Investoren wollen 1999 mit dem Bau beginnen / Bürgerinitiative ist gegen die Kollhoff-Pläne: Die ersten Hochhäuser sollen in fünf Jahren stehen

Am Alexanderplatz wird der Bau der ersten Hochhäuser offensichtlich schneller beginnen als bislang erwartet. Vier Investoren wollen Anfang des kommenden Jahrtausends sechs 150 Meter hohe Türme errichten. Fünf davon werden an der sogenannten Alexandra-Allee, der verlängerten Karl-Marx-Allee zwischen Karl-Liebknecht- und Otto-Braun-Straße entstehen. 1999 sollen für die Projekte der Deutschen Interhotel (Forum Hotel), von Otmar Kehrer aus Bad Homburg (ehemaliges Haus des Reisens) und der Heinz-Grundstücksgesellschaft die ersten Arbeiten beginnen. Wie Bodo Fuhrmann, der die Investoren vertritt, sagt, werde als erstes die Alexandra-Allee umgebaut. Geplant ist eine schmalere Straße, in deren Mitte Zufahrten zu einer Tiefgarage mit etwa 1 000 Stellplätzen entstehen. Kabel und Leitungen werden umgelegt. Die Investoren haben für diese Arbeiten, die schon 1999 beginnen sollen, rund 130 Millionen Mark veranschlagt. Darin sind auch Kosten für Grünflächen, den Bau einer Kita sowie die Gestaltung des neuen Alexanderplatzes enthalten. Das Land Berlin sollen diese Umbauten keinen Pfennig kosten. "Wir wollen deshalb für diese Maßnahmen mit den Investoren bis zum Jahresende städtebauliche Verträge abschließen", sagt Hans-Georg Winthuis von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Schon seit fünf Jahren verfolgt der Senat die Hochhausplanungen. 1993 waren die Architekten Hans Kollhoff und Helga Timmermann mit ihrem Entwurf zum Alexanderplatz als Sieger aus einem Ideenwettbewerb hervorgegangen. Nach ihren Vorstellungen soll der Alexanderplatz von bis zu zehn Wolkenkratzern eingerahmt werden. In der Öffentlichkeit ist der Entwurf umstritten, da er die Entwicklung des Ostberliner Zentrums und seine DDR-Architektur nicht berücksichtige und es kein Verkehrskonzept für die Innenstadt gebe. Fuhrmann geht davon aus, daß der Straßenbau im Jahr 2000 fertig wird, so daß zwischen 2001 und 2004 die Hochhäuser errichtet werden können. Drei der fünf Türme an der Alexandra-Allee will die Intertec für die Deutsche Interhotel bauen. Die Kosten werden auf knapp eine Milliarde Mark geschätzt. In einen Turm soll ein Hotel einziehen, das etwa die Kapazität des heutigen Forumhotels hat.Die Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO plant ein Hochhaus an der Alexander-/Ecke Grunerstraße. Der Kauf des Grundstücks ziehe sich jedoch "schon sehr lange hin", so DEGEWO-Projektentwickler Michael Bolt. Wie an der Alexandra-Allee wolle man ab 2001 das Hochhaus bauen. Zuvor werde 1999 die Alexanderstraße auf zwei Spuren je Richtung eingeengt.Zwei Bürgerinitiativen versuchen indessen, die Anwohner gegen die Hochhauspläne zu mobilisieren. "Es gibt nur einzelne Investoren, die bauen wollen. Die Pläne Kollhoffs sind gescheitert", sagt Dirk Kaden von der Bürgerinitiative Alexanderplatz. Vom Senat fordere man den "Einstieg in den Ausstieg" von der Kollhoff-Planung, damit kein "Hochhaus-Torso" entstehe. Die Bebauungspläne für den Alexanderplatz liegen noch bis zum 6.Oktober in der Senatsbauverwaltung, Behrenstraße 42 in Mitte aus. Bürger können dort ihre Meinung zu den Hochhausplänen äußern.