WASHINGTON, 26. Januar. Der Jüdische Weltkongreß will die Übernahmepläne der Deutschen Bank in Amerika mit allen Kräften blockieren, bis die Ansprüche der NS-Opfer geregelt sind. "Nach derzeitigem Stand sind wir klar gegen die Fusion" zwischen der Deutschen Bank und dem amerikanischen Investmenthaus Bankers Trust, hieß es seitens der Organisation in New York. Sollte die Deutsche Bank ohne vorherige Einigung über die Entschädigung von Holocaust-Opfern die Fusionsgenehmigung beantragen, werde der Kongreß bei der Bankenaufsicht eine negative Stellungnahme abgeben. Zudem müsse die Deutsche Bank mit einem weltweiten Boykottaufruf rechnen."Wir haben der Deutschen Bank genügend Ansatzpunkte zu einer konstruktiven Verhandlung an die Hand gegeben, doch bislang sind wir nicht weit gekommen", sagte Elan Steinberg, Exekutivdirektor des Jüdischen Weltkongresses (WJC), zur "Berliner Zeitung". Es gebe deshalb auch noch keine Einigung über die Ansprüche der NS-Opfer. "Allerdings möchte ich klarstellen, daß wir selbstverständlich nicht die Macht haben, die Fusion zu blockieren. Wir können lediglich Vorschläge abgeben." Die endgültige Entscheidung über eine Blockade der Fusion werde dann der Stadtkämmerer von New York, Alan Hevesi, treffen. Dieser hatte jedoch bekanntgegeben, er werde die Fusion nicht unterstützen, falls er keinen positiven Bescheid vom WJC erhalte. Weiteren Druck auf die Bank wird allerdings noch die Offenlegung von neuen Dokumenten über die Rolle des Instituts im Dritten Reich ausüben. "Noch in dieser Woche werden wir die 400 Seiten lange Untersuchung der amerikanischen Militärregierung von 1946 über die Deutsche Bank in ihrer vollen Länge veröffentlichen", sagte Steinberg. Die Studie zeichne "ein düsteres Bild der Deutschen Bank in der damaligen Zeit". Besonders deutlich werde in den Dokumenten dargestellt, "auf welche illegale Art und Weise sich die Deutsche Bank auf Kosten der Nazi-Opfer bereichert hat".Die Bundesregierung will indessen durch eine bilaterale Vereinbarung mit den USA weitere Klagen von NS-Opfern gegen deutsche Unternehmen blockieren. Es soll offenbar eine Art Sammelfonds unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft gegründet werden. Darin würden sämtliche Unternehmen einzahlen, die während des Holocaust Zwangsarbeiter beschäftigten oder jüdische Vermögenswerte beschlagnahmten. Als Gegenleistung ist für die betreffenden Konzerne Immunität gegen weitere Zivilklagen in den USA vorgesehen. Wie es in Washington heißt, befänden sich die Gespräche noch in einem "sehr frühen Stadium". Die Deutsche Bank geht davon aus, daß es im zweiten Quartal zum Abschluß des Übernahmeverfahrens kommt. "Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß es auf Grund von Protesten oder einer Anhörung zu Verzögerungen kommt", sagte ein Sprecher. Man sei an einer zügigen Klärung der Ansprüche von Holocaust-Opfern interessiert und arbeite eng mit der Bundesregierung zusammen.