Rom - Die skandalgeplagte Vatikanbank hat erstmals in ihrer Geschichte einen Geschäftsbericht veröffentlicht. Das ist ein großer Schritt für ein Geldinstitut, das wegen fehlender Transparenz seit Jahrzehnten im Verdacht steht, mit undurchsichtigen Finanztransaktionen ein Hort der Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu sein – was dem Ruf der katholischen Kirche enormen Schaden zufügte.

Seit Dienstagmorgen ist der Rechenschaftsbericht des Instituts für die religiösen Werke (IOR), wie die Bank heißt, im Netz einsehbar. Just an diesem Tag kam in Rom auch erstmals das achtköpfige Kardinalsgremium zusammen, das Papst Franziskus berufen hat, Vorschläge für eine Reform der Kurie zu erarbeiten, die ebenfalls von Skandalen wie Vatileaks und von Intrigen belastet ist. Dass Franziskus auch das vatikanische Geldinstitut radikal umbauen will, wird allgemein erwartet. Zu diesem Zweck hatte er im Juni eine Kommission eingesetzt, die das Verhalten der Bank untersuchen soll.

„Bei der IOR arbeiten wir hart an unserem Teil des Reformprozesses“, sagte der Präsident der Vatikanbank, der Deutsche Ernst von Freyberg, am Dienstag. Die Zahlen des hundert Seiten umfassenden Geschäftsberichts, der von einer internationalen Prüfergesellschaft zertifiziert wurde, sind teils schon bekannt, etwa dass die Bank 2012 einen Rekordgewinn von 86,6 Millionen Euro erzielte, vier Mal so viel wie im Jahr zuvor. Sie steuerte 54,7 Millionen Euro zum Budget des Vatikans bei.

Irans Botschaftskonto geschlossen

Dieses Jahr werde der Gewinn wegen der Ausgaben für die Reform der Bank geringer ausfallen, so Freyberg. Das IOR verwaltet vor allem Konten von kirchlichen Institutionen und Geistlichen, im vergangenen Jahr waren es dem Bericht zufolge Einlagen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro. Allerdings haben nicht alle 19 000 Konteninhaber einen kirchlichen Hintergrund.

Seit Mai hat die Aufsichtsbehörde für die Vatikan-Finanzen (Aif) mit einer Überprüfung aller Bankkunden begonnen. Die Kontrolleure der auf Geldwäsche spezialisierten Beraterfirma Promontory haben vor allem verdächtige Kontenbewegungen im Blick, etwa wenn große Summen in bar ein- und ausgezahlt werden. Vergangene Woche verschickte die Vatikanbank die ersten 900 Briefe an Kunden, die aufgefordert werden, ihre Konten zu schließen.

Nach Angaben der Zeitung Corriere della Sera waren darunter Konten der Botschaften des Iran, des Irak und Indonesiens. Bereits 2012 war das Konto der syrischen Botschaft geschlossen worden. Der Aufsichtsbehörde Aif konnten die diplomatischen Vertretungen nicht ausreichend begründen, warum teils Summen in Höhe von einer halben Million Euro in bar abgehoben worden waren.

Ende des Jahres wird das Expertenkomitee des Europarats, Moneyval, das die Einhaltung internationaler Anti-Geldwäsche-Standards beim IOR angemahnt hatte, die Bank erneut überprüfen. Auch von ihrer Einschätzung wird wohl die weitere Zukunft des kirchlichen Geldinstituts abhängen.

Welche Reformen unterdessen die Kardinäle bei ihrem dreitägigen Treffen im Vatikan vorschlagen werden, davon wird vermutlich zunächst wenig nach außen dringen. Das Gremium, zu dem Vertreter aller Kontinente, darunter der Münchner Kardinal Reinhard Marx gehören, soll ab sofort eine dauerhafte Institution sein, wie Papst Franziskus im Vorfeld klar gemacht hat.

Der „Rat der Kardinäle“ werde ihm bei der Regierung der Weltkirche zur Seite stehen. Regiert der Papst also künftig nicht mehr alleine? Vatikan-Sprecher Federico Lombardi beantwortete die Frage klar: „Der Rat berät, der Papst entscheidet.“