BERLIN. Vor langer, langer Zeit, im vergangenen Jahrtausend, war eine wichtige Position im Weltsport noch ein Job für ein halbes Leben. Generalsekretär des Fußball-Weltverbandes Fifa zu sein, bedeutete, mehrere Jahrzehnte aus vom Zürichberg die Geschäfte zu führen. Helmut Käser, ein promovierter Schweizer Jurist, war von 1960 bis 1981 Fifa-Generalsekretär. Er wurde in einer perfiden Kampagne vom eigenen Schwiegersohn aus dem Amt gedrängt. Der Mann, der seinerzeit - unterstützt von dubiosen Gestalten wie dem notorischen Schmiergeldboten André Guelfi - aus dem familiären Hinterhalt agierte, hieß: Joseph Blatter.Blatter blieb siebzehn Jahre Generalsekretär. Seit Juni 1998 fungiert er als Fifa-Präsident. Generalsekretäre haben es unter ihm nicht leicht. Im Frühsommer 2002 wurde sein einstiger Adlatus Michel Zen-Ruffinen entlassen, nachdem dieser seinem Lehrmeister in einem Aufsehen erregenden Dossier Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen hatte. Nachfolger Zen-Ruffinens wurde der blasse Schweizer Banker Urs Linsi, der zuvor einige Zeit in der Fifa-Finanzabteilung gedient hatte. Wie seit langem erwartet, ist Linsis Amtszeit nun auch beendet. Blatter hat nur seinen Krönungskongress Ende Mai vorbei rauschen lassen und wollte die Feierlichkeiten nicht mit einem Personalwechsel belasten. Keine zwei Wochen sind seither vergangen, nun hat sich Blatter von Urs Linsi getrennt, was eine saftige Abfindung kosten dürfte. Natürlich haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Schweigen kostet.Die Fifa kommunizierte die Trennung von Linsi auf unnachahmliche Weise. Am Montagabend wurde eine sehr kurze Pressemitteilung unter der Überschrift "Fifa plant Reorganisation für die Periode 2007 - 2010" verbreitet, die nur eine Nachricht hatte: Endlich sind wir Linsi los. Offiziell liest sich das allerdings so: "Nach erfolgreicher Vollendung seines fünfjährigen Mandats als Fifa-Generalsekretär hat sich Dr. Urs Linsi für eine neue Herausforderung entschieden." Bis zum 27. Juni, wenn Blatter im Exekutivkomitee seine Personalpläne absegnen lässt, wird der Finanzdirektor Markus Kattner, ein Deutscher, die Geschäfte führen.Die Fifa werde sich organisatorisch neu aufstellen, heißt es. Diese Neuaufstellung dürfte darin bestehen, dass Blatter seinen Präsidialbereich erweitert und als Generalsekretär (oder welche Stellenbeschreibung man auch immer dafür findet) seinen bisherigen Persönlichen Delegierten Jérôme Champagne fungieren lässt. Neben diesem General, der vor allem für die politischen Kontakte zu 208 Mitgliedsverbänden und damit letztlich für den Machterhalt des Systems Blatter zuständig ist, dürfte es künftig aber auch eine Art Geschäftsführer für den kommerziellen Bereich geben: Hier gilt der erst kürzlich entlassene Marketingdirektor Jérôme Valcke als Favorit.Diese Personalie ist besonders pikant, schließlich ist Valcke gerade über den noch vor Gericht anhängigen Sponsorenstreit mit den Kreditkartenmultis Visa und Mastercard gestolpert. Nach der offenbar betrügerischen Ausbootung des langjährigen Partners Mastercard ist die Fifa in diesem Segment ohne Einnahmen und verliert monatlich rund zwei Millionen Dollar.Jérôme Champagne ist Absolvent der Kaderschmiede des französischen diplomatischen Korps, er hat in einem Dutzend Länder auf vier Kontinenten gedient, er beherrscht nicht nur ein halbes Dutzend Sprachen perfekt, politisch macht ihm keiner etwas vor, höchstens sein Gönner Blatter. Während der mehr aus dem Bauch agiert, ist Champagne ein veritabler Denker und Stratege. Er ist derzeit der beste Mann in Fifa-Diensten.Im Boulevard wird auch Fifa-Kommunikationsdirektor Markus Siegler als Generalsekretär gehandelt. Siegler, lange Jahre mit Marion Mayer-Vorfelder liiert, verfügt zwar nicht über den Intellekt Champagnes - aber er müht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten. Vieles gelingt ihm nicht, jüngst kündigte er als Conférencier in Zürich den 56. Kongress an, obwohl es der 57. war. In der Schweiz ist er wegen seiner Liaison mit der sehr blonden Schlagersängerin Marianne Cathomen dennoch eine große Nummer. Ob das für den Aufstieg reicht?------------------------------Foto: Spaßvögel: Fifa-Sportkameraden Blatter (l.) und Linsi.

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