BERLIN. Etwas schockiert war Ruprecht Polenz schon, als er sich vor Kurzem auf der Website "Nürnberg 2.0" wiederfand. Ein "Netzwerk demokratischer Widerstand" drohte dem CDU-Außenpolitiker dort mit einem zweiten Kriegsverbrecherprozess. Der Grund: Polenz hatte den Rechtspopulisten Geert Wilders kritisiert und kundgetan, dass er sich einen EU-Beitritt der Türkei vorstellen könne.Schon länger wachse die rechtsextremistische und antiislamische Hetze im Internet, sagte Polenz am Donnerstag. Angesichts kursierender Aufrufe zur Gewalt verstehe er nicht, dass der Verfassungsschutz solche Seiten nicht beobachte, so der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.Am Mittwoch hatte die Berliner Zeitung nun auch aus Dokumenten zitiert, die eine Vernetzung der islamfeindlichen Szene mit rechtsextremen Gruppen im In- und Ausland belegen. Ein Glied in dieser Kette ist der Weblog "Politically Incorrect" (PI), der tatsächlich eine Organisation mit Ortsgruppen in ganz Deutschland ist. "Das rechtfertigt eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz nicht nur, es macht sie erforderlich", sagt Polenz. "Wenn die Behörden ihre Maßstäbe aus der Überwachung islamistischer Webseiten darauf übertragen, müssten sie PI schon lange beobachten."Dass die PI-Betreiber versuchen, auch zur Union Kontakt aufzunehmen, könne er sich zwar vorstellen. Er warne aber davor, sich darauf einzulassen. "PI Interviews zu geben oder auf ihren Veranstaltungen aufzutreten, würde eine Grenze überschreiten, die ich als Demokrat zu dieser Szene ziehen würde."Das sehen offenbar nicht alle seine Fraktionskollegen so. Zum Beispiel Wolfgang Bosbach. Der CDU-Politiker und Vorsitzende des Innenausschusses pflegt bis heute Kontakt zu PI, wie E-Mails und Briefe belegen, die der FR vorliegen. Als das "PI-Team" ihn fragte, ob er ein "Interview zum Thema Islam/Integration" geben könne, antworte Bosbach am 25. Mai 2010, er sei dazu "gern bereit". Anschließend bat er um Zusendung der Fragen. Die erschienen ihm dann zwar so wirr und provokativ, dass er ein Interview "dankend" ablehnte. Was ihn aber von künftigen Kontakten mit PI nicht abhielt.Im Gegenteil: Als die PI-Ortsgruppe Bonn den CDU-Mann am 27. Juli 2011 - kurz nach dem Utoya-Attentat, als eine Überwachung von PI bereits debattiert wurde - zu einem ihrer Treffen einlud, sagte Bosbach allein aus Zeitgründen ab. In der Sitzungswoche des Bundestages herrsche "strenge Präsenzpflicht hier in Berlin, so dass ich leider nicht zeitgleich" bei PI sein könne. Vielleicht deshalb glauben die Islamfeinde, dass Bosbach einer derjenigen ist, "die noch auf unserer Seite sind", wie aus einer Mail hervorgeht.Bosbach selbst sagte der FR, er kenne zwar PI, aber keine Ortsgruppe. Er könne sich aufgrund der Vielzahl an Anfragen nicht an jeden Schriftwechsel erinnern.Einem anderen CDU-Mann könnten Kontakte zu PI zum Verhängnis werden. Der Geschäftsführer der Seniorenunion, Dirk Hülsenbeck, hatte PI im Mai eine Kooperation angeboten. Der Vorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, sagte der FR: "Wer eine andere Meinung vertritt als Respekt vor anderen Religionen zu haben, hat in der Senioren-Union nichts zu suchen."------------------------------"PI Interviews zu geben, würde eine Grenze überschreiten, die ich als Demokrat zu dieser Szene ziehen würde." Ruprecht Polenz (CDU)