FRANKFURT A. M. Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff wollten eine Botschaft loswerden, das war nicht zu überhören. Offiziell waren sie nach Frankfurt gekommen, um mit den Journalisten organisatorische Fragen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft zu besprechen. Dann aber nutzten der Bundestrainer und der Manager der deutschen Nationalmannschaft ihr Podium, um inhaltlich vorzupreschen. Sie bestätigten, was zuvor nur ein Gerücht gewesen war: Bernhard Peters (45), zurzeit Nationaltrainer der deutschen Hockeyspieler, soll Technischer Direktor beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) werden.Klinsmann und Bierhoff lobten Peters derart ausführlich, dass mancher fast glaubte, die Personalie sei schon entschieden. "Bernhard Peters ist eine Person, die uns unheimlich viel beibringen und geben kann", befand Klinsmann. Die Gespräche mit ihm hätten "auf so hohem Qualitätsniveau stattgefunden, das hat uns überzeugt". Bierhoff ergänzte: "Wir tun gut daran, uns zu öffnen." Da wäre, sollte das heißen, der Hockey-Experte doch ideal geeignet. Der Technische Direktor, referierte Oliver Bierhoff, müsse ohnehin "eher Manager als Trainer sein". Er solle zuständig sein für Trainerausbildung, Jugendförderung, Leistungsdiagnostik, Trainingslehre: "Das ist ein wahnsinnig breites Feld."So schlüssig das auch klang: Ob Peters kommt, ist längst nicht klar. Theo Zwanziger, der Geschäftsführende Präsident des DFB, äußerte sich abwartend. "Ich bin sehr für Innovation, und ich persönlich schätze Herrn Peters sehr", ließ er verlauten. Andererseits müsse der Neue "auch Fußball-Stallgeruch haben". So scheint es, als habe Klinsmann mit seinem Vorstoß Fakten schaffen wollen - gegen alle Zweifel. Er sprach über Peters schon mit seinem Vornamen. "Natürlich haben wir den Bernhard schon beim DFB eingeweiht", berichtete Klinsmann. "Die Gespräche waren sehr positiv und sind sehr weit vorgedrungen." Dies, merkte DFB-Sprecher Harald Stenger schnell an, solle man aber nicht missverstehen: "Das komplette 14-köpfige Präsidium hat nicht mit Bernhard Peters am Tisch gesessen." Schon am 8. Februar soll das Gremium über die Angelegenheit entscheiden. Auch Matthias Sammer soll noch als Kandidat im Rennen sein.Schon jetzt aber zeigt sich: Die Debatte um Peters ist eine typische Klinsmann-Debatte. Sie handelt von Machtspielchen und von der Frage, inwieweit der DFB die Bedingungen des Bundestrainers akzeptiert. Sie zeigt, dass sich ohne den Modernisierer aus den USA im Verband wenig bewegen würde; sämtliche Anstöße zu professionelleren Strukturen stammten von ihm. Die Debatte wird wieder die Gräben aufreißen zwischen den Traditionalisten und den Fortschrittsgläubigen, die wie Klinsmann meinen, dass "wir im Fußball lange geschlafen haben". Bierhoff ahnt bereits: "Es ist wohl für viele erschreckend, dass Peters kein Fußballer ist."Ihren besonderen Reiz aber bezieht die Peters-Debatte daraus, dass sie über die WM hinausweist. Klinsmann betont immer wieder, er wolle im DFB langfristige Strukturen schaffen, die die WM überdauern. Der Technische Direktor Bernhard Peters würde den Verband tatsächlich prägen. Die Frage ist nur: Würde er, falls Klinsmann nach der WM zurücktritt, mit dessen Nachfolger harmonieren - wie immer der heißt? Würde das System Klinsmann auch ohne seinen Erfinder funktionieren? Diese Fragen dürften auch das DFB-Präsidium beschäftigen. Die Funktionäre lässt Jürgen Klinsmanns Vorgehen zumindest zögern: Er baut sich seine Zukunft, aber er sagt nicht, ob er selbst Teil dieser Zukunft sein wird. Er fordert Versprechen ein, verspricht selbst jedoch nichts.Vor Monaten wollte Klinsmann für den Posten des Technischen Direktors Berti Vogts, scheiterte aber am Widerstand des Verbandes. Nun der nächste Anlauf. Mit Peters tauscht er sich seit langem aus; der Hockey-Mann hat ihm oft öffentlich den Rücken gestärkt. Beide vertreten das sportartübergreifende Denken. Zudem ist Peters schon lange am Fußball interessiert. Er stünde jedoch wohl erst im Oktober zur Verfügung - denn bei der Hockey-WM im September will er das deutsche Team auf jeden Fall noch betreuen.------------------------------"Es ist wohl für viele erschreckend, dass Peters kein Fußballer ist." Oliver Bierhoff------------------------------Foto: "Bernhard Peters ist eine Person, die uns unheimlich viel beibringen kann": Jürgen Klinsmann hat sich auf den Hockey-Trainer festgelegt.

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