Italien: Grillo verstößt seine eigenen Abgeordneten

Rom - Schon wieder sind vier Abgeordnete aus der italienischen Protestbewegung Fünf Sterne ausgeschlossen worden. Sie hatten es gewagt, ihren Anführer zu kritisieren, den Ex-Kabarettisten Beppe Grillo. Der Rauswurf verstärkt den tiefen Riss in der Bewegung und schwächt ihre Position als drittstärkste Kraft im Parlament. Denn mindestens fünf bis zehn weitere Grillini-Abgeordnete wollen aus Protest freiwillig austreten. Folge könnte eine Kräfteverschiebung sein, von der Matteo Renzis neue Regierung profitiert.

Anlass für den Zwist bei den Fünf Sternen war ein polternd-peinlicher Auftritt Grillos bei den Sondierungsgesprächen zur Regierungsbildung vergangene Woche. Der 65-Jährige hatte ein Treffen mit Renzi kategorisch abgelehnt. Doch dann entschied eine knappe Mehrheit seiner Anhänger in einem Online-Votum, man solle sich zumindest anhören, was Renzi vorhat. Grillo, ein Verfechter der Internet-Basisdemokratie, beugte sich und erschien schlecht gelaunt im Amtssitz des Ministerpräsidenten.

Beim Treffen mit Renzi ging er sofort zum Angriff über. Er ließ den Sozialdemokraten nicht zu Wort kommen, überhäufte ihn mit Provokationen und Beleidigungen. Alles wurde live im Internet übertragen, darauf hatten die Fünf Sterne bestanden. „Ich bin gekommen, um dir mitzuteilen, dass wir völlige Verachtung empfinden für das, was du repräsentierst“, brüllte Grillo. „Du bist nicht glaubwürdig, du bist ein Vertreter der Industriellen, du bist nicht jung, sondern alt.“ Sollte Renzi gehofft haben, Unterstützung für einige seiner Pläne zu finden, so wurde er eines anderen belehrt. Renzi beendete das Treffen. Anschließend sagte Grillo: „Ich bin nicht daran interessiert, demokratisch in Dialog zu treten mit einem System, das ich abschaffen will.“

Potenzial für eine eigene Fraktion

Die ausgeschlossenen Senatoren hatten Grillo öffentlich kritisiert. Von ihren Abgeordnetenkollegen wurden sie am Mittwoch zunächst zur Rede gestellt. Die Basis entschied online: 30 000 Mitglieder waren für den Ausschluss, 13 000 dagegen. Grillo sieht die Bewegung geeinter denn je. Aber nicht wenige Abgeordnete sind schockiert. „Das ist wie Inquisition“, sagte die Fünf-Sterne-Senatorin Alessandra Bencini und kündigte ihren Rücktritt an.

Von den einst 161 Grillo-Abgeordneten sind 13 ausgeschieden, bis zu zehn weitere könnten es werden – und im Senat, wo Renzis Bündnis nur eine knappe Mehrheit hat, eine eigene Fraktion bilden. Gingen sie mit der kleinen linken Partei SEL zusammen, könnten sie gar in Renzis Koalition die Mitte-Rechts-Partei des Berlusconi-Zöglings Alfano ersetzen.