TOKIO. Wenn es um das Aussprechen von Gefühlen geht, tun sich japanische Männer traditionell schwer. Doch das Machogehabe geht den Japanerinnen zunehmend gegen den Strich, was sich in der steigenden Zahl von Scheidungen widerspiegelt. Besonders Trennungen im mittleren Alter nehmen zu. Manche Männer wollen um das Eheglück kämpfen: Im Nationalen Teishu-Kampaku-Verein - frei übersetzt "Vereinigung der chauvinistischen Ehemänner" - lernen unterkühlte Typen, die Gattin mit Komplimenten zu umgarnen."Es tut mir leid, dass ich immer vergesse, den Toilettensitz herunterzuklappen", ruft ein Geschäftsmann mittleren Alters im Anzug seiner imaginären Frau zu. "Ich liebe dich, auch wenn ich es nicht sage", sagt ein Zweiter. Und dann skandieren 20 Männer: "Sag Danke, ohne zu zögern. Sag Entschuldigung, ohne Angst zu haben. Sag ,Ich liebe dich', ohne schüchtern zu sein."Gegründet wurde der Verein von Shuichi Amano. Die Idee kam dem Zeitschriften-Herausgeber 1999, als seine eigene Ehe nach 20 Jahren zu scheitern drohte. "Viele Ehemänner managen die Risiken im Berufsleben. Aber sie vernachlässigen die zu Hause", sagt der 55-Jährige. In Amanos Verein können sich Ehemänner austauschen und bei den öffentlichen Sitzungen Selbstvertrauen in ihre Schmeichelfähigkeiten gewinnen. So hat der 67-jährige Teruo Manabe gelernt, seiner Frau öffentlich Komplimente zu machen. "Wir als ältere Generation sollten mit gutem Vorbild vorangehen", sagt er. Der Verein hat inzwischen rund 4 000 Mitglieder.Keiner der Männer zwischen 20 und Ende 60 habe sich scheiden lassen, berichtet Amano. Und alle feilen weiter am Traumbild des perfekten Ehemanns. Die höchste Vollendung ist erreicht, wenn man ohne zu erröten "Ich liebe dich" sagen kann. Bis dahin sei er noch nicht einmal selbst vorgedrungen, sagt der Vereinschef. Aber er schaffe es immerhin, Hand in Hand mit seiner Frau spazieren zu gehen. (AFP)