POTSDAM. Johanna Wanka kann strahlend und selbstbewusst lachen, wenn sie mit sich und der Welt zufrieden ist. Zurzeit sieht die 57-jährige Wissenschafts- und Kulturministerin etwas blass und müde aus. Vor zehn Tagen hat die zerstrittene CDU Johanna Wanka auf einem ungewohnt friedlichen Parteitag klar als Parteichefin und Spitzenkandidatin bestätigt. Da ging es ihr noch gut. "Ich bekomme die Erkältung einfach nicht weg", sagt sie am Montag knapp. Und eine Auszeit kann sie sich nicht leisten.Erst der Rücktritt von CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek, zwei Tage Landtagssitzung, Parteivorstand, ungezählte Einzelgespräche. Heute steht der neuen CDU-Chefin schon wieder eine Bewährungsprobe bevor. Der Fraktionsvorsitz wird neu besetzt. Und ihre Wunschkandidatin, die forsche Abgeordnete Saskia Funck, ist umstritten. Von der Regierungsbank blickt Johanna Wanka jetzt öfter mit ernstem Gesicht in den Plenarsaal. Ihr gegenüber sitzt die CDU-Fraktion.Seit November muss Wanka ihre Perspektive verändern. Ihr Platz ist jetzt neben Ministerpräsident Matthias Platzeck. Gut sieben Jahre saß dort Innenminister Jörg Schönbohm. Nach dem neuen Ausbruch der Lagerkämpfe, seine Autorität war dahin, überließ Schönbohm 2007 Ulrich Junghanns seinen Stuhl. Im Oktober trat auch der Wirtschaftsminister als CDU-Chef zurück. Nun ist Johanna Wanka zur Vize-Regierungschefin aufgerückt. Und auf den Platz neben Platzeck.Bislang saß sie auf der anderen Seite des Rednerpults, vis-à-vis der oppositionellen Linksfraktion. Da hatte sie noch mehr zu lachen. Sie konzentrierte sich auf ihr Ressort. Als Wissenschaftsministerin hat sie sich einen guten Ruf erworben. "Es war ein Sprung ins kalte Wasser", beschreibt die frühere Rektorin der Fachhochschule Merseburg ihren Einstieg vor gut acht Jahren. In Merseburg hatte sie 1989 das Neue Forum mit begründet. In Potsdam stellte sie fest, dass sie gerne Ministerin ist. 2001 trat sie in die CDU ein.Die direkte Art der quirligen Mathematik-Professorin kommt gut an. Sie unterhält gute Kontakte zu SPD und Linken. Sie ist keine abgehobene Intellektuelle. Geboren im sächsischen Rosenfeld, unweit der Grenze zu Brandenburg, findet sie auch Zugang zu den Menschen auf dem flachen Land. Sie ist beliebt. Jetzt muss sie darauf achten, dass sie auch neben Matthias Platzeck ausreichend zur Geltung kommt. Sie muss ihr Themenspektrum verbreitern, sie muss eine Parteipolitikerin werden. Das ist nicht leicht. Von der Regierungsbank aus reagiert sie neuerdings empörter auf die Auftritte von Kerstin Kaiser, Fraktionschefin und Spitzenkandidatin der Linken. Vor allem aber hat sie alle Mühe, im Blick zu behalten, was sich in der CDU tut.Sticheleien aus der SPDBisher konnte sich Wanka darauf verlassen, dass sie bei den meisten ihrer 20 Abgeordneten Rückhalt genießt. Das Lager um den umstrittenen CDU-Vize Sven Petke, das in der Partei längst das Sagen hat, ist in der Fraktion noch unterrepräsentiert - und verschrien. Um die Querelen zu befrieden, musste Wanka mit dem Petke-Flügel Bündnisse schmieden. Das hatte seinen Preis: Die Demontage von Lunacek, den die Landes-CDU nicht mehr als Kandidat für die Wahlen im September aufgestellt hat. Sein Rücktritt und das böse Echo trafen die CDU-Chefin unvorbereitet. Auf den Neujahrsempfängen im Land ist die CDU jetzt wieder beherrschendes Thema. Das nimmt Wanka Lunacek persönlich übel.Noch immer ist es Johanna Wanka vom Gesicht abzulesen, wenn sie von jemandem nichts hält. Was den Strippenzieher Petke angeht, gab es da nie Zweifel. Jetzt aber hat sie den 67-jährigen Abgeordneten Dieter Helm gerügt, weil der Petke als den "disziplinlosesten Abgeordneten des Landtages" abgekanzelt hat, der komme, wann er wolle und ständig mit dem Handy spiele. Von Helm wird auch der Satz kolportiert, Wanka komme ihm vor wie ein trojanisches Pferd. Das deckt sich mit den Sticheleien aus der SPD, wo sie als machtlose Galionsfigur des Petke-Flügels dargestellt wird.Das ärgert Johanna Wanka. Gebetsmühlenartig wiederholt sie, dass die alten Kampflinien nicht mehr gelten: "Es gibt keine Lager mehr." Als Kronzeugin für das neue, sachorientierte Miteinander in der CDU führt Wanka seit Wochen Saskia Funck an, die einflussreiche Vorsitzende des mitgliederstarken Kreisverbandes Potsdam-Mittelmark. Der 40-Jährigen will sie die Führung der Fraktion anvertrauen. Viele Abgeordnete halten Funck noch immer für eine Unterstützerin Petkes, einerseits. Andererseits wollen sie die CDU-Chefin nicht beschädigen. Bis zur letzten Minute wird Wanka heute Einzelgespräche führen. Bei der Wahl der Fraktionsspitze darf nichts schiefgehen.------------------------------Keine Lust auf HamburgJohanna Wanka gehört 1989 zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Forums in Merseburg (Sachsen-Anhalt). Erst nach ihrer Ernennung zur Ministerin in der Brandenburger Regierung 2001 tritt sie in die CDU ein.Zwei Jahre später wird sie CDU-Kreisvorsitzende in Dahme-Spreewald. Dort kandidiert sie 2004 auch erstmals für den Landtag. Das Angebot, Wissenschaftsministerin im Hamburger schwarz-grünen Senat zu werden, lehnt sie 2008 ab.Nach dem Rücktritt von Ulrich Junghanns übernimmt Johanna Wanka im Oktober 2008 den CDU-Landesvorsitz. Sie ist mit dem Mathematik-Professor Gert Wanka verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Potsdam.------------------------------Foto: Brandenburgs neue CDU-Vorsitzende Johanna Wanka steht mit der Wahl der neuen Fraktionsspitze heute vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.