Jean Bouchards Stück ~Teures Glück" paßt auf den ersten Blick nicht so recht Ins Boulevard-Theater. Es gibt wenig zu lachen und auch kein Happy-End. Es ist -- wenn auch nicht ohne Humor -- ein eher trauriges Stück mit der Neigung zur Rührsellgkeit. Doch die wurde schließlich vermieden -- vor allem das Verdienst von Inge Meysel.Selbstredend spielt die Meysel, die nach fast 20 Jahren erstmals wieder auf einer Berliner Bühne zu erleben ist, auch hier ihre Lleblingsrolle. Doch sie tut es mit alterswelser Zurückhaltung und frappierender Schlichtheit, durchwoben von feinem, auch selbstironischem Humor. So verleiht sie der alten Germalne, deren Wohnung von Tochter Irene aus Geldnot verkauft werden soll, Bescheidenheit und Würde.Germaine war einst erste Näherin in einem Atelier der Pariser Haute Gauture. Eine Liebesaffäre mit einem Antifaschisten, der später im Spanienkrieg fiel, führte zum Selbstmbrd ihres Mannes. So zog Germaine Ihre Tochter allein auf, mußte das Atelier verlassen, trägt schwer an Ihrer Schuld und hat der Tochter die Wahrheit über den Tod des Vaters Immer verheimlicht.Offenbar wird alles durch Germalnes Begegnung mit der jungen Rosine. Zu Ihr findet die alte Frau das Vertrauen, das sie zu ihrer Tochter nicht hat. Rosine, unglücklich verliebte alleinerziehende Mutter, bietet Germalne schließlich an, statt ins Altersheim, zu ihr zu ziehen. Ulrike Stürzenbecher spielt zunächst die insche Unbekümmerte, zeigt dann, daß Rosine innerlich reift. Auch wenn sie später ihr Angebot an Germnalne zurücknimmt. Brigitte Grothum spielt die Tochter Irene weniger differenziert. Oberflächlich und mit eiliger Selbstbezogenheit gibt sie nur die Folie der Figur.Die Inszenierung Thomas Engels zeigt sich versöhnlich. Die aus Lebensiogen und Generatlonsentftemding erwachsenen Widersprüche werden nicht kräftig gegeneinander gesetzt, sondern eher hannonislerend weich gezeichnet. Daran ändert auch der am Schluß angedeutete Selbstmord Germaines nicht. Vielleicht doch ein Tribut an die Erwartungshaltung gegenüber der Boulevard-Bühne, die mit diesem Stück immerhin mutig durchbrochen wird. Sonnabend 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr.Jubel für Inge Meysel -- hier mit Ulrike Sturzbecher -- in der Komödie am Ku damm. Foto: Fieguth