In den achtziger Jahren zeigte das Fernsehen eine Zeichentrickserie, in der eine Schar verwegener Autofahrer ein Wettrennen veranstaltete. Einer, der durch allerlei fiese Tricks den anderen das Leben schwer zu machen suchte, trug den Namen "Dick Heimtücke". Es ist natürlich nur eine Laune der Natur, dass der Frankfurter Staatsanwalt Volker Rath mit seinem spitzen Gesicht und dem Bart physiognomisch jenem Dick Heimtücke ähnelt. Mit der Art aber, wie er Joschka Fischer während dessen Zeugenaussage im Opec-Prozess ins Messer laufen ließ, um einen Monat später ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnen zu können, hat sich Rath den Namen des Serienhelden als Spitznamen dann doch verdient. Wer am 16. Januar dieses Jahres im Saal 165 c des Frankfurter Landgerichts aufmerksam der Zeugenvernehmung des Bundesaußenministers folgte, stutzte bei der unvermittelt und zusammenhanglos gestellten Frage von Staatsanwalt Rath, ob die RAF-Sympathisantin Margrit Schiller mit Fischer die Wohnung in Frankfurt geteilt habe. Inzwischen weiß man, was diese Frage beabsichtigte: Es galt - wie Juristen sagen - "tatsächliche Anhaltspunkte" für eine Falschaussage zu erlangen - mit dem Ziel, ein Verfahren einleiten zu können. Rath besorgte diese Anhaltspunkte, indem er Joschka Fischer absichtlich Aussagen Dritter vorenthielt, die seiner Darstellung widersprachen. Der Zeuge hatte somit vor Gericht nicht die Chance, sich korrigieren zu können.Da liegt der Verdacht nahe, dass sich Staatsanwalt Volker Rath für eine politische Kampagne seiner CDU-geführten Landesregierung missbrauchen lässt. Unwillkürlich ist man daran erinnert, dass Hessens Ministerpräsident Roland Koch zu den Scharfmachern in der Debatte um Fischers Revoluzzer-Vergangenheit gehört. Zwar gibt es bislang keine tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Instrumentalisierung Raths, sein ungewöhnlicher, auf prominente Grünen-Politiker gerichteter Jagdeifer jedoch fällt auf - und lässt Zweifel an der für einen Staatsanwalt gebotenen Objektivität zu.Volker Rath ließ im September 1998 den Ex-Terroristen und Opec-Attentäter Hans-Joachim Klein in Frankreich festnehmen, obwohl er wusste, dass sich der Gesuchte kurz darauf freiwillig stellen wollte. Die CDU war entzückt und nutzte die Gelegenheit, drei Wochen vor der Bundestagswahl die Klein-Freunde Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit in die Nähe des Terrorismus zu rücken. Als die hessischen CDU-Politiker Roland Koch und Franz-Josef Jung dann Ermittlungen gegen Cohn-Bendit forderten, weil der den untergetauchten Ex-Terroristen viele Jahre unterstützt hatte, nahm Staatsanwalt Rath die Anregung eifrig auf. Sein Ansinnen, die Immunität des Grünen-Europaabgeordneten aufheben zu lassen, scheiterte jedoch kläglich. Jetzt versucht sich Rath also an Fischer. Experten prophezeien ihm ein ähnliches Fiasko, wie es der Ankläger im Opec-Prozess erleiden musste, als seine mühsam gezimmerte Beweisführung gegen einen der beiden Angeklagten zusammenbrach. Noch eine Parallele zum Comic-Rennfahrer also: Auch Dick Heimtücke blieb trotz aller Tricks stets der Erfolg versagt.