Das Leben unserer Vorfahren war hart, aber letztlich einfach. Man war Jäger oder Sammler, kleidete sich in Felle und gewann die Frauen durch einen beherzten Schlag auf den Kopf. Na ja, so will es die Legende. In eine Art Legende gehört auch der Baum der Erkenntnis, Symbol des menschlichen Strebens nach mehr Weisheit. Nicht immer sind es die Klügsten, die davon naschen. In "Year One" ist es der Jäger Zed (Jack Black), der den sträflichen Fehler begeht; alsbald sieht er sich mit seinem Sammlerfreund Oh (Michael Cera) vom Stamm verstoßen. Schlauer ist er auch nicht geworden, er glaubt es bloß. Intelligenz ist in den folgenden Abenteuern aber auch nicht unbedingt vonnöten.Ein wenig Bibelwissen allerdings macht die Sache lustiger. Von der Steinzeit geht es hier nämlich direkt ins Alte Testament. Auf dem Feld hinter den Bergen begegnen die paläolithischen Hanswurste dann Kain und Abel, die sich mal wieder ordentlich zoffen. Vor einem opferwütigen Zausel namens Abraham fliehen sie nach Sodom. Das ist so etwas wie das Berlin der damaligen Zeit, ein sündiges Wochenendvergnügen für Streuner aus dem gottesfürchtigen Umland. Ständig werden in dieser tollen Stadt Orgien gefeiert, angeblich will Gott sie dafür vernichten. Leider sind Zed und Oh mittlerweile Sklaven mit wenig Freizeit, das Laster muss also warten. Es gibt dann noch weitere Probleme mit dem Hohepriester und anderen Sodomiten, aber das Konzept sollte nun ungefähr klar sein.Ist es aber nicht. Regisseur Harold Ramis hätte seinen bekloppten Streifzug durchs Heilige Land einfach fortführen sollen, weiter zu David und Goliath und dann nichts wie los nach Ägypterland. "Year One" lässt sich nämlich gut an. Geredet wird in einer witzigen Mischung aus moderner Sprache und antikisierendem Kauderwelsch ("Aus welchen Gefilden kömmet ihr?"); wir erfahren unter anderem die Hintergründe des Nahostkonflikts ("Gott gab das Land den Juden, hat aber leider sonst niemandem Bescheid gesagt"). Der gelehrsame Zeitreise-Klamauk von Mel Brooks oder den Monty Pythons stand unverkennbar Pate. In Sodom allerdings will sich nichts mehr bewegen. Dabei ist das Rad - Zed und Oh staunen nicht schlecht - längst erfunden.Von Produzent Judd Apatow sagt man, er habe mit Filmen wie "Beim ersten Mal" die Komödie neu erfunden. Dasselbe gelang Harold Ramis in den 1980ern, gemeinsam mit John Landis und den Jungs von "Saturday Night Live". Als Schauspieler war Ramis einer der drei Ghostbusters, mit "Caddyshack" sowie "Und täglich grüßt das Murmeltier" dirigierte er Klassiker. Apatow, zuletzt eher erfolglos, muss ihm eingeredet haben, er sei ein Neandertaler aus der Humor-Steinzeit. In Sodoms Mauern jedenfalls führt sein derberes Komik-Verständnis Regie. So fließt dem sensiblen Michael Cera ("Juno"), kopfüber aufgehängt, der eigene Urin übers Gesicht. Jack Black macht nicht mehr als gute Miene zum lauen Spiel, leider hat sich sein Grinsen seit schon ein paar Filmen nicht weiterentwickelt. Alles in allem ist "Year One" ein Film für bibelfeste Teenager oder entwicklungsgestörte Gymnasiasten von vorgestern. Ist wenigstens letztere Gruppe groß genug, folgt mit Sicherheit bald "Year Two".Year One - Aller Anfang ist schwer (Year One) USA 2009. Regie: Harold Ramis, Drehbuch: Harold Ramis, Gene Stupnitsky, Lee Eisenberg, Kamera: Alar Kivilo, Darsteller: Jack Black, Michael Cera, Oliver Platt, David Cross, Hank Azaria, Olivia Wilde u. a.; 98 Minuten, Farbe. FSK ab 12 Jahre.------------------------------Foto: Zed (Black) und Oh (Cera) finden: Hier hatte jemand keinen Humor.