Es ist das markanteste Gebäude in der Torstraße und es hat keinen richtigen Namen. Viele Ost-Berliner kennen das achtgeschossige Haus gegenüber dem Nikolai-Friedhof noch unter der Bezeichnung Institut für Marxismus-Leninismus (IML). Mit dem Ende der DDR verschwand auch das IML. Seit 1995 steht das repräsentative Gebäude leer. Ein Jahr später wurde der in der Bauhaustradition stehende Bau an die Alteigentümer rückübertragen. Rechtsanwalt Mark Riede vertritt die Erben. "Die Besitzer sind eine Erbengemeinschaft, die in Israel und den USA ansässig ist", sagt er. Doch die Erben können mit dem Gebäude offenbar nichts anfangen und wollen es deshalb veräußern. Das wurde bereits in der Vergangenheit versucht, allerdings ohne Erfolg. Jetzt gibt es laut Riede konkrete Verhandlungen mit Kaufinteressenten. Namen will der Anwalt nicht nennen. "Wir hoffen, dass der Verkauf bald über die Bühne geht." Das Haus könne künftig für verschiedene Zwecke genutzt werden, beispielsweise als Hotel oder Bürohaus. Auch die Einrichtung von Lofts wären in dem denkmalgeschützten Bau denkbar, sagt Riede. Der Bezirk hat gegen solche Pläne keine Bedenken. "Rein rechtlich sind dort alle Nutzungsarten zulässig", sagt Klaus Stehr vom Stadtplanungsamt. Auch Gewerbe sei möglich.Die neuen Eigentümer übernehmen ein Gebäude, dass auf besondere Weise mit der deutschen Geschichte verbunden ist. 1928/29 ließ der jüdische Kaufmann Hermann Golluber das Haus errichten, das zunächst als Kaufhaus Jonas genutzt wurde. Nach der Machtergreifung der Nazis nehmen Golluber und sein Partner Hugo Halle zwei ihrer Angestellten in die Firma mit auf, offensichtlich um ihr Eigentum vor der so genannten Arisierung zu schützen, sagt Frank Reppenhagen, Anwalt der Golluber-Erben. Das gelingt nicht. 1939 sind Golluber und Halle von ihren ehemaligen Partnern aus dem Unternehmen verdrängt. Golluber emigriert mit seiner Frau in die USA, wo er wenig später stirbt. 1942 verkaufen die neuen deutschen "Eigentümer" laut Reppenhagen das Haus an die NSDAP. Alte Akten der KPDNach dem Krieg wird das Gebäude von der SED übernommen und dient als Sitz des Zentralkomitees der Partei. Der erste DDR-Präsident Wilhelm Pieck und Ministerpräsident Otto Grotewohl haben hier ihre Arbeitszimmer. Daran erinnern noch heute zwei Tafeln am Eingang. Ab 1959 ist das frühere Kaufhaus Sitz des Instituts für Marxismus-Leninismus. In dem Haus lagern unter anderem die Akten der KPD. Nach der Wende übernimmt die PDS die Akten. 1995 werden die Dokumente dann in die Stiftung "Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR" nach Lichterfelde gebracht. Seitdem steht das Haus leer.Für das Gebäude interessiert sich auch Hargen M. Bartels. Er hat die daneben liegende Backfabrik in der Prenzlauer Allee erworben. Das Haus schwärmt Bartels, sei "ein städtebauliches Juwel". Allerdings habe man sich mit den Erben nicht über einen Kaufpreis einigen können.Sitz des DDR-Präsidenten // 1928/29 ließ der jüdische Kaufmann Hermann Golluber das Haus errichten, das zunächst als Kaufhaus diente.1939 wird Golluber von den ehemaligen Partnern aus dem Unternehmen gedrängt. Er emigriert in die USA, wo er am 18. August stirbt.1942 zieht die Verwaltung von NSDAP-Jugendführer Baldur von Schirach ein.Nach dem Krieg dient das Gebäude als Sitz des ZK der SED. Der erste DDR-Präsident Wilhelm Pieck und Ministerpräsident Otto Grotewohl haben dort Arbeitszimmer.Ab 1959 ist das Haus Sitz des Instituts für Marxismus-Leninismus.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING(2) Steht seit sechs Jahren leer: das frühere Institut für Marxismus und Leninismus. Die Eigentümer wollen es verkaufen.