FRANKFURT A. M. In der Regel steht "Pfandflasche" drauf. Was damit gemeint ist? Viele Konsumenten wissen es nicht. Jürgen Resch, Sprecher der Deutschen Umwelthilfe, verweist auf das "verheerende Ergebnis" einer aktuellen Umfrage: "Jeder zweite Verbraucher glaubt, er kaufe umweltfreundliche Mehrwegflaschen, wenn er Pfand bezahlen muss." Dabei handelt es sich um Wegwerf-Pullen. Resch fordert die Bundesregierung deshalb dazu auf, endlich das "Kennzeichnungs-Wirrwarr" zu beseitigen. Immerhin habe Schwarz-Gelb im Koalitionsvertrag festgelegt, das deutsche Mehrwegsystem zu schützen - vor allem mit einer gut erkennbaren Markierung der unterschiedlichen Gefäßtypen.Ab in den SchredderDie Bezeichnung "Pfandflasche" ist nicht eindeutig, wird von vielen Verbrauchern mit der Wiederverwendung der PET-Plastikflaschen in Verbindung gebracht. Für Flaschen mit besagter Aufschrift wird aber das Einwegpfand erhoben, sie kommen nach einmaliger Benutzung in den Schredder. Das Material lässt sich einschmelzen, zum Teil werden daraus wieder Flaschen gemacht, zum Teil sind sie der Grundstoff beispielsweise für Fleece-Pullover. Mehrwegflaschen aus Plastik werden zwar auch irgendwann zerkleinert, zuvor werden sie aber bis zu 15 Mal wiedergefüllt, erläutert Roland Demleitner. Genau dies bringe den Vorteil für die Umwelt und den Klimaschutz, so der Geschäftsführer des Verbandes Privater Brauereien. Noch viel stärker kommt dieser Faktor übrigens bei Glasflaschen zum Tragen, denn bei denen sind bis zu 50 Umläufe möglich.Es hapert bei der Kennzeichnung. Viele Mineralbrunnen etwa verwenden zwar ein rundes Mehrweg-Logo, doch das ist nicht bindend. Coca-Cola beispielsweise verzichtet darauf, auf der Rückseite der Etiketten steht stattdessen in kleiner Schrift: "Mehrwegflasche - Pfand zurück". Bei den Einweg-Gefäßen wird zwar das Logo der Deutschen Pfandsysteme (stilisierte Flasche und Dose und gekrümmter Pfeil) verwendet. "Doch viele Konsumenten wissen gar nicht, was es bedeutet", so Demleitner, der die gegenwärtige Praxis als "bewusste Täuschung der Konsumenten" bezeichnet.Und was macht die Politik? "In der Theorie bekennt sich die Bundesregierung nach wie vor zu Mehrweg", erläutert Resch. Praktisch fehle seit Jahren der Mut für "effektive Kennzeichnungsregeln". Dem Bundesumweltministerium muss man aber zugute halten, dass es einen Entwurf für eine Kennzeichnung schon auf den Weg gebracht hat. Eine Art Minimallösung: Ressortchef Norbert Röttgen (CDU) plante, dass die Getränkehersteller zumindest entweder "Einweg" oder "Mehrweg" bindend auf Flaschen und Dosen aufdrucken müssen. Doch der EU-Kommission gefällt das nicht. Sie sieht darin Handelshemmnisse für den europäischen Binnenmarkt - da Importeure für den deutschen Markt spezielle Etiketten machen müssten. "Wir sind in Gesprächen mit der Kommission", erläutert ein Sprecher des Ministeriums. Mehr könne man dazu im Moment nicht sagen.Demleitner weist indes darauf hin, dass es vor Jahren aus Brüssel auch schon Einwände gegen die Einwegpfand-Regelung generell gab. Das eingeleitete anschließende Vertragsverletzungsverfahren wurde aber eingestellt - der Nutzen für die Umwelt wurde höher eingeschätzt als vermeintliche Handelshemmnisse. Deshalb sieht Demleitner gute Chancen, die Bedenken der EU abermals zu zerstreuen. Aus Regierungskreisen heißt es indes, diesmal handele es sich um merklich schwerer wiegende Argumente der Brüsseler Behörde.15 statt 25 CentInzwischen wird in der Bundesregierung deshalb darüber nachgedacht, dass die Kennzeichnung nicht mehr auf dem Gefäß selbst, sondern nur noch am Verkaufsregal erfolgen soll. Für Demleitner käme das einer "Bankrotterklärung" der Politik gleich. Resch und Clemens Stroetmann, Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg, fordern denn auch neben dem Einweg-Mehrweg-Aufdruck Informationen darüber "wie viel der jeweilige Pfandwert ausmacht, wie dies in den USA üblich ist". Denn vielen deutschen Konsumenten sei auch nicht bekannt, dass sie für Mehrweg nur 15Cent, für Einweg aber 25 Cent pro Flasche zahlen müssen.------------------------------Unübersichtliche RegelungDie Verwirrung beim Einwegpfand hat viel mit den komplizierten Regelungen zu tun, die es seit 2003 gibt. Sie gelten für Dosen, Glas- und PET-Plastikflaschen. Seit Mai 2006 müssen Geschäfte, die Einwegpfand-Verpackungen in Umlauf bringen, die Gefäße der jeweiligen Materialart auch wieder zurücknehmen. Das Pfand beträgt 25 Cent.Die Pfandpflicht besteht für Mineral- und Tafelwasser, Bier- und Biermischgetränke, Cola, Limonade, Fruchtsaftmischungen mit Mineralwasser, Energy-Drinks, Tee- und Kaffegetränke und alkoholhaltige Mischgetränke. Ausgenommen sind Frucht- und Gemüsesäfte, Wein und Spirituosen, Diätgetränke und Getränke, die mindestens zu 50 Prozent aus Milch bestehen.Zu erkennen sind die Einweg-Gefäße am Logo der Deutschen Pfandsysteme GmbH: Pfeil, stilisierte Dose und Flasche (oben). Für Mehrweg gibt es keine einheitliche Kennzeichnung. Der Arbeitskreis Mehrweg hat ein freiwilliges Logo (unten) entwickelt, das vor allem Mineralbrunnen verwenden.------------------------------Foto: Viele, viele bunte Flaschen: Wo Mineral- oder Tafelwasser oder Cola drin ist, muss auch Pfand drauf sein.