MÜNCHEN. Die Geschichte des Ismail Bhamjee erinnert ein wenig an den Bestechungsskandal im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Denn damals, im Winter 1998/99, wurden vor allem afrikanische Mitglieder ausgeschlossen - die wirklich großen Fälle aber wurden nicht aufgeklärt. Ismail Bhamjee aus Botswana ist wahrscheinlich das ärmste Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, doch immerhin wird sein Ehrenamt im Fußball-Weltverband mit 100 000 Dollar pro Jahr und zusätzlichen 500 Dollar Tagesgage fürstlich entlohnt. Damit sollte er in seiner Heimat eigentlich gut auskommen.Der 62 Jahre alte Ismail Bhamjee aber hat dennoch Geschäfte mit jenem Gut gemacht, das derzeit heiß begehrt ist: mit Tickets für diese Fußball-Weltmeisterschaft. Und deshalb wurde er vom Dringlichkeitskomitee des Weltverbandes Fifa, das selbstverständlich auch von Präsident Joseph Blatter geleitet wird, aufgefordert, Deutschland sofort zu verlassen.In einer Pressemitteilung gab die Fifa am Sonnabend eine von Bhamjee unterzeichnete Erklärung wieder: "Ich, Ismail Bhamjee, Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, bestätige hiermit die Tatsache, dass ich zwölf Karten der Kategorie 1 für das Spiel England - Trinidad und Tobago der Fifa WM 2006 TM (ausgetragen am 15. Juni in Nürnberg) für EUR 300 pro Ticket verkauft habe, das heißt, EUR 200 über dem Nennwert von EUR 100. Ich bedauere diese Handlung zutiefst und entschuldige mich bei der Fifa für diese Verletzung der Bestimmungen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die für den Verkauf von Eintrittskarten für die Fifa WM 2006TM gelten."Die Bhamjee-Story hat das englische Boulevardblatt The Mail on Sunday enthüllt. Einem Undercover-Reporter hatte Bhamjee auch 20 Tickets für das letzte Gruppenspiel der Engländer gegen Schweden versprochen, zunächst für 600 Euro, später für 1 000 Euro pro Karte. "Sie brauchen im Stadion keine Pässe vorzuzeigen, sagen Sie nur, Sie hätten die Tickets bei der Fifa gekauft", hatte Bhamjee empfohlen.Es ist nicht das erste Mal, dass ein Fifa-Exekutivler mit WM-Tickets handelt. Bei den Turnieren in Frankreich (1998) und Japan und Südkorea (2002) tauchten sogar Karten auf dem Schwarzmarkt auf, die auf die Namen von Offiziellen ausgestellt waren. Vor einem halben Jahr hat der Reporter Lasana Liburd aus Trinidad die millionenschweren Ticket-Geschäfte des Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner und seiner Firma Simpaul enthüllt. Bislang aber kamen Fifa-Funktionäre immer ungeschoren davon. Jack Warner ist zu wichtig für Präsident Blatter und zu einflussreich. Bei Ismail Bhamjee ist das anders.Natürlich ein EinzelfallBlatter bezeichnete sich als "schockiert" und sprach von einer "falschen Mentalität". Auch sein Sprecher Markus Siegler, der sonst noch jedes Vergehen schön redet oder negiert, äußerte sich arg empört - und sprach natürlich von einem "Einzelfall". Bhamjee kann von der Fifa-Führung problemlos fallen gelassen werden. Er hat keinen Einfluss und ist nicht mehr wichtig, er hat seine Schuldigkeit getan. Vor zweieinhalb Jahren noch hatte Blatters Getreuer Jerome Champagne, damals stellvertretender Fifa-Generalsekretär, ziemlich energisch für Bhamjee geworben, als dieser in Tunis afrikanischer Fußballpräsident werden wollte. Die Einmischung aus der Fifa-Zentrale kam aber nicht so gut an in Afrika, und Bhamjee unterlag mit 6:46 Stimmen desaströs dem Amtsinhaber Issa Hayatou aus Kamerun."Ich habe so etwas vorher nie getan. Ich bin ein Trottel", sagte Bhamjee der Mail on Sunday. Er werde den doppelten Betrag, den er in Deutschland mit dem Ticketgeschäft verdient hat, für wohltätige Zwecke spenden. Bhamjee wäre noch bis 2007 Fifa-Exekutivmitglied. Die afrikanische Konföderation Caf muss nun entscheiden, ob sie Bhamjee vorzeitig abzieht. Sollte die Fifa konsequent handeln, müsste sie Bhamjee eigentlich seine lebenslange Rente für die derzeit acht Jahre währende Mitgliedschaft im Exekutivkomitee streichen. Die Fifa hatte auf ihrem 56. Kongress vorvergangene Woche in München die Einrichtung einer angeblich unabhängigen Ethik-Kommission beschlossen. Ein entsprechender Ethik-Code muss allerdings erst noch erarbeitet werden.------------------------------Foto: Zur Abreise aufgefordert: Fifa-Exekutiv-Mitglied Ismail Bhamjee.