Die geklaute IdeeAm Anfang war die "Wochenshow" so schlecht wie zum Schluss. Man könnte also sagen, sie hat zu ihrem Ursprung zurückgefunden. Am Anfang, 1996, gab es plötzlich auf Sat 1 eine Sendung, die den Beisatz "Die witzigsten Nachrichten der Welt" im Namen führte. Meistens sind solche Sendungen nicht witzig. Es hört sich nach einer Vorsichtsmaßnahme an. Man sagt vorher Bescheid, dass es jetzt lustig wird, damit alle in Lachbereitschaft gehen. Die Idee zur Show war geklaut von "Rudis Tagesshow" mit Rudi Carrell. Ingolf Lück las Witze vom Blatt ab, Herbert Feuerstein trat als "historischer Stuntman Spartacus" auf, was Strafe verdient hätte, Marco Rima war der verwirrte Reporter, Anke Engelke irgendwie dabei. Es sah nicht gut aus für die "Wochenshow". Warum es dann gut wurde und man ohne rot zu werden behaupten kann, dass die Sendung an guten Tagen eine große Sendung war, ist schwer zu erklären. Es lag wohl auch an der Zeit. RTL stellte 1998 die Show "Samstagnacht" ein, man war gerade ein bisschen angefixt mit Comedy. Man brauchte Ersatz. Es gab die Wochenshow, also gab man ihr eine Chance. Herbert Feuerstein war weg, Bastian Pastewka war da, die Sendung wurde besser, sie entwickelte sich. Es ging nicht mehr darum, sich eine lustige Perücke aufzusetzen oder einen lustigen Hut und dann einen Witz zu erzählen. Es ging um Figuren. Die Figuren trugen die Pointe, sie waren wichtig, manche wurden Kult. Ingolf Lück spielte den wunderbaren Erfinder Herbert Görgens, der keine Dinge erfand, aber immer ins Fernsehen wollte, den Macho Gerd, bei dem man auf die eine Handbewegung wartete. Den einen Ausruf: "Millemillemille!". Irgendwann wusste jeder, was das bedeutet. Bastian Pastewka war Ottmar Zittlau, der Mann mit dem hässlichsten Trainingsanzug der Welt, der so langsam dachte, dass man jeden Gedanken auf seinem Weg durchs Gehirn zu sehen schien, er war Brisko Schneider und Anke Engelke war eigentlich alles: Einkaufstütenmutti, Emanze, Nina Ruge, Ricky auf dem Popsofa, Regine Hildebrandt. Man soll so etwas nicht schreiben, weil man Dinge vergisst und es ungerecht sein mag, aber Anke Engelke als Regine Hildebrandt war wohl die beste Parodie, die es in den letzten Jahren im deutschen Fernsehen zu sehen gab. Als Engelke 2000 bei der "Wochenshow" ausstieg, wussten die anderen, dass es schwer werden würde ohne sie. Es sah nach Abschied aus, nach einem langsamen Sterben der Sendung, aber das hatte schon früher begonnen. Es liefen ständig Wiederholungen der alten "Wochenshow"-Folgen, es gab Sondersendungen, die "Danke, Anke" hießen, Bastian Pastewka machte "Briskos Jahrhundertshow", Ingolf Lück moderierte "Voll witzig" und und später "C.O.P.S. - die Comedy-Pannenshow". Er war jetzt eine Art Witzpapst, manchmal schaltete man den Fernseher ein und wusste nicht mehr, welche Sendung er eigentlich gerade moderierte. Als der Neckermann-Versand sein Firmenjubiläum feierte, gab es eine Woche lang eine Sondersendung der "Wochenshow". Aus Comedy wurde Werbung. Der letzte Ausverkauf.Auch reichlich SchrottIrgendwann ging dann nichts mehr. Das letzte Ensemble der "Wochenshow" bestand eigentlich aus sechs Comedians. Zwei hörten dann nach ein paar Sendungen wieder auf. Es gab keine Erklärungen, keinen Abschied, keinen Ersatz. Sie waren einfach nicht mehr da. Man hätte es fast nicht bemerkt.In ihren besten Momenten war die Wochenshow wunderbar anarchisch, es gab viele kleine Perlen zu bewundern zwischen reichlich Schrott. Mehr geht wahrscheinlich nicht, bei einer wöchentlichen Sendung. Während der Fußball-WM soll es jetzt noch zwei Specials geben. Eine Art Zugabe. Ein Schluss nach dem Schluss. Auch wenn ihn keiner mehr braucht.Manchmal tut es weh, wenn eine Sendung geht. Man spürt ein Loch. Dann ist es der richtige Moment. Ein gutes Ende. Manchmal schaltet man aber einfach nur um.Sonderausgaben zur WM // Ihre Premiere erlebte die "Wochenshow" am 16. April 1996 auf Sat 1. Ende 1997 wurde die Sendung von einer halben auf eine ganze Stunde verlängert. Das Jahr 1999 war das erfolgreichste in der Geschichte der Show. Die Einschaltquoten stimmten, das Ensemble erhielt den Deutschen Comedypreis, Anke Engelke den Adolf-Grimme-Preis. Nach 220 Ausgaben stellt der Sender die Show an diesem Wochenende ein. Termin der letzten Sendung: Sonnabend, 22. 15 Uhr.Durch die Show wurden Anke Engelke, Marco Rima, Markus Maria Profitlich, Bastian Pastewka und Annette Frier populär. Ingolf Lück moderierte bereits zuvor mehrere Shows, darunter die mäßig erfolgreiche Reisesendung "Pack die Zahnbürste ein". Er ist der einzige aus der Anfangsbesetzung, der der Show bis zuletzt die Treue gehalten hat. Ganz endgültig ist das Ende der "Wochenshow" jedoch nicht: Bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft soll es zwei Sondersendungen geben.Foto: SAT 1 Anke Engelke trägt eine Perücke. Ingolf Lück auch. Nachrichtensprecher bei Sat 1 dürfen das.