BERLIN. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will stärker auf die Kompetenzen statt auf die Defizite von Arbeitslosen achten. Deshalb hat sie einen Modellversuch gestartet, zu dem eine Art Psycho-Test gehört. Die Gewerkschaften sehen darin durchaus Chancen. Gleichzeitig warnen sie jedoch vor einem Missbrauch der Erkenntnisse.Auffassungsgabe wird erfasstZiel des Programms "Kompetenzdiagnostik" sei es, künftig "stärker auf die Stärken als auf die Schwächen" von Arbeitslosen zu schauen, erklärte BA-Geschäftsführer Markus Schmitz. Damit gestand er indirekt er ein, dass Jobcenter und Arbeitsagenturen bisher zu sehr die Defizite der Leute ergründet haben. Jetzt, wo die Wirtschaft über Arbeitskräfte-Knappheit klagt, will die Behörde umsteuern: Angesichts eines steigenden Fachkräftebedarfs und der wichtiger werdenden Schlüsselqualifikationen sei es entscheidend, "die Ressourcen der Kunden bestmöglich zu erkennen und zu fördern", heißt es aus der BA.Der Modellversuch sieht dazu mehrere Tests vor: Die Arbeitslosen können zunächst einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie selbst ihr Sozialverhalten einschätzen. Eine Frage lautet etwa: "Wenn ich der Meinung bin, dass ich recht habe, fällt es mir schwer, mich der Teamentscheidung unterzuordnen." In einem zweiten Test geht es um ihre Auffassungsgabe. Schließlich können die Jobsuchenden ein Assessment-Center besuchen, in dem ebenfalls ihre soziale und kommunikative Kompetenz erkundet werden soll. Ausgewertet werden die Ergebnisse von den Vermittlern und dem psychologischen Dienst der BA.Das Programm läuft zurzeit in Augsburg, Hagen und Merseburg. Mitmachen können Hartz-IV-Empfänger ebenso wie Arbeitslosengeld-I-Bezieher. Die Teilnahme ist freiwillig. Auf Drängen der Gewerkschaften sei der Modellversuch bis zum Herbst verlängert worden, sagte DGB-Arbeitsmarkt-Experte Wilhelm Adamy. So viel Zeit ist aus seiner Sicht nötig, um die Ergebnisse vernünftig auszuwerten. Erst danach soll der DGB-Verwaltungsrat entscheiden, ob das Programm bundesweit eingeführt wird.Es sei sinnvoll, die Kompetenzen und Talente der Jobsuchenden besser zu erfassen, betonte Adamy. Die Tests "dürfen aber nicht zu einer Selektion führen". Wenn beispielsweise die Tester zu der Einschätzung kommen, dass ein Arbeitsloser eine Weiterbildung vermutlich nicht durchhält, dann dürfe man ihn nicht links liegen lassen. Vielmehr müssten die Vermittler andere Möglichkeiten für ihn suchen. Zudem müsse man aufpassen, dass die Daten nicht in falsche Hände geraten. Unklar sei auch, ob man mit den Tests überhaupt aussagefähige Erkenntnisse gewinnen könne.Die Arbeitgeber finden die Idee im Prinzip richtig, mehr auf die Stärken der Arbeitslosen zu achten. "Wir setzen uns seit langem dafür ein, von dem Defizit-Ansatz wegzukommen", so Alexander Wilhelm, Arbeitsmarkt-Experte der Arbeitgebervereinigung BDA. Doch eine gründliche Evaluation sei nötig: "Wir müssen genau prüfen, ob das Instrument funktioniert."Wenn in dem Programm hauptsächlich Persönlichkeitsvariablen und nicht harte Tatsachen erfasst würden, dann sei es unerlässlich, an der Freiwilligkeit festzuhalten, so der Arbeitsmarktforscher Matthias Knuth von der Uni Duisburg-Essen. Nur so sei damit zu rechnen, dass die Tests auf Akzeptanz stoßen. Bei der BA heißt es dazu: Ob es bei einer bundesweiten Einführung des Programms bei der Freiwilligkeit bleibe, sei noch nicht entschieden.------------------------------Foto: Vermittlung: Die Stärken von Arbeitslosen sollen besser ausgelotet werden.