Intershop-Gründer Stephan Schambach tritt als Vorstandschef zurück: Ende einer ostdeutschen Erfolgsgeschichte

Aktionäre, die von dem Management ihres Unternehmens maßlos enttäuscht sind, können ihren Unmut auf unterschiedliche Weise artikulieren. Sie können den Vorstand auf der Hauptversammlung lautstark als unfähig abkanzeln. Wenn sich dann trotzdem nichts ändert, trennen sie sich eben in Scharen von ihrem Investment und der Aktienkurs stürzt ins Bodenlose. Vielen am Anfang noch hochgelobten Börsenstars der so genannten New Economy erging es so. Auch dem Gründer der Jenaer Software-Schmiede Intershop, Stephan Schambach.Doch für Schambach sollte die Höchststrafe erst noch folgen: Am Montag trat der erst 32-Jährige nach elf Jahren als Vorstandschef von Intershop zurück. Er wolle sich künftig wieder auf die Produktentwicklung konzentrieren, hieß es. Und wie reagierten die Anleger auf die Nachricht? Sie brachen regelrecht in Jubelstürme aus und stürzten sich auf die Intershop-Aktie. Binnen Minuten schoss der Kurs des Papiers um fast 30 Prozent nach oben. Motto: Ohne Schambach kann es nur besser werden.Ausgerechnet Schambach, auf den sie in den Neuen Ländern so stolz gewesen waren, weil er eine Art ostdeutsche Antwort auf Microsoft-Gründer Bill Gates zu sein schien. Die Börse fand diese Story super-sexy: Neben EM.TV und Mobilcom wurde Intershop in den 90er-Jahren zur ganz großen Nummer am boomenden Neuen Markt. Doch das Charisma eines Thomas Haffa (EM.TV) oder eines Gerhard Schmid (Mobilcom) hatte Schambach nicht. Er blieb der schüchterne Tüftler. Daran konnte auch ein Rhetorik-Trainer nichts ändern, der ihn wenigstens dazu brachte, seinen starken Dialekt zu glätten und äußerlich etwas abzuspecken. Doch alle Versuche, sein in die Krise geratenes Unternehmen wieder auf Trab zu bringen, schlugen fehl. Ein ums andere Mal konnte Schambach sein Versprechen nicht einhalten, Intershop endlich in die Gewinnzone zu führen. Jetzt soll es der bisherige Finanzvorstand Jürgen Schöttler richten. Der ist immerhin promovierter Ökonom und hat angedeutet, dass schon bald ein finanzkräftiger Investor bei Intershop einsteigen könnte, um dem liquiditätsschwachen Unternehmen auf die Beine zu helfen.