Joschka Fischer und der BMW: „Wunderschönes Fahrgefühl“

Schon ehe das Auto so recht zu sehen ist, ertönt eine raue Baritonstimme: „Wunderschönes Fahrgefühl.“ Der Wagen gleitet hinter ein paar Sträuchern entlang. „Ich bin beeindruckt.“ Schnitt. Jetzt ist der Fahrer in Nahaufnahme zu sehen: Ein korpulenter Herr fortgeschrittenen Alters, mit breitem, durchaus spitzbübischem Lächeln. Dann erst erscheint die Schrift im Bild: „Joschka Fischer und sein neuer BMW i3.“

Ob das Auto ein Renner wird? Wer weiß … Das kleine Kurzfilmkunstwerk über die „VIP Abholung im BMW Werk Leipzig“ ist auf Youtube jedenfalls ein Hit. Mehr als 120000 Besucher der Internetplattform wollten es innerhalb eines Tages sehen. Tendenz steigend. Da kann Thomas Gottschalk nicht mithalten. Wie der Showmaster seinen BMW M6 Gran Coupé vom Werk abholt, wollten bislang keine 25 000 Interessenten sehen. Liegt’s an seiner nachlassenden Popularität oder daran, dass Sportwagen mit 560 (in Worten fünfhundertsechzig) PS heute ziemlich aus der Mode sind?

Und da hakt der einstige Superstar der Grünen ein. Sein Gefährt ist nämlich mit Elektrizität getrieben und daher für ihn „das erste Auto des 21. Jahrhunderts“, das seine Wurzel nicht mehr im vorigen habe. Und außerdem macht es auch noch Spaß. Fischers Lächeln lässt keinen Zweifel daran. Aber wahrscheinlich liegt nicht falsch, wer dem alten Fuchs unterstellt, dass ihm mindestens so sehr wie das Fahren der Gedanke an seine alten Freunde (und Feinde) Freude macht, die „Joschka“ als Werbestarlet für die Autoindustrie ziemlich abgeschmackt finden. Oder typisch.

Die in diesen Kreisen populäre tageszeitung merkt dazu an, dass Fischer für einen Konzern werbe, dessen Eigner mit Großspenden für CDU und FDP in die Schlagzeilen geraten seien, nachdem die Bundesregierung auf Druck der Autolobby schärfe Klimaschutzauflagen der EU verhindert habe. Die Antwort gibt der Politiker a. D. im Firmenvideo: Seine wunderbare Kiste sei nicht nur ein Elektroauto und außerdem in Leipzig produziert. Öko und Osten – wenn das keine Argumente sind. Argumente allerdings, die bei Thomas Gottschalk und seinem PS-Dinosaurier keine Rolle spielen.

Ob diese wunderbare PR-Doppelstrategie Fischers Idee war? Die Firma teilt nur mit, dass er „als Berater für BMW“ arbeite. Weder habe er für seinen schauspielerischen Auftritt ein Honorar, noch für seinen neuen Berliner Stadtwagen einen Rabatt auf den Listenpreis erhalten. Und wie viel verdient der beratende Joschka? Kein Kommentar. Ist auch nicht nötig. Oder?