LYCHEN. Der Fußboden wankt. So scheint es. Ein Schwindelgefühl kommt auf. Es liegt nicht am Kreislauf. Es liegt an den Fliesen im Bad von Uwe Jähnichen. Er ist gerade dabei, sein Bad neu zu machen. Die Fliesen sind nicht waagerecht angebracht, sie verlaufen an jeder Wand in einem anderen Winkel zum Boden. Die neue Eckbadewanne - auch sie wird demnächst schräg eingebaut. Ebenso der Waschtisch und die Toilette. "Da sitzt man dann schief drauf und kann sich an die Wand kuscheln", erklärt Jähnichen. "Alles ist voll funktionsfähig, wenn es eingebaut ist." Nur bei der Badewanne müsse man schon aufpassen, dass das Wasser auf der tiefergelegten Seite nicht überschwappt.Nicht nur im Bad in Jähnichens Einfamilienhaus in Lychen (Uckermark) ist alles schief. Auch die Küche macht einen schrägen Eindruck. "Ich habe vor vier Jahren angefangen, aus Spaß die Wände in der Küche schief zu fliesen und fand es ganz schick", sagt der gebürtige Berliner, der in der Hauptstadt eine eigene Galerie mit eigenen Zeichnungen und anderen Kunstwerken betreibt und in dessen Garten zahlreiche Stahlskulpturen stehen. "Außerdem finde ich es nicht so toll, dass hier immer alles genormt sein muss."Aus dem Spaß wurde Ernst. So kam Jähnichen vollends auf "die schiefe Bahn". "Für so eine Idee muss man verrückt genug sein", sagt er. Die neuen Arbeitsflächen aus Granitplatten sind nun ebenfalls schräg. Der Herd ist in einem Tisch eingebaut, der ein Gefälle von etwa 45 Grad besitzt. Wenn der 46-Jährige kocht, dann muss er mit einer eigens installierten Vorrichtung Töpfe und Deckel fest klemmen, damit sie ihm nicht von der Kochplatte rutschen.Die Kunst des Wasserkochens"Hier zu kochen ist schon ein wenig kompliziert und daher nur etwas für besondere Anlässe", sagt Jähnichen. Schon allein das bloße Wasserkochen sei eine Kunst. Denn das Wasser muss auf der höher gelegenen Seite des Topfes den Boden bedecken, darf aber andererseits nicht überlaufen.Dass der Wasserkocher auf der Granitplatte gegenüber nicht auf die Erde saust, liegt daran, dass Jähnichen die Unterplatte des Kochers am Tisch festgeklebt hat. Ebenso wie die Blumenvase. Die Landschaftsfotografien an den Wänden haben, versteht sich, schiefe Rahmen. "Die habe ich extra anfertigen lassen", sagt Jähnichen. Und so verwundert es nicht, dass auch der Zwiebelkorb schief an der Wand hängt. "Ich habe Spaß dran, weil es mal was anderes ist." Er präsentiert gern sein Kunstwerk.Ganz so verrückt allerdings wie ein polnischer Unternehmer, der im vergangenen Jahr ein außergewöhnliches Haus auf Usedom als Touristenattraktion baute, ist er nicht. Sowohl Haus als auch Inneneinrichtung stehen komplett auf dem Kopf. "Dort funktioniert ja nichts", sagt Jähnichen.Für besonders kreislaufbelastete Besucher hat der gelernte Schlosser, der bis zur Wende als Bühnendekorationsbauer an der Komischen Oper in Berlin sein Geld verdiente, auch noch ein "normales Bad" und eine "normale Küche" zum Vorzeigen parat. Über diesen Luxus freut sich auch seine Mutter, mit der er das Haus am Rande von Lychen teilt. Sie mag nicht auf der schiefen Ebene kochen.Noch ist unklar, welch schräge Idee Uwe Jähnichen als nächstes umsetzen wird. "Das ist auch eine Frage des Geldes", sagt der Mann, der von seinen Kunstwerken in der "Gallery Wings" in Berlin-Lichtenberg allein nicht leben kann und daher in einem Berliner Großlager arbeitet. Klar ist nur, dass er etwas Neues anpacken will. "Ich bin ein schräger Typ, ich brauche das."------------------------------Foto: Küche in Schieflage - der Berliner Künstler Uwe Jähnichen verwirklicht in Lychen seine schrägen Ideen.