BERLIN, 25. August. "Hier rudert der schnellste Junior Deutschlands", verkündet eine Tafel am Vereinsgebäude des Rudervereins Energie an der Gutenbergstraße in Spindlersfeld. Schließlich holte sich Harald Heller bei den Weltmeisterschaften den Titel im Doppelvierer, und bei den Deutschen Meisterschaften der A-Junioren in Brandenburg wurde er Erster der Skuller. Von Wassersprintern abgesehen geht es in Spindlersfeld eher gemächlich zu. Das Wohngebiet wird von Bahngleisen, der Oberspreestraße, der Dahme und Spree begrenzt und ist wegen der idyllischen Lage sehr begehrt. Die wasserseitig gebauten Häuser an der Gutenbergstraße sind fast alle wieder hergerichtet und bieten nicht nur eine attraktive Kulisse für Wasserwanderer. Wer hier wohnt, hat den schönsten Blick über die Dahme zur Altstadt Köpenick. Die Straßen sind mit Kopfstein gepflastert, rasen kann hier niemand.Stille Uferwege zum FlanierenDie Gebäude auf dem Areal zwischen der Ottomar-Geschke- und der Gutenbergstraße sind zum großen Teil nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Fast alle Häuser wurden aufwändig saniert, die Grundstücke haben großzügig angelegte, mit viel Grün gestaltete Innenhöfe. Zwischen den neueren Häusern findet man auch attraktive Backsteinvillen. Eine besondere Zierde sind die denkmalgeschützten zweigeschossigen Backsteinhäuser der Spindler schen Werkssiedlung von 1873. Vor allem aber die Lage am Wasser macht die Attraktivität des kleinen Köpenicker Ortsteils aus. Dahme und Spree fließen hier zusammen. Der Mentzelpark verführt zum Bleiben, ein stiller Uferweg lädt zum Flanieren. Ein großer Vorteil für die Anwohner ist, dass sie vom Durchgangsverkehr gänzlich verschont bleiben. Doch die Ruhe ist zumindest für die, die in den Einfamilienhäusern zwischen Geschkestraße und der Bahntrasse wohnen, wohl künftig vorbei. Die vielen Bäume hier schlucken zwar etliches von den Geräuschen der Bahn. Doch den Lärm der künftigen vierspurigen Straßenverbindung, die einmal entlang der Bahngleise von der Straße an der Wuhlheide über die Oberspree- und Dörpfeldstraße und den Glienicker Weg bis zum Adlergestell führen wird, können sie trotz vorgesehener Lärmschutzwände wohl kaum dämmen. Die Straße soll den Verkehr aus der strapazierten Altstadt und aus Schöneweide herausbringen. Derzeit beschäftigt die Anwohner, wie die 70 000 Kubikmeter Erde, die zum Aufschütten des Dammes für die Fahrbahn auf dem Gelände des Grube-Stadions benötigt werden, durch das Wohngebiet dorthin gelangen sollen. "Gegenwärtig prüfen wir verschiedene Transportvarianten, auch die Anlieferung per Schiff ist nicht vom Tisch", sagt Wolfgang Mailahn, der zuständige Projektleiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. "Denkbar ist auch die Anfahrt über die Brücke, die gerade von der Wuhlheide nach Spindlersfeld gebaut wird. Wir hoffen, dass noch in diesem Jahr eine grundsätzliche Entscheidung gefällt werden kann und dann die Ausschreibung erfolgt." Angestrebt ist, dass ab Herbst 2002 der Verkehr von der Oberspreestraße direkt zur Wuhlheide rollen kann. Ungeklärt ist auch, was aus dem Gelände der ehemaligen Wäscherei wird. Das zum Teil unter Denkmalschutz stehende Backsteinensemble ist zugesperrt, Scheiben sind eingeworfen, Unkraut sprießt an allen Ecken. Hier könnten attraktive Wohnungen und Ateliers entstehen, Kleingewerbe und Gastronomie sich ansiedeln. Der Eigentümer, die Imhoff-Industrieholding, will das zehn Hektar große Areal nicht selbst nutzen, sondern es verkaufen. Was dann passiert, bleibt offen.Nächste Folge: Wartenberg

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