Diesmal fehlte nur die Bierwerbung sonst war alles beim alten. Wie im letzten September in der Waldbühne begann Joe Cocker mit seiner Reggae-Light-Variante von Bob Marleys "Could You Be Loved". Obwohl er inzwischen kein neues Album herausgebracht hat, ist er schon wieder auf Tour. Gestern Libanon, morgen Neubrandenburg. Anfang der Siebziger war der naive Woodstock-Star schon einmal von Bühne zu Bühne gehetzt worden und hielt nach einer großen Amerika-Tournee ganze 852 Dollar in der Hand. Heute hat Cokker exzessives Touren nicht mehr nötig, seit Mitte der Achtziger arbeitet er in geordneten Verhältnissen und bringt ein Mainstream-Album nach dem andern heraus, jedes gut für ein, zwei Hits. Auf der letzten Platte "Across From Midnight" war es das "N Oubliez Jamais". Vielleicht kann Cocker mit dem Nichtstun einfach nichts anfangen.Sein Auftritt gleicht immer noch harter Arbeit. Der Mann, der mal Klempner gelernt hat und nebenher in den Kneipen Sheffields sang, legt nach dem ersten Song die Jacke ab, nach dem dritten zieht er die Ärmel ein Stückchen hoch. Bald darauf werden die Ärmel über den Ellenbogen gekrempelt jetzt geht es tief hinein ins Gefühlige, folgt die erste Ballade "Up Where We Belong". Der Soulklempner schraubt die Songs in einer etwas anderen Reihenfolge zusammen als im letzten Herbst. Ältere Titel wie "Feelin Alright", "Hitchcock Railway" wechseln mit jüngeren Nummern wie "Summer In The City". Als Cover-Künstler, der fremden Songs ein neues Leben einhaucht, ist er unerreicht. Die Verarbeitung stimmt: Seine Band arbeitet solide-unauffällig, nur die beiden Sängerinnen dürfen sich mit Soul-Einlagen hervortun. Cockers rauhe, manchmal gurgelnde Stimme hält das Ganze zusammen. Immer wieder baut er einen Schrei in die Songs ein, gibt damit eine Vorahnung auf den traditionellen Höhepunkt eines jeden Konzerts seit dreißig Jahren den Urschrei in dem Beatles-Song "With A Little Help From My Friends". Die Fans in der Parkbühne Wuhlheide feiern den Mann wie in jedem Konzert.