Am Ende schwang Wehmut mit. Die "Toten Hosen" mit ihrem "Zehn kleine Jägermeister" lieferten die Begleitmusik zu einem Abschied, der den 6 000 Zuschauern und den Motorrad-Artisten nahe ging. "Es ist immer schade, wenn eine Veranstaltung ausschert. Um die Deutschlandhalle tut es mir besonders leid, denn hier herrschte eine einmalige Atmosphäre, hier feierte ich meine größten Erfolge." Jochen Jasinski, der letzte Sieger des traditionellen ADAC-Hallencross an alter Stätte, lieferte sich hier sieben Jahre lang packende Duelle mit Kontrahenten wie Claus "Manne" Nielsen oder "Mad" Mike Jones. So richtig glauben konnte es der 26jährige aus Hadamar nicht, daß dies die letzte Veranstaltung in der Deutschlandhalle gewesen sein soll. "Ich glaube nicht, daß in der neuen Halle (vermutlich das Velodrom - d. A.) eine derartig tolle Stimmung aufkommt."Jochen Jasinski, in Motorradkreisen wegen seiner Initialen nur "Jay-Jay" gerufen, bezeichnet sich selbst als echter Deutschlandhallen-Fan. Die einzige Holzpiste - in anderen Städten wird ausschließlich auf Sand gefahren - stellte besondere Anforderungen an das fahrerische Können, die 40 PS sorgen schon für eine enorme Beschleunigung. "Auf Holz ist es rutschiger, da braucht man ein gutes Fahrgefühl." Der 26jährige sorgt schon für etliche Verwirrung mit seinen Daten: Herkunftsort ist Hadamar (in der Nähe von Frankfurt/Main), Heimatklub der sächsisch-anhaltinische MC Teutschenthal, Lizenzgeber die Schweiz. "Ich fahre mit der Schweizer Lizenz, weil ich beim Schweizer Yamaha-Importeur unter Vertrag stehe", so die Erklärung.Diese Yamaha-Vertretung sorgt dafür, daß der ausgebildete Zweiradmechaniker sich ganz dem Motorradsport widmen kann, ohne allerdings Unsummen zu verdienen. "Man kommt so über die Runden", lautet die ausweichende Antwort von Jasinski, dessen Vater als Besitzer einer Baufirma noch einiges zusteuert. Die Hallencross-Serie empfindet der großgewachsene Jochen als angenehme Abwechslung. "Man hat ein paar Wettkämpfe, verdient auch etwas Geld." In Berlin waren es summa summarum 2 000 Mark. Dafür brachte "Jay-Jay" die Halle zum Kochen, als er im Finallauf zunächst nach dem Start stürzte, dann in einer tollen Aufholjagd über die Waschbretter und Sprunghügel den Amerikaner Mike Jones (Kawasaki) und den Briten Warren Edwards (Honda) noch auf die Plätze verwies. Von seinem Sieg war Jasinski selbst sehr überrascht. "Ich habe mich auf den Hallencross gar nicht vorbereitet, bin das Rennen aus dem vollen Training heraus gefahren", so "Jay-Jay", dessen Freundin mit nach Berlin gereist war. Denn derzeit zieht Jasinski im Reha-Zentrum Ebersbach im Odenwald das Konditionstraining für die Motocross-Freiluftsaison durch. "Mit Jürgen Wolf habe ich dort einen Trainer des Skiverbandes gefunden, der mich vorbereitet. Er hat herausgefunden, daß beim Motocross ähnliche Muskelpartien wie für den Skisport beansprucht werden." Krafttraining und kilometerlanges Laufen stehen derzeit auf dem Programm. "Jay-Jay" hofft, daß sich dies in dieser Motocross-Saison auszahlt. Denn im vorigen Jahr hatte er bei den WM-Läufen mit seiner 500-ccm-Yamaha viele technische Probleme, die nun gelöst sein sollen. "Motocross erfordert gleichzeitig Schnellkraft, Ausdauer und Reaktion. Das kann man alles erlernen. Nur das fahrerische Gefühl, das muß einem eigentlich in die Wiege gelegt worden sein." +++