BERLIN. Vor ein paar Tagen trafen sich die alten Schweden in einem schicken Restaurant in Göteborg. Ulf Bengtsson, 1984 Tischtennis-Europameister und später Nationaltrainer, feierte seinen 50. Geburtstag. "Es ging hoch her", berichtet Jörgen Persson, 43, "das war eine große Party. Fast alle aus unserer goldenen Generation waren gekommen." Jan-Ove Waldner, 44, gehörte zur fröhlichen Feierrunde, auch Mikael Appelgren, der dreimalige Europameister, inzwischen 48 Jahre alt. Nur der baumlange und noch immer schlanke Jörgen Persson musste sich beim Getränkekonsum zurückhalten.Er ist der Einzige aus der Garde der Schweden, die in den Achtzigerjahren sogar lange die Chinesen beherrschten, der noch immer in der europäischen Spitze aktiv ist und mit den oft zwanzig Jahre jüngeren Konkurrenten mithalten kann. Persson schmettert an diesem Wochenende in Düsseldorf beim europäischen Top-12-Turnier. Es ist die 16. Teilnahme von Persson bei dieser exklusiven Konkurrenz, zu der immer nur die besten zwölf Spieler der aktuellen Europarangliste eine Einladung erhalten. Rechtshänder Persson kommt als Nummer sieben nach Düsseldorf, wo der Deutsche Timo Boll, 28, die Nummer eins, als großer Favorit gilt. Das Turnier ist mit 70 000 Euro dotiert, die Sieger bei den Männern und Frauen erhalten jeweils 9 000 Euro.Gegen drei ChinesenJörgen Persson ist mit beinahe 44 Jahren - er feiert im April Geburtstag - natürlich mit Abstand der älteste Starter. Noch immer aber verbreitet er mit seinem tückischen Vorhandtopspin und seinen harten Rückhandschüssen enormen Respekt. "So lange ich noch den Drang habe, gewinnen zu wollen, spiele ich weiter", sagt Persson, der 1991 auch Weltmeister war. 2008 bei Olympia in Peking bangten weltweit viele Fans mit ihm, als er als 42-Jähriger bis ins Halbfinale eingezogen war und sich dort allerdings drei übermächtigen Chinesen gegenüber sah. Zuerst verlor er gegen Wang Hao, der dann im Finale Ma Lin unterlag, dann verpasste der Schwede gegen Wang Liqin auch die Bronzemedaille.Täglich im KraftraumDas Erreichen des Viertelfinales in Düsseldorf gibt er nun als Ziel an, "Timo Boll ist der Favorit", sagt Persson, der zuletzt über leichte Muskelprobleme klagte. "Boll ist nur schwer zu schlagen, meine Bilanz gegen ihn ist nicht so gut."Jörgen Persson lebt in Halmstad. Dort trainiert er meist zwei Stunden am Tag. Er läuft viel und stählt seine Muskeln täglich im Kraftraum. "Über mein Alter denke ich nicht nach", behauptet er, "ich entscheide von Jahr zu Jahr, ob ich noch weitermache. Immer im Sommer." Schwere Verletzungen musste der als Gentleman unter den Spielern bekannte Persson bislang nicht beklagen, er besitzt eine beneidenswerte Konstitution und noch immer ein tolles Reaktionsvermögen.Doch auch der Hallensport Tischtennis birgt seine Gefahren: Europameister Michael Maze, 28 Jahre alt, aus Dänemark musste seinen Start beim Top 12 kurzfristig absagen. Ein umgestürzter Tischtennistisch hatte ihm eine tiefe Fleischwunde zugefügt.------------------------------Foto: Spielt und spielt und spielt: Jörgen Persson, 44, kann nicht aufhören.