Herr Bade, was hat die Islamkonferenz gebracht?Die Akzeptanz unterschiedlicher Standpunkte, die Einsicht in die Vielseitigkeit des Islam und vor allem, dass der Islam Teil unserer Gesellschaft ist.Das Ergebnis für drei Jahre gemeinsamen Gesprächs ist aber ein wenig dürftig, oder?Nein, der wichtigste konkrete Schritt ist der Islamunterricht. Ob nun als klassischer Religionsunterricht oder als neutrale Islamkunde, das müssen die Bundesländer entscheiden. Und die Muslime haben gelernt, dass sie sich im Sinne des Grundgesetzes organisieren müssen, wenn sie als Religionsgemeinschaft anerkannt werden wollen.Bei den vielen Strömungen im Islam kann das doch gar nicht gelingen.Dann müssen sich eben einzelne Strömungen vereinen. Wer die Anerkennung will, muss die Voraussetzung erfüllen.Muss die Islamkonferenz fortgeführt werden?Ja, aber anders. Wir wissen heute, dass sich nicht alle Muslime in Deutschland in erster Linie als Muslime verstehen. In der Konferenz waren vor allem die organisierten frommen Muslime vertreten. Das ist aber kein Spiegel der gesellschaftlichen Realität. Dort geht es in der Mehrheit um Einwanderer, die unter anderem auch Muslime sind, genauso wie ich unter anderem auch Protestant bin.Ist der Islam ein Integrationshindernis?Nein. Die Behauptung, der Islam ist nicht integrierbar, ist Quatsch. Man kann nicht dauernd einzelne Stellen aus dem Koran zitieren, in denen es zum Beispiel um Gewalt geht und dann von den Muslimen eine Rechtfertigung oder Distanzierung verlangen. Die Muslime halten uns ja auch nicht dauernd das Alte Testament und die Kreuzzüge vor. Dazwischen liegt für uns heute der Weg zum geordneten Nebeneinander von Staat und Kirche. Diesen Weg hat der Islam noch vor sich. Aber er hat sich in den Köpfen vieler Muslime längst vollzogen. Sie sind sozusagen säkular ohne Säkularisation.Was muss sich bei der Mehrheitsgesellschaft ändern?Die Bereitschaft zur Akzeptanz. Der Islam ist Teil der Identität meines Nachbarn. Aber in erster Linie ist er mein Nachbar.Das Gespräch führte Tobias Miller.------------------------------Foto: Professor Klaus J. Bade, Migrationsforscher und Teilnehmer der Islamkonferenz