Intel wegen Manipulationen im Visier von EU-Fahndern: Chiphersteller AMD spricht von Bestechung

BERLIN, 13. Juli. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Computer-Prozessoren, der US-Konzern Advanced Micro Devices (AMD), sieht sich durch das Vorgehen der EU-Kommission gegen den Konkurrenten Intel bestätigt. Die von EU-Fahndern durchgeführten Durchsuchungen von Intel-Büros zeigten, dass die Beweislage "stark sein muss", sagte AMD-Europa-Sprecher Jens Drews der Berliner Zeitung. "Wir haben der EU-Kommission viel Beweismaterial dafür geliefert, dass Intel den Markt blockiert", erklärte Drews. Der kalifornische Halbleiterhersteller wirft Intel vor, mit illegalen Praktiken dafür zu sorgen, dass Konkurrenten wie AMD kaum Chancen auf Großaufträge der Computer-Bauer haben. AMD spricht von Bestechung und Erpressung von Herstellern wie Dell, Hewlett-Packard (HP), Fujitsu-Siemens, Acer und Sony. Konkret geht es um so genannte x86-Prozessoren, die in allen PC mit Microsoft-Betriebssystemen verbaut werden.Europa-Büros durchsuchtIm Zuge eines EU-Wettbewerbsverfahrens gegen Intel waren am Dienstag europaweit Büros des weltgrößten Chipherstellers durchsucht worden - darunter auch die Deutschland-Zentrale von Intel bei München. Mitarbeiter der europäischen sowie nationaler Wettbewerbsbehörden seien an der Aktion beteiligt gewesen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Durchsucht wurden auch Büros von Computer-Herstellern und Vertriebsgesellschaften. "Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit dem laufenden Wettbewerbsverfahren", sagte der EU-Sprecher.Intel hatte am Stammsitz im kalifornischen Santa Clara die Durchsuchungen bestätigt und erklärt, der Konzern kooperiere mit den Behörden. Man habe sich nichts zu Schulden kommen lassen, so Intel. Im März hatte die EU-Kommission erklärt, sie ermittle gemeinsam mit japanischen Behörden gegen Intel. Japans Wettbewerbshüter haben Intel vor unfairen Geschäftspraktiken gewarnt. Sie werfen dem Unternehmen vor, den Wettbewerb auf Japans Chip-Markt zu unterdrücken.Eingriffe auch in deutschen MarktIm Juni hatte AMD eine Schadenersatzklage vor dem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Delaware eingereicht. In der Klageschrift werden Intel auch Eingriffe in den deutschen Markt vorgehalten. So beschuldigt AMD Intel, mit Spezialrabatten den Hersteller Fujitsu-Siemens dazu genötigt zu haben, Produkte mit AMD-Prozessoren kaum mehr zu bewerben. Massiv sind auch die Vorwürfe in Verbindung mit dem deutschen Einzelhandel. So soll Intel mit Werbebeihilfen dafür gesorgt haben, dass Europas größter PC-Verkäufer, die Metro-Tochter Media-Markt, ausschließlich PC mit Intel-Chips verkaufe. Bis zu 20 Millionen Dollar (16,7 Millionen Euro) erhalte Media-Markt jährlich von Intel, so AMD.In der Klage wird zudem geschildert, wie der Ex-Chef des später von HP gekauften PC-Herstellers Compaq, Michael Capellas, angeblich im Jahr 2000 genötigt wurde, AMD-Produkte nicht mehr zu verwenden. Intel soll Capellas gedroht haben, wichtige Prozessor-Chips für Netzwerk-Rechner nicht zu liefern, falls Compaq nicht den Verkauf von AMD-Produkten einstelle. Capellas habe daraufhin AMD mitgeteilt, es sei "eine Pistole auf seinen Kopf" gerichtet. Er könne deshalb keine AMD-Prozessoren mehr kaufen.Link zur US-Klageschrift von AMD: www.amd.com/breakfree------------------------------Grafik: Weltmarktanteile x86-PC-Prozessoren im Jahr 2004