NAGANO, 8. Februar. Minutenlang war das Logo zu sehen. Als Juan Antonio Samaranch, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), während der Eröffnungsfeier vor einem TV-Publikum von drei Milliarden Menschen über den Weltfrieden fabulierte, präsentierte er den goldenen Schriftzug seines Ausrüsters auf der rechten Brust ­ genauso groß wie die olympischen Ringe, die ebenfalls seinen marineblauen Sponsorenmantel schmückten. Mizuno stand da geschrieben, mehrfach erschien auch das Logo der japanischen Firma auf dem Fernsehbild, ein schräg gehaltenes großes M. Mizuno ist der derzeit fünftgrößte Sportartikelproduzent der Welt, der sich für 16 Millionen Dollar in den Sponsorenpool des Organisationskomitees NAOC einkaufte.Man stattet 35 000 freiwillige Helfer, 800 NAOC-Angestellte und das IOC mit Winterklamotten aus. Schon bei den Sommerspielen 1996 in Atlanta war ein spektakulärer Erfolg gelungen: Mizuno-Athleten gewannen mehr Medaillen als Sportler jedes anderen Ausrüsters. "Trotzdem sind wir international noch nicht so bekannt", sagt Werbechef Jotaro Ueji. "Die Spiele bringen das M nun groß heraus, denn jeder sieht hin." Als erster posierte ausgerechnet Samaranch im Mizuno-Look. Dabei hatte das IOC erst im Dezember 1997 mit dem Weltverband der Sportartikelhersteller (WFSGI) einen strengen Marketingcode verabschiedet. Nun fragt Nike-Managerin Martha Benson: "Ich dachte, der Vertrag gilt für alle? Wir haben jedenfalls unsere Werbung eingeschränkt." Als Partner des Eishockey-Weltverbandes ist Nike in Nagano dank der NHL-Profis zwar gut im Geschäft, doch ansonsten hält sich der Marktführer ungewöhnlich bedeckt, mietete auch nur ein kleines, unscheinbares Hauptquartier in einem Autohaus an.Der olympische Marketingcode war von Samaranch, WFSGI-Präsident Stephen Rubin und den fünf größten Firmen (Nike, Adidas, Reebok, Mizuno, Asics) unterzeichnet worden. Danach darf nur derjenige mit olympischen Symbolen werben, der dafür bezahlt; das Verteilen von Werbebroschüren ist in den Stadien verboten; kein Athlet darf während der Spiele in Werbespots auftauchen. Zum Abkommen war es wegen zahlreicher Zwischenfälle bei vergangenen Spielen gekommen. Für Nagano also wurden nun erstmals härtere Bandagen angelegt. Um seinen Top-Sponsoren die Exklusivität zu wahren, hält das IOC in den Olympia-Arenen noch immer die Werbebanden frei. "Eigentlich", sagte gestern IOC-Vizepräsident Richard Pound, "sind wir auch dagegen, daß die Skiläufer und Snowboardfahrer ihre Bretter im Zielraum immer in die Höhe halten." Wie aber wollen die Olympier jetzt argumentieren, wenn doch ihr Vorturner solche Vorgaben gibt? Pound sagt: "Ich glaube nicht, daß Samaranch einen Fehler gemacht hat. Das Ausrüster-Logo war schon immer erlaubt." Zehn Quadratzentimeter auf der schmalen Brust des IOC-Chefs entsprächen "genau unseren Werberichtlinien", teilte Pound später mit. Ein kleines Stück Textil für einen Sportfunktionär ­ doch eine gigantische Werbebühne für die Weltwirtschaft.