Es ist ein heißer Tag. Das Thermometer klettert über die 30-Grad-Grenze. Ein wenig zu heiß vielleicht, für das, was Ulrike Seitz und Inga Kondeyne heute vorhaben - eine Galerie-Eröffnung. Ihre Galerie. Doch trotz extremer Temperaturen - das Kunstvolk ist interessiert und zahlreich in der Carmerstraße in Berlin-Charlottenburg erschienen. "doubleclick : reloaded" heißt ihre Ausstellung. Der Titel ist eine Anspielung auf Vergangenes und die Zukunft. Denn alles begann bereits vor 16 Jahren.Damals, 1995, eröffnete Inga Kondeyne ihre Galerie in den Hackeschen Höfen. Gerade erst aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt, sollten die Höfe zu einer neuen Kulturstätte werden. Zunächst bezog Kondeyne ihre dortigen Galerieräume mit Rainer Borgemeister. Die Partnerschaft wurde jedoch frühzeitig beendet, als der Galerist bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte. Die Galerie aufzugeben, das kam für Kondeyne nicht in Frage. Stattdessen stieg Ulrike Seitz in den Standort Hackesche Höfe mit ein. Sie hatte Inga Kondeyne bereits vor 20 Jahren über den Zeichner Hanns Schimansky, der von Kondeyne's Galerie vertreten wird, kennengelernt.Mit der Zeit entwickelten sich die Hackeschen Höfe jedoch zu einem Tourismuskessel. Dem engagierten Galeriebesucher wurden die Luft und die Lust am dortigen Flanieren genommen. Kondeyne und Seitz erkannten, dass da kein Platz mehr für sie war. Weil die Beiden sich nicht auf einen neuen Standort einigen konnten, trennten sich ihre Wege. Seitz zog in die Friedrichstraße, Höhe Checkpoint Charlie; Kondeyne ging zur Galerie Marianne Grob in die Linienstraße. Das war 2006.Zwei weiße RäumeFünf Jahre später stehen Seitz und Kondeyne wieder in einer gemeinsamen Galerie. Der Zufall hat sie wieder zusammengeführt: Durch eine Mieterhöhung beziehungsweise Mietkündigung mussten sie sich beide auf die Suche nach neuen Räumen begeben. Die fünfjährige gemeinsame Zeit in den Hackeschen Höfe haben sie in guter Erinnerung: Das Galeristen-Duo will einen Neustart wagen.Das Konzept der beiden wird heute wie damals eine Wechsel-Galerie sein: Während die Eine in den Räumen eine Ausstellung zeigt, kann die Andere Kontakte mit Künstlern pflegen und der sonstigen Galeriearbeit nachgehen. Alle vier bis sechs Wochen wird gewechselt. Die Räume sind dann immer nach der Galerie benannt, die gerade mit einer Ausstellung an der Reihe ist. Gemeinsame Ausstellungen, wie bei der Neu-Eröffnung, werden die Ausnahme bleiben.Seitz und Kondeyne schätzen diese Art der Galerieführung. Denn auch wenn sie gemeinsame Räume haben, legen sie ihre Arbeit formal nicht zusammen. Jede macht ihr eigenes Programm. Überschneidungen werde es nicht geben, nur Annäherungen, betonen beide. Einzig die Vorliebe für nicht-figurative Kunst ist beiden gemein.Die Suche nach einem geeigneten Standort war schwierig. Nahe den vorherigen Galerien in der Friedrichstraße und in der Linienstraße war nichts Passendes zu finden. "In die Potsdamer Straße wollte ich nicht. Dort gehören wir nicht hin, denn die Leute kommen da nur zum Event", sagt Kondeyne. Doch dann stießen sie auf die ehemalige Autorenbuchhandlung in der Carmerstraße: Zwei helle Ausstellungsräume, zwei Büros und vor allem große, weiße, unberührte Wände. Mehr brauchten und wollten Ulrike Seitz und Inga Kondeyne nicht.Es ist genug Platz, um den beiden Ausstellungskonzepten nachzugehen. Kondeyne, die beim Galeristen Klaus Werner in der zu DDR-Zeiten berühmten Galerie Arkade lernte, widmet sich schon lange der Kunst des Zeichnens, der Linie. Die Auffassung, dass auch Papierarbeiten als Zeichenkunst gelten, trägt Kondeyne nicht mit. Nicht alles auf oder aus Papier sei eine Zeichnung. Kondeyne zeigt vor allem linear betonte Arbeiten. Hell-dunkel Kontraste stehen eher im Hintergrund.Auch jüngere Zeichner werden von Kondeyne vertreten. Die neue Generation sei zwar sehr karg bestückt, aber die Ausbildung von Hanns Schimansky an der Kunsthochschule Weißensee unterstütze und bestärke diese Kunstrichtung. Neu ist, dass die jungen Künstler vor allem großformatig arbeiten und sich ausschließlich der Zeichenkunst widmen.Zuversicht im ProgrammObwohl Kondeyne viele Zeichnungen zeigt, möchte sie sich nicht darauf versteifen. Die klassische Zeichenkunst sei nur der alles verbindende rote Faden. Aber auch freiere Arbeiten möchte sie nicht missen. Lachend berichten die Beiden, dass sie ohnehin ungeniert ihrem eigenen Kunstgeschmack nachgehen würden. "Wir gehören nicht zu der Art von Galerie, die den Künstlern einen Stil aufzwängen, der sich auf dem Markt bestätigt hat", so Seitz.Ihr Galerieprogramm beschreibt Seitz hingegen mit einem "schönen Blumenstrauß". Der sei zwar kein Potpourrie, würde aber trotzdem eine gewisse Bandbreite abdecken. Sie vertritt Maler, Bildhauer, Fotografen und ein paar wenige Zeichner.Kondeyne und Seitz freuen sich über die Wiederaufnahme ihrer Partnerschaft. Die Standort-Wahl Charlottenburg war nicht ganz unbedacht. Die Gegend um den Savignyplatz sei nicht nur gut zu erreichen, sondern lade auch noch zum Flanieren ein. Auch andere Galerien planen inzwischen ihren Umzug hierher. Dass Charlottenburg beim Blick auf die Galerien-Landschaft zu erstarken scheint, sehen nicht nur die Galeristen so. Im Gästebuch steht "Endlich in Charlottenburg." Ein Zuspruch für die Richtung, in die Ulrike Seitz und Inga Kondeyne zuversichtlich steuern.-----------------------Galerien Seitz & Partner und Inga Kondeyne: "doubleclick: reloaded" bis 8. Oktober, Carmerstraße 10 (Charlottenburg). Di-Fr 12-18, Sa 11-17Uhr.------------------------------Foto: Eingespieltes Duo am neuen Ort: Inga Kondeyne (links) und Ulrike Seitz.