Initiative aus Bayern

Andernorts wird die Wasserstoff-Wirtschaft optimistischer gesehen als das BMBF es tut. So plant die US-Regierung, in den nächsten Jahren, mit rund 460 Millionen Mark pro Jahr zehnmal mehr Mittel für die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Förderung auszugeben als Deutschland. Ein großes Entwicklungs- und Kommerzialisierungsprogramm hat auch Japan aufgelegt: Seit 1992 gibt es dort das "World Energy Network" mit einem Budget von mehr als fünf Milliarden Mark und einer Laufzeit bis 2020. Das Programm bündelt alle Wasserstofftechnologie-Projekte unter einem gemeinsamen Dach.Auch die bayerische Staatsregierung setzt mit der "Wasserstoff-Initiative Bayern" auf den umweltfreundlichen Energieträger. "Wir wollen die Wasserstofftechnologie in die bestehende Infrastruktur integrieren ­ unabhängig vom Solarstrom", sagt Norbert Graf von Stillfried, Energieexperte im bayerischen Wirtschaftsministerium. Wasserstoff, so Stillfried, könne aus Erdgas ebenso gewonnen werden wie aus den Prozeßgasen der chemischen Industrie oder aus Wasserkraft. "Allein durch Vergasung von Biomasse ließe sich in Bayern genug Wasserstoff erzeugen, um 80 000 Busse zu betreiben ­ und das zu Preisen, die mit dem Diesel konkurrieren können."Seit Ende April fährt der weltweit erste Wasserstoff-Bus im regulären Linienbetrieb der Verkehrsbtriebe in München. Einen einjährigen Einsatz in Erlangen hat er bereits hinter sich: Über 113 000 Kilometer hat er dort zurückgelegt und 60 000 Passagiere befördert. Außer Wasserdampf stößt dieser Bus nur geringe Mengen an Stickoxiden aus, die weit unter dengültigen Abgas-Grenzwerten bleiben.Zur Weltausstellung Expo 2000 in Hannover möchte Graf von Stillfried in Bayern das weltweit größte Demonstrationsvorhaben der umweltfreundlichen Technologie fertigstellen: Bis dahin sollen die Busse auf dem Flughafen München auf Wasserstoff umgestellt sein, und auch der geplante Brennstoffzellen-Bus von MAN, Siemens und Linde wird dann seinen Betrieb aufnehmen. In Nürnberg wird ein Blockheizkraftwerk mit Brennstoffzellen errichtet, und auf den Münchener Messehallen das größte Solardach der Welt glänzen."Wenn alles nach Plan läuft", so Dieter Volk, Technikchef für die Verkehrsflugzeuge der Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa), "dann wird im Jahr 2000 auch "Cryoplane" fliegen, das erste Flugzeug mit Wasserstoff-Turbinen." Es ist das Kind einer deutsch-russischen Kooperation zwischen der Dasa und dem Flugzeugbauer Tupolev, die 1990 ins Leben gerufen wurde."Wasserstoff", so Graf von Stillfried, "ist eigentlich eine etablierte Technik". Doch einen Bereich gibt es, der dringend noch der Förderung bedarf, und dies sieht auch das BMBF so: die Entwicklung der Brennstoffzellen.War diese Zukunftstechnologie bislang auf den Einsatz in der Raumfahrt und in einigen Kraftwerken beschränkt, so haben inzwischen vor allem renommierte Autohersteller die Chance erkannt, umweltfreundliche Autos zu bauen. Am Montag dieser Woche stellten Forscher von Daimler-Benz in Stuttgart einen Bus mit wasserstoffbetriebener Brennstoffzelle vor, der eine Reichweite von 250 Kilometern hat. Ein solcher Bus könnte etwa im Jahr 2004 auf den Markt kommen, sagte der im Vorstand der Daimler-Benz AG für Forschung und Technik verantwortliche Klaus-Dieter Vöhringer bei der Vorstellung des Pilotfahrzeugs. Personenwagen, die mit Brennstoffzellen plus Elektromotor angetrieben sind, würden wegen der Platzprobleme noch einige Jahre später in Serie gehen.Bereits im vorigen Jahr hatten die Schwaben eine Brennstoffzelle soweit verkleinert, daß sie unter den Fahrzeugboden einer Großlimousine paßt. Die Zelle mit angeschlossenem Elektromotor nutzt den Wasserstoff etwa doppelt so effizient wie ein Auto, dessen Motor ihn direkt verbrennen würde. Eine Tankfüllung reicht für 250 Kilometer Fahrt und 50 Kilowatt beschleunigen das Fahrzeug auf 110 Kilometer pro Stunde.Mitte April hat Daimler sich mit 25 Prozent am kanadischen Brennstoffzellen-Pionier Ballard Power Systems beteiligt. Gemeinsam gründeten die Unternehmen eine Firma, um den ersten serienreifen Brennstoffzellenmotor der Welt zu entwikkeln.