Im Osten, da hat man ja nie Ost-Berlin gesagt, wenn man Berlin (Ost) meinte. Man hat einfach Berlin gesagt.Ist ja auch logisch, denn wer - wie zum Beispiel mein sympathischer und höchst auskunftsbereiter Ost-Kollege aus Aschersleben in Ost-Deutschland - sich zu Ost-Zeiten in die Hauptstadt der DDR aufmachte, der sagte schon deswegen nicht "Ich fahre nach Ost-Berlin", weil es sich ganz von selbst verstand, dass er nach Berlin (Ost) fuhr, denn nach West-Berlin (im Osten von den Kommunisten bekanntlich auch Westberlin genannt) konnte er als Ostler ja gar nicht fahren. Im Westen dagegen sagte man durchaus mal Ost-Berlin, parallel zum besonders in Westdeutschland üblichen West-Berlin, das offiziell "Berlin (West)" hieß.Warum diese kleine Exegese? Weil es Ost-Berlin wieder gibt! Und zwar bei Google Maps, jenem aus Stadtplänen und Satellitenfotos zusammengeschraubten Online-Kartenwerk des weltbeherrschenden Suchmaschinen-Konzerns Google, der so gerne Daten sammelt wie ansonsten nur Geheimdienste.Gibt man bei Google Maps "Ost-Berlin" ein, so erhält man eine ganz konkrete Fundstelle: Die Ortsmarke landet direkt am Schlossplatz, am Ufer der Spree beim Kupfergraben, ziemlich genau dort, wo einst das schwülstige Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal von Begas stand und künftig das Denkmal der Freiheit und Einheit Deutschlands stehen soll. Genau dort ist laut Google "Ost-Berlin", immer noch, schon wieder oder endlich mal. West-Berlin übrigens findet man nicht auf diese Art, die Suche bringt nur unklare Ergebnisse irgendwelcher West-Hotels. Wie es zu dieser Ortsbestimmtheit kam, war im Übrigen noch nicht recherchierbar: Der Google-Kartendienstleister Tele Atlas verweist auf Anfrage an Google. Und Google antwortet nicht.