Ultra Union" ist an die Wand gesprüht, die Farbe ist schon lange verblasst. Das Wohnhochhaus an der Hellersdorfer Straße 171 steht seit zwölf Jahren leer, genauso wie sein Pendant, die Nummer 173. Seit Ende der 80er-Jahre bis 1998 dienten die jeweils 55 Wohnungen mangels Gewerberäumen im Neubaubezirk als Büros. Dort saßen die Stadträte des früheren Bezirks Hellersdorf und ihre Mitarbeiter, bis das Rathaus am Alice-Salomon-Platz fertig war. Als sie auszogen, fand sich kein Nachmieter. Nur im Jahr 2002 wurden die Häuser noch einmal genutzt - als Kunstprojekt mit dem russischen Namen "Dostoprimetschatjelnosti" (Sehenswürdigkeiten). 50 junge Künstler zogen für drei Monate in die "Platte".Danach verkamen die Hochhäuser völlig. "Twin Towers" wurden sie bald im Bezirk genannt, nach dem Beispiel der am 11. September 2001 bei einem Terrorakt in New York zerstörten Türme des World Trade Centers. Doch die Zerstörung der Hellersdorfer Türme erfolgte nicht durch Terroranschläge, sondern durch den Zahn der Zeit. Jahrelanges Nichtstun reichte.Inzwischen stehen Gerüste, Bauarbeiter machen sich dort zu schaffen. Das erste der Gebäude hat schon neue Fenster, beim anderen sind die alten ausgebaut. Die Häuser werden durch die Bulut KG saniert, die Rhin KG wird sie verwalten. Bisher ist man bei beiden Firmen, die mit der Rhinstraße 42 die gleiche Adresse haben, wenig auskunftsfreudig. Seniorengerechte Wohnungen würden entstehen, Grundrisse dafür verändert, heißt es. Wie teuer das Projekt ist und wie viel die Miete kosten wird, darüber hüllen sich die Firmen in Schweigen. Auch darüber, wann die Bauarbeiten abgeschlossen werden.Trotzdem ist man im Bezirksamt glücklich: "Wir sind schon froh, dass einer sagt, die Häuser bleiben und werden saniert", sagt Norbert Lüdtke (Linke), Stadtrat für ökologische Stadtentwicklung. Denn die Türme stellten eine Landmarke in Hellersdorf dar. "Sie sind von überall her zu sehen." Dass die Plattenbauten so verkamen, ärgere auch ihn: "Doch wir konnten den Eigentümer nicht zur Sanierung zwingen."Die Häuser waren nach dem Auszug des Bezirksamtes von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land an die Münchner Baugesellschaft (Mübau) verkauft worden - wegen ihrer vorherigen Bürovermietung als Gewerbeimmobilien. Die Mübau wollte sie ursprünglich abreißen und Geschäfte bauen. Eine Gewerbenutzung aber erlaubte der Bezirk nicht. Deshalb gab es auch keine Fördermittel im Programm Stadtumbau Ost, ein Abriss wurde dem Unternehmen damit zu teuer. Inzwischen ist die Mübau in der Hamburger Immobiliengesellschaft Adler Real Estate AG aufgegangen. Die ungeliebten Hellersdorfer Türme hat sie danach verkauft.------------------------------Foto: Die Hellersdorfer Twin Towers sind eingerüstet, einer ganz, einer rückseitig.