Bei einem Kulturereignis für einen Eklat zu sorgen, ist gar nicht mehr so einfach in dieser post-post-modernen Zeit. Relativ wirkungsvoll sind aber immer noch platte NS-Anspielungen. Zum Beispiel ein Hitlergruß. Ihn zeigt der Künstler Jonathan Meese deshalb immer mal wieder gern. Das garantiert Aufmerksamkeit, Aufregung und manchmal sogar Anerkennung. So auch am Mittwoch vergangener Woche, als Meese während seiner Ein-Mann-Performance „Generaltanz den Erzschiller“ in Mannheim ständig den Hitlergruß zeigte. Zudem kritzelte er auf eine Alienpuppe ein Hakenkreuz und deutete Oralsex mit ihr an. Das Publikum schmähte er dabei als „Formfleisch-Menschenklone“, die sich von „Demokratie-Terroristen“ regieren ließen. Das klingt alles ein wenig nach Sloterdijk für Arme, hatte aber immerhin den Erfolg, dass Dreiviertel der Besucher das Theater vor Ende der dreistündigen Farce verließen.

Nicht ganz so wirkungsvoll war 2012 sein Auftritt bei einem öffentlichen Spiegel-Gespräch, bei dem er eine „Diktatur der Kunst“ gefordert und das mit einem Hitlergruß untermalt hatte. Das trug ihm lediglich einen Strafbefehl der Kasseler Staatsanwaltschaft ein, weil er „Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ verwendet hat. Wegen einer ähnlichen Performance wurde er einst auch in Remagen angezeigt; damals jedoch befand die Staatsanwaltschaft, dass es sich bei Meeses Aktion nicht um Politik, sondern um Kunst handelte.

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