Auch die, die ihn mögen, bezeichnen Jürgen Wohirabe gern als forsch. Der fast SBjährige Filmverieiher, der heute das große Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens erhält, hat sich vor rund 25 Jahren in die Annalen der Jüngsten deutschen Geschichte geschrieben: Seine Jungfernrede im Bundestag regte 1969 den politischen SPD-Altmeister Herbert Wehner zu dem legendären Zwischenruf und geistreichen Wortspiel "Übelkrähe" an. Seitdem hatte der CDUPolitiker bei Linken, die ihn gern als Zielscheibe benutzten, den Spitznamen weg -- warum eigentlich, erinnert sich keiner mehr so genau.Der Vater zweier Kinder weiß um diese Popularität und lobt seinen Gegner für den "Ritterschlag". Den Einstieg in die Politik schaffte der Verlagskaufmann -- wie viele Berliner Parteifreunde -- über die Studentenorganisation der CDU und alle möglichen Parteifunktionen. 1967 in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt, kam er 1969 in den Bundestag. Dort agierte er bis 1979. Alt-68er berichten gekränkt, daß er gern und regelmäßig die Studentenbewegung beschimpfte und als "Berichterstatter des Bundestages für die Hilfe in Indochina" nicht viel übrig hatte für Proteste gegen den US-Krieg in Vietnam. M~ehr als 15 Jahre lang bis heute ist er dem Abgeordnetenhaus treu geblieben. Als Berliner CDU-Schatzmeister kam er wegen der Korruptionsaffaren kurzzeitig ins Gerede. 1989 wagte er sich als Parlamentspräsident noch einmal in die vordere Arena. Auch dieses Amt legte er aus beruflichen Gründen nieder.Außerhalb seines politischen Weges ist sein Name nämlich eher mit berühmten Filmen verbunden. sergio Leonos "Es war einmal in Amerika" oder Bertoluccis "Der letzte Kaiser" machten Wohlrabe nicht gerade zu einem armen Mann. Jetzt stört ihn eine Beinthrombose, andere Leiden sind "Gerüchte". Er will täglich weiter 12 Stunden arbeiten und 16 Zeitungen lesen. Marlies Emmerich Jürgen Wohlrabe