Intertext mußte zum Neustart 850 Mitarbeiter entlassen: Für 5,5 Millionen Mark in die Selbständigkeit

Berlin. Das Berliner Übersetzungsunternehmen Intertext ist endgültig privatisiert. Von einst 1 000 Mitarbeitern sind 150 übriggeblieben. Für dieses Jahr rechnen die Dolmetscher mit einem deutlichen Wachstumsschub.Seit Mitte Dezember sind die Mitarbeiter von Intertext ihre eigenen Chefs. Der Weg in die unternehmerische Freiheit kostete die Genossenschaft 5,5 Millionen Mark. Zusätzlich bezahlt das Unternehmen 1,4 Millionen Mark für die Entschädigung entlassener Mitarbeiter.Seit 1962 dolmetschten die 1 000 Intertexter hauptsächlich für Regierung und Partei. "Damals haben wir fast nur aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt", erzählt Intertext-Vorstand Manfred Schmitz. "Durch den Zusammenbruch der DDR fielen plötzlich unsere wichtigsten Auftraggeber weg. Nach der Wiedervereinigung und der Neugründung des Unternehmens als eingetragene Genossenschaft mußten wir 850 Mitarbeiter entlassen." Diese Durststrecke hat Intertext inzwischen überwunden. Die Übersetzer betreiben acht Büros in den neuen Bundesländern. Neben 150 fest Angestellten beschäftigt Intertext mehrere hundert freie Mitarbeiter und schreibt seit Mai 1991 schwarze Zahlen.In den letzten Monaten geriet die positive Entwicklung ins Stocken. "1995 war für uns insgesamt ein eher schlechtes Jahr." Der Umsatz blieb knapp auf Vorjahreshöhe. Deshalb will das Unternehmen in Zukunft mehr Geld in die Werbung stecken und so seine Marktanteile ausbauen. Für 1996 rechnet der Intertext-Vorstand auch aufgrund der Privatisierung mit einem Umsatzwachstum von fünf bis zehn Prozent.Mittlerweile bietet Intertext Übersetzungen aus über 50 Sprachen an. "Englisch und Französisch spielen die Hauptrolle", berichtet Schmitz. "Aber auch der Russisch-Anteil wächst wieder." Allerdings unter veränderten Vorzeichen: "Heute übersetzen wir fast nur vom Deutschen ins Russische und nicht mehr umgekehrt", sagt Schmitz. +++