Die alten Bäume auf dem Grundstück, die repräsentative Villa - vieles auf dem Gelände der israelischen Botschaft sieht vermutlich heute noch so aus, wie es der jüdische Kommerzienrat Herrmann Schöndorff 1930 anlegen ließ. Die historische Villa an der Auguste-Viktoria-Straße, in der der israelische Botschafter Shimon Stein seit Anfang Januar mit seiner Frau lebt, hat eine Fassade aus hellem Muschelkalk, genauso wie das neue Botschaftsgebäude. Beide Häuser sind mit einer hohen Mauer aus Stein und Glas umgeben. Der Kommerzienrat, der gleichzeitig Vorstandsmitglied der Karstadt-AG war, hatte die Villa als Wohnhaus damals mitgeplant und zwischen 1930 und 1934 bauen lassen. 1934 musste er das Haus schon wieder verkaufen. Schöndorff emigrierte nach Paris. Der Schnitt der Villa, die direkt neben der Botschaft steht, eignet sich gut für die Aufgaben des Botschafterpaares. Im Erdgeschoss der Residenz liegen die repräsentativen Räume, in der offizielle Gäste empfangen werden. Im Obergeschoss der Villa befindet sich die private Wohnung. Der Staat Israel kaufte das Gelände an der Auguste-Viktoria-Straße im April 1998. Die damalige Eigentümer des Areals, die evangelische Kirche und das Diakonische Werk, hatten in den 60er-Jahren weitere Gebäude neben die historische Villa gebaut. Als sie nach Steglitz umzogen, verkauften sie dem Staat Israel das gesamte Grundstück. Alle Gebäude mit Ausnahme der Schöndorff-Villa wurden abgerissen. Seit Anfang dieses Jahres ist der rund 25 Millionen Mark teure Neubau fertig. Nach der Gründung Israels im Jahr 1948 nahmen die Bundesrepublik und Israel im Mai 1965 erstmals diplomatische Beziehungen auf. Im selben Jahr wurde in Bonn die israelische Botschaft eröffnet, dort blieb sie bis zum Regierungsumzug im Sommer 1999. Diplomatische Beziehungen hat es zwischen der DDR und Israel nie gegeben. Solange der Neubau an der Auguste-Viktoria-Straße noch errichtet wurde, arbeitete der damalige israelische Botschafter Avi Primor im bereits bestehenden Generalkonsulat an der Schinkelstraße in Wilmersdorf. Übergangsweise war das gemietete Haus gleichzeitig Botschaft und Generalkonsulat des Landes. Die alte Botschaft in Bonn diente weiterhin als Außenstelle. Nun ist der Neubau an der Auguste-Viktoria-Straße die einzige Botschaft des Landes in Deutschland. Sowohl das Haus in Bonn als auch jenes in der Schinkelstraße wurden aufgegeben. Das Generalkonsulat ist jetzt eine Abteilung innerhalb der Botschaft.Schüsse vor dem Generalkonsulat Das Generalkonsulat an der Schinkelstraße geriet vor mehr als zwei Jahren in die Schlagzeilen, als es zu tödlichen Schüssen vor dem Gebäude kam. Kurdische Demonstranten hatten am 17. Februar 1999 versucht, das Generalkonsulat zu stürmen. Daraufhin feuerten israelische Sicherheitskräfte Schüsse ab. Vier kurdische Demonstranten, darunter eine 18 Jahre alte Frau, wurden dabei erschossen.Die Kurden wollten gegen die Verhaftung des PKK-Führers Abdullah Öcalan protestierten. Öcalan war damals in Kenia festgenommen worden und es gab Spekulationen, dass der israelische Geheimdienst Mossad daran beteiligt gewesen sein soll. Wie es zu den Schüssen gekommen war, konnte nicht genau geklärt werden. Die beiden israelischen Schützen waren nach dem Vorfall nach Israel ausgeflogen worden.BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER Die Villa des jüdischen Kommerzienrates Schöndorff wurde saniert und zur Residenz des israelischen Botschafters umgebaut.