HELLERSDORF Unterversorgt ist der nordöstliche Bereich des Bezirks Hellersdorf bislang mit Nahversorgungszentren. Da soll sich im nächsten halben Jahr grundlegend ändern.Lange Wege zurücklegen müssen die Hellersdorfs beiderseits der Leisniger und Louis Lewin-Straße bislang, wenn sie Brot, Gemüse oder Waschmittel besorgen wollen. Im Einzugsbereich des Gebiets gibt es kaum Einkaufsmöglichkeiten, stattdessen verrotten hier Investruinen. Bau- und Wirtschaftsstadtrat Bernd Mahlke (SPD) kann jetzt vermelden, daß zumindest an zwei Standorten neue Anbieter einziehen.So wird am 10. Oktober an der Louis Lewin- Ecke Albert Kuntz-Straße ein "Kauf- und Begegnungszentrum" der LBU Lausitzer Bauunternehmen GmbH eröffnet. Die Tochterfirma der Mannheimer SÜBA hat dafür einen zweistelligen Millionenbetrag investiert und bereits 65 Prozent der Ladenflächen vermietet.Das 8 000 Quadratmeter große LBU-Areal gruppiert sich um einen begrünten Innenhof, der von fünf zweigeschossigen Bauten umgeben ist. "Der Charakter der Einrichtung", wirbt Hans Kasper vom künftigen Center-Mangement in schönster Reklameprosa, "findet seinen Niederschlag in der Bezeichung KiezPoint." Soll heißen, daß hier nicht nur Konsum geboten wird, sondern, assistiert Mahlke, "familienfreundliches Einkaufen". Neben einem Frischemarkt (aus dem brandenburgischen Schmachtenhagen) und diversen Geschäften wie Blumenladen, Musikshop, Küchenstudio und Waschsalon werden ein Billard-Cafe, ein Bier-Pub und ein Bistro einziehen.Vor allem aber möchten die Betreiber dem Umfeld auch Kulturelles bieten, "events", sagt Gerd Bauer, künftig für Mieterbetreuung zuständig, dazu. Was genau das sein wird, steht noch nicht fest, doch werde berücksichtigt, so Kasper, "daß es im Kiez viele Kinder und Jugendliche gibt." Während sich Mahlke "Theaterstücke im Hof" vorstellen könnte, sucht Bauer die Zusammenarbeit mit Fremdenverkehrsverbänden aus Sachsen-Anhalt und der Lausitz.Weniger konkret sind die Vorstellungen der Firma "Grundwert", die auf dem Gelände einer ehemaligen Kaufhalle an der Leisniger Straße baut. Neben zwei SB-Märkten werden sich hier Geschäfte wie eine Apotheke, ein Reisebüro und eine Kneipe niederlassen. Außerdem baut der Investor rund 100 Parkplätze. "Die Eröffnung wird voraussichtlich im Frühjahr 1997 sein", sagt der Stadtrat, der mit rund 100 Arbeitsplätzen rechnet.In der Hinterhand hat Mahlke auch noch das Angebot eines Interessenten für die ehemalige Klubgaststätte "Kastanienhof" nahe des "Weiten Theaters". Die Charlottenburger "GbR Kastanienhof" will dort neben einer Gaststätte und einem Cafe auch eine Disco errichten, möglicherweise auch Büros und Praxen. Der Verkauf des rund 1 000 Quadratmeter großen Grundstücks hänge nur noch von der Klärung der Besitzverhältnisse an dem Gaststättenbau ab, an dem möglicherweise das "Leipziger Bauunternehmen in Liquidation" Ansprüche erheben könne. "Problematisch" sei wegen der umliegenden Wohnbebauung auch die vorgesehene Disco. Mahlke bezeichnete es als "erfolgreich", wenn eine Entscheidung noch 1996 fallen würde.Daß die neuen Konsumtempel in umsatzschädigenden Wettbewerb mit bereits bestehenden Einkaufszentren treten könnten, befüchten weder die Investoren noch der Stadtrat. "Wir haben uns bei der Mieterauswahl an Branchen orientiert, für die es im Bezirk eine Unterversorgung gibt", versichert Bauer. Mahlke räumt zwar ein, daß es im Bezirk "unterschiedliche Sichtweisen" zur Gewerbekonzentration gebe, kann aber im konkreten Fall "keine Kollision" von Geschäftsinteressen feststellen. +++